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Videospiel : Blindes Vertrauen

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Französische Lehrer haben das erste Videospiel für Sehbehinderte und Blinde entwickelt. Realistische Akustik und ein sensibler Joystick ermöglichen Blinden das multimediale Vergnügen.

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          Die Idee ein Videospiel für Blinde zu schaffen kam dem 32jährigen Französischlehrer Franck Lucéa während er mit Migräne und Augenbinde mehrere Tage lang das Bett hüten mußte. Seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Videospielen, konnte er „blind“ natürlich nicht nachgehen und so begannen sein Kollege Claude Bourdon und er ein blindengerechtes Videospiel zu entwickeln.

          Der blinde Tachido führt als Samurai, der im Säbelkampf die Ehre seines Vaters rächen will, durch das Spielgeschehen. Trotz der komplizierten Technik, die nötig war um das Spiel sehbehindertengerecht zu gestalten, müssen die Spieler nicht auf das klassische Videospielrepertoire verzichten. Vielmehr liefert die Handlung einen guten Hintergrund für Heldenkämpfe, Rätsel und das Eintauchen in eine geheimnisvolle Welt.

          Joystick überträgt „Gefühle“

          Abgesehen von Multimedia- Studenten, Grafikern und Programmierern, habe der Spezialist für Akustik „die wichtigste Aufgabe zu bewältigen gehabt“, so Lucéa. „Schließlich sei es vor allem die sehr realistische Tonkulisse, die den Sehbehinderten durch das Spiel führt.“

          Vier Lautsprecher die für den Spielvorgang benötigt werden, erlauben es dem Spieler Geräusche wie zum Beispiel das Plätschern einer Quelle oder das Annähern eines Feindes differenziert wahrzunehmen. Verbunden mit einem sensiblem Joystick der durch Vibrationen die „Gefühle“ der Bildschirmhelden überträgt und je nach Phase des Spieles langsamer oder schneller funktioniert, hat der Spieler trotz seiner Sehbehinderung die Möglichkeit, die Spielhandlung selbständig zu beeinflussen und zu lenken. Insgesamt 70 virtuelle Figuren und technische Feinheiten, zum Beispiel unterschiedliche Geräusche für unterschiedliche Säbelschläge, begleiten die 20- bis 30stündige Reise von Tachido auf fünfzehn Schwierigkeitsleveln.

          Vermarktung nicht nur in Frankreich

          Zukünftig soll die Erfindung der beiden Franzosen, die unter anderem schon vom französischen Wissenschaftsministerium mit einem Preis ausgezeichnet wurde, von Blindenorganisationen unterstützt werden, so daß das Blinden-Video noch vor Weihnachten 2004 auf dem Markt erhältlich sein wird.

          Obwohl die Markteinführung vorerst nur in Frankreich geplant ist, sei das Spiel aber auch in anderen Ländern zu vermarkten. Doch bräuchte es dafür Partner, die die Stimmen in andere Sprachen übersetzten, so Lucéa.

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