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Verfrühte Sommerzeit : Wie sich die Zeiten ändern in Ägypten

  • -Aktualisiert am

Geht es nach dem Elektrizitätsminister, sollen die Ägypter zu Hause Licht sparen und die Räume nicht stark klimatisieren Bild: AP

Eigentlich sollte die Sommerzeit in Ägypten erst nächste Woche beginnen. Doch schon jetzt ticken die Uhren anders – und mancherorts geht es drunter und drüber.

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          Ägyptens neue Zeitrechnung sollte erst in der kommenden Woche beginnen, mit der Wahl des Militärmachthabers Abd al Fattah al Sisi zum neuen Präsidenten. Doch die Regierung in Kairo verordnete dem Land den Zeitenwechsel sogar noch früher: Seit knapp einer Woche gilt zwischen Nil und Rotem Meer wieder die Sommerzeit. Kurz nach der Revolution gegen Husni Mubarak im April 2011 war sie abgeschafft worden, weil sie zum Energiesparen nicht tauge – was man sich bei der Einführung 1988 noch erhofft hatte.

          Jetzt wird die Energiekrise des Landes wieder als Grund für die neue Sommerzeit angeführt, gegen die selbst der Elektrizitätsminister Einwände hatte: Die Ägypter sollten lieber zu Hause das Licht nicht dauernd brennen lassen und die Räume nicht auf Frost klimatisieren. Seit Wochen fällt auch in den Vierteln der Wohlhabenden Kairos immer einmal wieder der Strom aus. Den großen Blackout fürchtet die Regierung für die Sommermonate, wenn die Klimaanlagen bis zum Anschlag laufen. Daran ändere eine Stunde mehr oder weniger Sonnenlicht wenig, sagen die Kritiker der Sommerzeit.

          Das Nachsehen haben vor allem Reisende

          Den unbedachten Beschluss der Regierung baden nun Reisende, Computer- und Handynutzer aus. Weil das zuständige Nationale Normenamt nicht rechtzeitig informiert wurde, gehen Mobiltelefone und Funkuhren weiter nach der alten Zeit. Auch Millionen Rechner, die sich früher automatisch anpassten, machen manuelle Umstellungen eigenmächtig rückgängig. „Nach neuer oder alter Zeit?“ lautet zurzeit die Gegenfrage, wenn man sich nach der Uhrzeit erkundigt.

          Immer wieder fällt derzeit in Kairo der Strom aus. Als Grund muss nicht zuletzt die Energiekrise des Landes herhalten
          Immer wieder fällt derzeit in Kairo der Strom aus. Als Grund muss nicht zuletzt die Energiekrise des Landes herhalten : Bild: AP

          Verspätungen um ein paar Stunden sind am Nil zwar keine Seltenheit, aber die Regierung, die doch mehr Touristen im Land haben will, hätte sich vielleicht doch die Mühe machen sollen, die großen Reiseveranstalter früher über die nötigen Flugplanänderungen zu informieren. Trotz mehrfachen Nachhakens westlicher Botschaften gab die Regierung aber erst wenige Stunden vor der Zeitumstellung eine offizielle Erklärung heraus. Tausende Reisende warteten deshalb am vergangenen Freitag eine Stunde länger auf den Abflug. Um das Chaos perfekt zu machen, wird die Sommerzeit Ende Juni für einen Monat ausgesetzt. Dann beginnt der Fastenmonat Ramadan, und den Millionen Gläubigen soll nicht zugemutet werden, in der heißen Fastenzeit länger als nötig auf den Sonnenuntergang zu warten – Energiekrise hin oder her. Zurückgestellt auf Sommerzeit werden die Uhren vier Wochen später. Und im September ist dann wieder Winterzeit.

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