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Vogelgrippe : Das Federvieh muß wieder in die Ställe

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Die Vogelgrippe ist von China in die Türkei vorgedrungen. Weil Zugvögel die Seuche verschleppen, sollen jetzt Hühner, Enten und Gänse in die Ställe, um sich nicht anzustecken. So will es Landwirtschaftsminister Seehofer (CSU).

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          Nach dem Vordringen der Vogelgrippe des gefährlichen Typs H5N1 von China bis in die Türkei will die Bundesregierung schon bald wieder eine Stallpflicht für Hausgeflügel erlassen. Darauf einigten sich Bund und Länder am Mittwoch in Berlin bei einer Beratung über Maßnahmen zum Schutz vor der Vogelgrippe.

          „Nach allem, was wir bisher wissen, ist die Verschleppung der Seuche durch Zugvögel erfolgt“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Seehofer (CSU) im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir müssen alles tun, um die Ausbreitung nach Deutschland zu verhindern. Eine der Maßnahmen dazu ist die Aufstallungspflicht.“ Bei der Stallpflicht handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme, die die Infektion von Hühnern, Gänsen und Enten durch Zugvögel verhindern soll.

          Seehofer: „Lückenlose Kontrolle unmöglich“

          Gefahr durch Zugvögel droht nach Ansicht von Fachleuten allerdings erst von Ende Februar an, wenn sich die ersten Vögel aus ihren Winterquartieren wieder auf den Weg in den Norden machen. Der Landwirtschaftsminister plant dennoch, eine Eilverordnung für die Stallpflicht schon Ende dieses Monats zu erlassen. „Aktuell ist es aber noch wichtiger, daß der illegale Import von Geflügel aus der Türkei oder Rumänien oder den Ländern Südostasiens beendet wird“, sagte Seehofer.

          Sie übertragen die Seuche: Zugvögel
          Sie übertragen die Seuche: Zugvögel : Bild: dpa/dpaweb

          Es sei erschreckend, was bei Kontrollen an den deutschen Grenzen immer noch sichergestellt werde. Es helfe hier nur verantwortliches Verhalten der Bevölkerung, um die Sache in den Griff zu bekommen. Der Minister gestand ein, daß eine lückenlose Kontrolle „objektiv unmöglich“ sei. Das Risiko habe sich erhöht, nachdem die Seuche in der Türkei auch bei Menschen aufgetreten sei.

          25.000 Tiere getestet

          „Deswegen ist erhöhte Wachsamkeit wichtig“, sagte Seehofer. Mit seinen Kollegen aus den Bundesländern beriet er deswegen in Berlin auch, wie die Importkontrollen besser koordiniert werden können. Seehofer plant, daß jeder Reisende schriftlich erklären muß, daß er kein Geflügel und keine Geflügelprodukte einführt. „Das ist eine zusätzliche Hemmschwelle - auch unter strafrechtlichen Gesichtspunkten.“

          Die EU-Staaten haben am Mittwoch ihre Vorkehrungen zum Schutz gegen die Vogelgrippe weiter verschärft. Der Ständige EU-Ausschuß für Nahrungsmittelsicherheit verlängerte das laufende Testprogramm für Geflügeltiere und -produkte bis zum Jahresende. Für die Tests sollen zwei Millionen Euro aus dem EU-Haushalt zur Verfügung gestellt werden. Bisher seien 25.000 Tiere aus den EU-Ländern getestet worden, ohne daß dabei die besonders gefährliche Variante des Vogelgrippevirus (H5N1) aufgetreten sei, teilte die Europäische Kommission mit.

          Keine Übertragung von Mensch zu Mensch

          Am Donnerstag wird der für Gesundheitsfragen zuständige EU-Fachausschuß in Luxemburg eine Bewertung der Entwicklung vornehmen. An der Sitzung werden auch Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie des in Stockholm ansässigen Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) teilnehmen.

          Die bisher vorliegenden Ergebnisse der derzeit in der Türkei vorgenommenen seuchenmedizinischen Untersuchungen deuteten darauf hin, daß die Übertragung der Vogelgrippe demselben Muster folge wie in den fernöstlichen Verbreitungsgebieten, sagte ein ECDC-Sprecher. Dies gelte insbesondere dafür, daß es keinerlei Belege für eine mögliche Übertragung der Vogelgrippe von Mensch zu Mensch gebe.

          Scharfe Kritik an der Türkei übte unterdessen der CDU-Europaabgeordnete Florenz. Die Regierung in Ankara wisse „seit Dutzenden von Wochen“, daß die Vogelgrippe im Land grassiere. Sie habe die EU aber nur schleppend informiert, sagte Florenz, der Vorsitzender des Ausschusses für Volksgesundheit im Europäischen Parlament ist.

          „Grüne Woche streng kontrollieren“

          Die WHO rief wegen der Ausbreitung der Vogelgrippe dazu auf, die Landwirtschafts- und Ernährungsausstellung Grüne Woche, die am Freitag in Berlin beginnt, streng zu kontrollieren. Der Leiter des WHO-Influenza-Programms, Stöhr, sagte, die Gefahr sei relativ hoch, daß der Erreger durch die große Ansammlung von Tieren und Menschen verbreitet werde. Die Veranstalter der Grünen Woche warnten unterdessen vor Panikmache. Bei der weltgrößten Agrarschau würden alle erforderlichen Maßnahmen zum Schutz vor der Vogelgrippe ergriffen, sagte der Geschäftsführer der Messe Berlin GmbH, Göke.

          Zusätzlich zu den vorgeschriebenen Kontrollen seien alle Tiere fünf Tage vor ihrer Messeteilnahme von einem Veterinär untersucht worden. Dabei habe es keine Auffälligkeiten gegeben. Die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnte in Rom vor einer weiteren Ausbreitung der Vogelgrippe in der Türkei. Sie stelle eine ernste Gefahr für die Nachbarstaaten dar.

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