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Vogelgrippe : Neue Stallpflicht steht bevor

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Bald wieder eingesperrt? Bild: AP

Angesichts der grassierenden Vogelgrippe in der Türkei steht eine neue Stallpflicht für Geflügel in Deutschland unmittelbar bevor. Grund sei derzeit nicht der Vogelflug, vielmehr bereiten illegale Fleischimporte den Experten Sorgen.

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          Die Bundesregierung wird nach Worten von Agrarminister Horst Seehofer wegen der Gefahr durch die Vogelgrippe höchstwahrscheinlich eine neue Stallpflicht für Geflügel erlassen. Dies werde mit einer Eilverordnung geschehen. Die Entscheidung soll noch im Januar fallen, sagte Seehofer am Mittwoch in Berlin. Unterdessen wurden aus China zwei weitere Todesopfer gemeldet.

          Seehofer sagte, der Vogelzug sei im Januar nach Meinung von Experten kein großes Problem. Für das Risiko einer Übertragung der Tierseuche entscheidender sei der illegale Import von Geflügel und Produkten aus den befallenen Regionen, darunter die Türkei und Rumänien.

          Es helfe hier nur ein verantwortliches Verhalten der Bevölkerung, um die Sache in den Griff zu kriegen. In der EU werde Deutschland darauf drängen, daß die Kontrollen an den Außengrenzen verstärkt würden. Wenn in Deutschland illegale Einfuhren von Geflügelprodukten beschlagnahmt würden, deute das darauf hin, daß an den Außengrenzen zu wenig kontrolliert werde.

          Strenge Kontrollen bei „Grüner Woche“

          Um eine weitere Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strenge Kontrollen bei der anstehenden Grünen Woche in Berlin gefordert. Die Gefahr, daß der Vogelgrippe-Erreger durch Kontakte von Tieren untereinander sowie durch Kontakte zwischen Mensch und Tier verbreitet werde, sei relativ hoch, sagte der Leiter des Influenza-Programms der WHO, Klaus Stöhr, am Mittwoch in einem Radio-Interview. Bei der anstehenden Landwirtschafts- und Ernährungsmesse seien deshalb strenge Personen- und Tierkontrollen sinnvoll.

          Die Grüne Woche findet vom 13. bis 22. Januar in Berlin statt. Eine Sprecherin betonte, zusätzliche Schutzmaßnahmen seien nicht erforderlich, da insgesamt nur wenig Geflügel bei der Messe zu sehen sei. Zudem handele es sich ausschließlich um Tiere aus Deutschland. Seehofer appellierte an die Aussteller der Grünen Woche auf Geflügel völlig zu verzichten.

          WHO-Experte Stöhr widersprach der Darstellung der Türkei, daß die Vogelgrippe unter Kontrolle sei. Es werde Monate dauern, die Krankheit zu bekämpfen; in Asien werde es wohl sogar drei bis fünf Jahre dauern. „Man kann nur hoffen, daß es in der Türkei schneller geht“, sagte er. Die Gefahr, daß die Vogelgrippe durch Zugvögel übertragen werde, sei dagegen relativ gering.

          Weitere Vogelgrippe-Tote in China

          Aus China wurden abermals zwei Vogelgrippe-Todesfälle bei Menschen bekannt. Es handele sich um ein zehnjähriges Mädchen und einen 35 Jahre alten Mann, sagte WHO-Sprecher Roy Wadia. Die beiden starben schon im Dezember. Damit hat die Vogelgrippe in China bislang fünf Menschen das Leben gekostet.

          Das verstorbene Mädchen stammte aus der südlichen Provinz Guangxi und litt Medienberichten zufolge seit Ende November unter Lungenentzündung und hohem Fieber. Der Mann kam aus der Provinz Jiangxi im Osten des Landes, er erkrankte Anfang Dezember. China hatte zudem am Dienstag den achten Verdachtsfall von Vogelgrippe beim Menschen bestätigt. Ein sechs Jahre alter Junge infizierte sich demnach im Dezember mit dem H5N1-Virus, sein Zustand wurde als kritisch beschrieben.

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