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Verkehr : Der Traum von Magdeburg

  • Aktualisiert am

Wasserstraßen kreuzen sich bei Magdeburg Bild: dpa/dpaweb

Die längste Kanalbrücke Europas ist freigegeben. Das Riesenbauwerk über die Elbe bei Magdeburg zwischen Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal, ist das Herzstück des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg.

          Der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt war froh, daß er nicht baden ging. Er habe gesehen, wie wagemutige Schwimmer die Kanalbrücke durchquert hätten, sagte Wolfgang Böhmer (CDU) am Freitag bei der Eröffnung des neuen Wasserstraßenkreuzes Magdeburg. "Da hab ich schon beim Zuschauen gefroren." Als Böhmer das Riesenprojekt gemeinsam mit Bundesbauminister Manfred Stolpe (SPD) für den Schiffverkehr freigab, erwischte die beiden dennoch eine kalte Dusche. Ein Spalier aus Löschkanonen der Feuerwehr schoß über die Wasserbrücke, und der steife Westwind peitschte die Gischt über den Festplatz und die 15 000 Gäste.

          Für kurzes Erschauern hatte am Donnerstag abend zudem eine Havarie an der neuen Schleuse Rothensee gesorgt, die künftig das benachbarte Schiffshebewerk entlasten soll. Dort war eine Druckleitung geborsten und hatte eine Böschungsstraße unterspült. Aber schon in der Nacht zum Freitag hatten fleißige Hände das Leck gestopft, so daß die Feier mit viel Prominenz vonstatten gehen konnte. Gegen größere Schäden soll das Wasserstraßenkreuz gut gewappnet sein. Selbst die Jahrhundertflut habe dem Bauwerk nichts anhaben können, sagte Achim Pohlmann, Präsident der Wasser- und Schiffahrtsdirektion Ost. Mit der Eröffnung der Trogbrücke gehe ein "Traum in Erfüllung", weil die Kapitäne die Elbe nunmehr unabhängig vom Wasserstand überqueren und ebenso ganzjährig die Magdeburger Häfen vom Mittellandkanal aus erreichen könnten.

          Mehr als 500 Millionen Euro

          Das Wasserstraßenkreuz, das seit 1996 mehr als 500 Millionen Euro verschlungen hat, verkürzt die Fahrzeit der Schiffe von Hannover nach Berlin um drei Stunden. Bisher endete der Mittellandkanal bei Magdeburg, so daß ostwärts fahrende Schiffe einen Umweg über das Hebewerk und einen Seitenkanal in die Elbe nehmen mußten und erst von dort in den Elbe-Havel-Kanal vorstießen. Heute verbindet die mit 918 Metern längste Kanalbrücke Europas den Mittelland- und den Elbe-Havel-Kanal; anhalten müssen die Transporte nur noch an der neuen Doppelsparschleuse Hohenwarthe.

          Der Elbe-Havel-Kanal ist eröffnet

          Wichtiger noch als die Zeitersparnis ist bessere Schiffbarkeit. Erstmals können jetzt 110 Meter lange Großmotorgüterschiffe und 185 Meter lange Schubverbände mit bis zu 2,80 Metern Ladungstiefe und 3500 Tonnen Tragfähigkeit Magdeburg passieren. Die Idee für eine solche Wasserbrücke gab es schon 1919, in der NS-Zeit wurde der Bau sogar begonnen, aber 1942 in den Kriegswirren eingestellt. Stolpe nannte die neue Verbindung das "Wunderwerk Blaues Kreuz bei Magdeburg" und erinnerte daran, daß der Güterverkehr nicht zuletzt wegen der EU-Ost-Erweiterung in den kommenden Jahren um 65 Prozent zunehmen werde. Bessere Schiffahrts- und Eisenbahnverbindungen hülfen, den Straßenverkehr zu entlasten. Stolpes Hinweis, das gleiche Ziel verfolge die Einführung einer Maut für Lastwagen "möglichst früh im nächsten Jahr", erntete einiges Gelächter. Böhmer sprach sich für einen zügigen Ausbau der Elbe und der Saale aus. Beide Flüsse sind wegen ihrer niedrigen Wasserstände schlecht schiffbar, der Ausbau ist aber ökologisch und ökonomisch umstritten.

          Der Bundesverband der Deutschen Binnenschiffahrt teilte anläßlich der Eröffnung mit, man erwarte nach der Ost-Erweiterung der Europäischen Union eine Zunahme des Binnenschiffsverkehrs mit Polen von derzeit 2 auf 6,4 Millionen Tonnen im Jahr 2015. Das neue Wasserkreuz erhöhe die Attraktivität von Transportschiffen für die ostdeutsche Wirtschaft erheblich. Noch fehlten einige kleinere Bauten auf dem weiteren Weg nach Berlin. Doch würden diese voraussichtlich bis Ende des Jahres abgeschlossen, so daß dann Schiffe mit einer sogenannten Abladung bis 2,50 Meter die deutsche Hauptstadt anfahren könnten. Die Inbetriebnahme der Schleuse Rothensee im Mai habe zudem die Bedeutung Magdeburgs als Binnenschiffahrtsstandort erhöht. Das Wachstum des Umschlags in den Magdeburger Häfen auf mehr als 3 Millionen Tonnen im Jahr belege, daß die Tranportschiffahrt gegenüber Schiene und Straße konkurrenzfähig sei.

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