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Flugzeug-Absturz im Mittelmeer : Schiffe und Flugzeuge suchen nach Egypt-Air-Maschine

Ein Airbus A320 der Fluggesellschaft Egypt Air in Istanbul, aufgenommen im April 2011. Ein solches Flugzeug wird seit Donnerstagnacht vermisst. Bild: dpa

Das vermisste Flugzeug der Egypt Air ist nach Angaben des ägyptischen Luftfahrtministeriums offenbar abgestürzt. Unklar ist, ob es sich um technisches Versagen oder einen Anschlag handelt.

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          Die ägyptischen und griechischen Behörden haben eine Suchaktion gestartet, nachdem ein Flugzeug der ägyptischen Fluggesellschaft  Egypt Air in der Nacht zum Donnerstag über dem östlichen Mittelmeer verschwunden ist. Ein Sprecher des ägyptischen Militärs teilte mit, es seien sowohl Schiffe als auch Flugzeuge an der Operation beteiligt. Es werde sowohl  zu Wasser als auch an Land nach dem vermissten Airbus gesucht. Griechenland beteiligte sich mit zwei Flugzeugen an der suche und auch Frankreich kündigten an, Schiffe und Flugzeuge zu entsenden. „Sie haben nicht um Hilfe gerufen oder Höhe verloren. Sie sind einfach verschwunden“, sagte Ehab Mohy el Deen, der Chef der ägyptischen Flugsicherungsbehörde.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Über die Ursache des Verschwindens herrschte zunächst Unklarheit. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Angaben aus der griechischen Luftfahrtbehörde, das Flugzeug sei rund 240 Kilometer vor der  griechischen Insel Karpathos ins Meer gestürzt. Der französische Präsident Francois Hollande sagte, es sei leider klar, dass das Flugzeug verloren und im Meer versunken sei. Die Ursache sei völlig offen.

          Vom Radar verschwunden: Die Karte zeigt die Route des nun vermissten Egypt-Air-Fliegers.

          Einiges spricht für Terror

          Es könnte sich sowohl um technisches Versagen wie auch einen Terroranschlag gehandelt haben. Für letzteres spreche laut Experten, dass die Crew offenbar keinen Notruf absetzte, bevor die Maschine vor den Radarschirmen verschwand. Bei technischen Problemen, einem Triebwerkschaden oder einem Brand bleibe aber normalerweise genügend Zeit zu reagieren, sagte der ehemalige Leiter der französischen Flugunfallbehörde, Jean-Paul Troadec. Auch der Luftfahrtexperte Gérard Feldzer hält ein technisches Problem als Ursache für den Absturz für wenig wahrscheinlich. Nach seinen Angaben war der Airbus A320 seit 2003 im Dienst und damit noch „relativ neu“, er stürzte während des Flugs unter „außerordentlich stabilen Bedingungen“ ab.

          Der Flug MS804 verschwand um etwa 02:30 Uhr Kairoer Zeit vom Radar. Er war am späten Mittwochabend aus der französischen Hauptstadt Paris in Richtung der ägyptischen Hauptstadt Kairo gestartet. An Bord waren 56 Passagiere, unter ihnen drei Kinder, sieben Besatzungsmitglieder und drei Sicherheitsleute. Von den Passagieren sind 30 Ägypter und 15 Franzosen. Die anderen kommen aus acht Ländern darunter Großbritannien, Belgien, Algerien und verschiedene arabische Golfstaaten.

          Widersprüchliche Angaben über einen angeblichen Notruf

          Den mutmaßlich letzten Kontakt mit griechischen Stellen hatte der Pilot nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters über der griechischen Insel Kea. Er habe nicht erwähnt, dass es Probleme gebe, sagte demnach der Direktor der  griechischen Luftfahrtbehörde. Widersprüchliche Angaben gab es zunächst über einen angeblichen Notruf. Egypt Air hatte mitgeteilt, es sei um 04:26, also etwa zwei Stunden, nach dem der Radarkontakt abgebrochen wurde, ein automatisches Notsignal gesendet worden. Ein Sprecher des ägyptischen Luftfahrtministeriums sagte, er wisse nicht, ob der Pilot einen Notruf  abgesetzt habe. Die Armee teilte indes mit, sie habe keinerlei  „Notrufmitteilungen“ erhalten.

          Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault und Verkehrsminister Alain Vidalies äußern sich am Donnerstag in Paris nach einer Krisensitzung zum möglichen Absturz

          Der ägyptische Präsident Abd al Fattah al Sisi rief wegen des Absturzes den Nationalen Sicherheitsrat zusammen. Sisi werde am Donnerstag einem Treffen des Gremiums vorsitzen, teilte das Präsidentenbüro am Morgen mit. Das ägyptische Außenministerium schickte unterdessen ein Beileidsschreiben an Frankreich. Dies ist der erste offizielle Hinweis von ägyptischer Seite darauf, dass der Airbus mit 66 Menschen an Bord abgestürzt ist, obwohl das Wort Absturz dort nicht benutzt  wird. In einer Pressekonferenz sprach der ägyptische Luftfahrtminister vom „Verschwinden“ des Flugzeugs. Auch in Paris, wo die Sicherheitsmaßnahmen am Flughafen verschärft wurden, wurde ein Krisenstab  eingerichtet.

          Egypt Air steckt in der Krise

          Das Verschwinden des Flugzeugs ist ein neuerlicher Rückschlag für Kairo, das unter einer Wirtschaftskrise und schwindendem Tourismus leidet. Außerdem ist das Sisi-Regime mit andauernden Terroranschlägen und zunehmenden Unzufriedenheit der Bevölkerung konfrontiert.

          Die Fluggesellschaft Egypt Air ist ebenfalls von der Krise betroffen. Sie hatte im Dezember 2014 mitgeteilt, sie habe in den Jahren nach dem Aufstand gegen Husni Mubarak umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro Verlust gemacht. Erst am Wochenende hatten die Piloten  aus Protest gegen seit Jahren ausbleibende Gehaltserhöhungen Verspätungen bei den Abflügen provoziert.

          Im März hatte das Unternehmen in den Schlagzeilen gestanden, nachdem eines ihrer Flugzeuge auf einem Inlandsflug von Alexandria nach Kairo von einem Mann  mit einer Sprengstoffgürtelattrappe entführt und zur Landung auf dem Flughafen  von Larnaka auf Zypern gezwungen wurde. Auch wenn das Geiseldrama ohne Blutvergießen beendet wurde, beschädigte es den ohnehin ramponierten Ruf der  Fluggesellschaft und der Sicherheitsvorkehrungen an ägyptischen Flughäfen weiter.

          Diese hatten vor allen unter dem Terroranschlag von Oktober 2015 gelitten, als ein russisches Passagierflugzeug nach dem Start im Badeort Scharm el Scheich  über der Sinai-Halbinsel abstürzte und alle 224 Insassen getötet wurden. Die ägyptischen Behörden hatten noch Monate behauptet, die Absturzursache sei unklar, als schon sowohl russische als auch andere Regierungen von einem  Bombenanschlag islamistischer Terroristen sprachen.

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