„Verschickungskinder“ : Als die Kur zur Qual wurde
Das Kindersanatorium Haus Bernward in Bonn-Oberkassel befand sich in einer herrschaftlichen Villa mit weitläufigem Park direkt am Rhein. Unbeschwerte Sommerferien würde er hier nicht verbringen, das ahnte der zwölf Jahre alte Detlef Lichtrauter schon, als er im Sommer 1973 mit anderen Neuankömmlingen in die Eingangshalle geführt wurde. Marmorboden, die Wände mit schwerem dunklen Holz vertäfelt – alles war einschüchternd, bedrückend an Haus Bernward. Vom ersten Moment an herrschte ein rauer Befehlston: „Mund halten!“, „Stehen bleiben!“, schnauzten die „Tanten“. Lichtrauter erinnert sich, dass er das kleine Päckchen mit Süßigkeiten abgeben musste, das ihm seine Eltern bei der Abreise zugesteckt hatten. „Den anderen ging’s genauso.“
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