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Dürre : Der kalifornische Traum ist zu feucht

  • -Aktualisiert am

Jetzt verpönt: Swimmingpools voller Wasser in Palm Springs Bild: Reuters

Kalifornien befindet sich im vierten Dürrejahr in Folge – und allmählich verändert der Golden State sein Gesicht. Das satte Grün in den Vorgärten, jahrzehntelang Symbol des „California Dream“, muss verschwinden. Und das ist erst der Anfang.

          Michael Bush empfiehlt Schopf-Lavendel oder Zistrosen. Vielleicht in einem Beet mit Reh-Haargras und Grasnelken? „Die Pflanzen brauchen so gut wie kein Wasser“, sagt der Mitarbeiter des Unternehmens Turf Terminators. „Und das Beste: Sie zahlen nichts, wenn wir Ihren Rasen gegen einen dürreverträglichen Garten tauschen.“ Das Geschäft blüht. Nach dem Angebot kalifornischer Wasserversorger, Hausbesitzern das Verwandeln des satten Grüns zu einem „California friendly garden“ mit etwa 30 Dollar je Quadratmeter zu versüßen, stehen am San Vicente Boulevard in Los Angeles die Telefone nicht mehr still.

          Im vierten kalifornischen Dürrejahr rücken jeden Tag Dutzende Teams der Turf Terminators aus, um wasserschluckenden Rasen durch Lavendel, Zistrosen und Gräser zu ersetzen – für den Preis der öffentlichen Zuschüsse, die sie im Auftrag der Hausbesitzer anfordern. „Erst erledigen wir den Papierkram“, verspricht Bush, „dann legen wir den Garten in ein bis zwei Tagen vollständig neu an.“

          Historische Dürre

          Wassersparen ist in Kalifornien längst kein Hobby mehr. Seit Gouverneur Jerry Brown im April zum ersten Mal in der Geschichte des Golden State zur Wasserrationierung aufrief, sind langes Duschen, wöchentliches Autowaschen und sattes Grün vor dem Haus tabu. 465 Hektar Ziergras, jahrzehntelang Symbol des „California Dream“, müssen verschwinden. „Der hübsche kleine Rasen, der jeden Tag gewässert wird, ist Vergangenheit“, sagte der Demokrat. Das Ziel seiner Verfügung: Bis 2016 sollen die Kommunen ihren Wasserverbrauch gegenüber 2013 um ein Viertel senken. Wie das Ziel erreicht wird, überlässt der Gouverneur den etwa 400 kalifornischen Wasserversorgern. „Die Leute müssen sich an die neue Lage gewöhnen“, sagte Brown. „Wir haben es mit einer historischen Dürre zu tun.“

          Die dunkelroten Flecken der Stufe 4, der höchsten des „U.S. Drought Monitor“ der University of Nebraska-Lincoln, ziehen sich auf der Landkarte über die Hälfte des Bundesstaates – vor einem Jahr war es erst ein Viertel. Nach heißen Sommern und einem besonders niederschlagsarmen Winter rücken immer mehr Regionen des Pazifikstaates von der Trockenheitskategorie 3 („extreme“) in die Kategorie 4 („exceptional“). Das dunkelrote Dürregebiet zieht sich mittlerweile von Los Angeles im Süden durch das Central Valley bis an die Grenze zu Oregon.

          Da der Rasen bis zu zwei Drittel des Wassers vieler kalifornischer Privathaushalte beansprucht, wird jetzt vor allem da gespart. Der Küstenort Santa Monica, seit Jahren das grüne Gewissen Südkaliforniens, gewährt Hauseigentümern Zuschüsse für die Entfernung des Rasens und unterstützt sie beim Aufstellen von Regentonnen. Für wenig Geld kommt ein Landschaftsgärtner ins Haus, der den Rasen in einen Garten mit mediterranen Pflanzen und einer sparsamen Wässerungstechnik verwandelt. Für jeden Quadratmeter gewährt die Stadt einen Zuschuss, den „sustainable landscape rebate“, in Höhe von fast 40 Dollar. Das Reinigen von Gehweg und Garageneinfahrt mit dem Gartenschlauch ist verboten, ebenso das Leeren des Swimmingpools. Bei Reparaturen steigen die Handwerker schon mal mit Tauchausrüstung in das Becken. Eiswasser, in Restaurants bislang eine Selbstverständlichkeit, wird nur noch auf Nachfrage serviert. Auch die bei Einheimischen und Touristen beliebten Dinosaurier-Brunnen auf der Third Street Promenade dürfen nicht mehr plätschern.

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