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Verkehrsflugschiff Dornier Do X : Ein Boot fliegt übers Meer

  • -Aktualisiert am

Als man noch mit Beinfreiheit flog: Kabine der Do X Bild: Deutsche Lufthansa

Vor 80 Jahren erreichte das Verkehrsflugschiff Do X von Dornier, ein Vorläufer der großen Jets, nach seinem Atlantikflug New York. Die Do X glich noch mehr einem Schiff als den heutigen Flugzeugen, sie startete und „landete“ im Wasser, dennoch war sie, anders als ihre Vorgängermodelle, kein bloßes Boot mehr.

          Gestern die Erfüllung eines Menschheitsstraums, heute eine Selbstverständlichkeit: Otto Lilienthal flog mit dem ersten erfolgreichen manntragenden Flugzeug der Welt 1891 über Brandenburg – gerade einmal 25 Meter weit. Die Brüder Wright brachten den Motorflug, der Erste Weltkrieg Jagdflugzeuge und Bomber. In den zwanziger Jahren blühte die zivile Luftfahrt: Auch wenn die Pionierarbeit der Flugzeugbauer häufig vom Militär angestoßen und finanziert war, brachte sie erfinderische und ästhetische Glanzleistungen für den nichtmilitärischen Flugverkehr hervor.

          Jan Wiele

          Redakteur im Feuilleton.

          Eine solche war auch die Dornier Do X, mit deren Atlantiküberquerung und Ankunft in New York am 27. August 1931 ein weiterer Traum des Grenzen überwindenen Fliegens für jedermann verwirklicht schien. Es war ein Donnerstag, elf Uhr morgens, als die Do X vor der New Yorker Skyline entlang flog und schließlich im Battery Park, direkt an der Südspitze Manhattans und unweit des heutigen Ground Zero, zum Wassern ansetzte. Hier lag das vorläufige Ziel eines Repräsentationsflugs des zu diesem Zeitpunkt größten Flugzeugs der Welt.

          Sie startete und „landete“ im Wasser

          Der Flug hatte schon im Januar 1931 in Lissabon begonnen und führte über Nordafrika nach Rio de Janeiro. Auch die seit 1926 bestehende „Deutsche Luft Hansa“ (so die damalige Schreibweise) stellte dafür Piloten zur Verfügung. Die lange Dauer des Flugs ging allerdings auch auf Pannen zurück. Von Rio aus ging es in 16 Etappen weiter nach New York. Tausende applaudierten bei der Wasserung am Hafen; der vierzehnköpfigen Besatzung wurde ein Ehrenempfang in Anwesenheit von Präsident Herbert Clark Hoover bereitet. Neun Monate später flog die Do X über den Atlantik zurück nach Deutschland, wo sie auf dem Berliner Müggelsee wasserte. Die Do X glich wirklich noch mehr einem Schiff als den heutigen Flugzeugen, sie startete und „landete“ im Wasser, aber sie war doch kein bloßes Boot mehr, so wie ihre Vorgängermodelle. Die Flugboote Libelle, Delphin, Wal und Superwal hatten dem Konstrukteur Claude Dornier (1884 bis 1969) als Vorstufen zu seinem Glanzstück gedient, dem Jumbo-Jet seiner Tage, einer nie gesehenen Attraktion. Bei einem Testflug über dem Bodensee in der Nähe der Dornier-Werke im schweizerischen Altenrhein wurde im Oktober 1929 mit 169 Menschen an Bord ein Rekord der Personenbeförderung in einem Flugzeug aufgestellt. Er sollte bis 1949 nicht übertroffen werden. Die Do X war schon äußerlich imposant mit den sechs Tandemgondeln samt Propellern, die von zwölf wassergekühlten Motoren angetrieben wurden und in einer Reihe auf dem mächtigen Tragflügel mit 48 Meter Spannweite montiert waren. Innen bot der fliegende Koloss nicht weniger Grund zum Staunen: Auf drei Decks gab es neben großzügigen Passagierkabinen eine Küche, einen Gesellschaftsraum, einen Schlafsalon, einen Rauchsalon und eine Bar.

          Arbeiten an einem Modell der Do X im Dornier-Museum in Friedrichshafen

          Der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen

          Für Cornelius Dornier, den Enkel des Konstrukteurs, repräsentiert die Do X die Erinnerung an die Glanzzeit der transatlantischen Luftfahrt, die an den Luxus der Ozeandampfer anschließen sollte: „Es gab sogar ein eigenes Porzellan.“ Über seinen Vater Silvius Dornier, den 1927 geborenen Sohn des Großvaters Claude, hat Cornelius Dornier sogar noch vermittelte Erinnerungen an die ersten Flüge der Do X über dem Bodensee: „Mein Vater erzählt immer, er sei als kleiner Bub mit dem König von Siam in der Do X geflogen.“

          Der Ausbau des regelmäßigen luxuriösen Transatlantikverkehrs mit der Do X sei dann jedoch der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen, sagt der Enkel. Nach der Rückkehr aus New York landete der Prototyp der Do X bald im Museum. Neben zwei Modellen, die für Italien gebaut und dort zu Transportzwecken verwendet wurden, wurde kein weiteres dieser Flugschiffe gebaut.

          Und dennoch scheint sich in gewisser Weise das Erbe dieses ersten Luxus-Jumbos erhalten zu haben. Cornelius Dornier sieht die Do X als „geistigen Vorreiter“ des Airbus A 380, des bislang größten Passagierflugzeugs der Welt. Zur Erinnerung an die Pionierleistung Dorniers tauft die Lufthansa zum achtzigjährigen Jubiläum der Do X-Ankunft in New York an diesem Samstag einen Airbus A 380 in ihrer Flotte auf den Namen der amerikanischen Metropole am Hudson River.

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