https://www.faz.net/-gum-15uzi

Verfassungsbeschwerde abgelehnt : Schwarzes Loch, ganz klein

In diesem Fall nur Kunst: ein schwarzes Loch Bild: dpa

Das Schicksal der Erde stand auf dem Spiel. Eine Frau hatte gegen Versuchsreihen am europäischen Teilchenforschungszentrum Cern Verfassungsbeschwerde eingelegt, weil sie die Zerstörung der Erde befürchtet. Doch die Klägerin wurde nicht erhört.

          1 Min.

          Für Betroffene und Politiker geht es in Karlsruhe stets ums Ganze. Doch dieses Mal war es wirklich so: Das Schicksal der Erde stand auf dem Spiel. Doch das Bundesverfassungsgericht hat die in Zürich lebende deutsche Klägerin nicht erhört. Ihre Verfassungsbeschwerde wurde nicht zur Entscheidung angenommen. Sie wollte die Bundesrepublik Deutschland verpflichten, gegen die Versuchsreihen der Europäischen Organisation für kernphysikalische Forschung (Cern) vorzugehen. Dort können nach einer in der Wissenschaft diskutierten Theorie kleine Schwarze Löcher erzeugt werden. Die Beschwerdeführerin befürchtet gar eine Zerstörung der Erde durch die geplante Versuchsreihe. Deutschland müsse einschreiten, jedenfalls so lange, wie die Warnung, die Erde könne zerstört werden, nicht empirisch widerlegt sei.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          In dem Protonenbeschleuniger in Genf werden Teilchen mit hoher Geschwindigkeit aufeinander geschossen, um so den Urknall zu simulieren, aus dem die Erde entstanden ist. Dass durch den Beschleuniger 300 bis 400 schwarze Löcher entstehen und im Innern der Erde bleiben, sowie diejenigen, die die Erde verlassen, zur Sonne fliegen und sie vernichten würden, hat schon das Kölner Verwaltungsgericht nicht zum Handeln bewegen können. Das gelte sogar dann, wenn man den Grad der „gefahrbegründenden Wahrscheinlichkeit“ umso geringer ansetze, je größer und folgenschwerer der möglicherweise eintretende Schaden sei - immerhin die Vernichtung der Erde.

          Die letzte Instanz: das Jüngste Gericht

          Auch die Verfassungsrichter halten es nicht für ausreichend, dass die Beschwerdeführerin „Schadensereignisse als mögliche Folge der Versuchsreihe ankündigt und diese Ankündigung damit zu begründen sucht, dass sich die Gefährlichkeit der Versuchsreihe eben in den von ihr für möglich gehaltenen Schadensereignissen manifestiere“. Das hinzunehmen hieße, Strategien zu ermöglichen, „beliebige Forschungsanliegen durch entsprechend projektspezifische Warnungen zu Fall zu bringen“. Auch die Größe des vermeintlichen Schadens erlaube keinen Verzicht auf die Darlegung, dass ein wenigstens hypothetisch denkbarer Zusammenhang zwischen der Versuchsreihe und dem Schadensereignis besteht. Und wenn die Klägerin doch recht haben sollte? Dann ist wohl das Jüngste Gericht zuständig.

          Weitere Themen

          RKI meldet Rekordzahl an Todesfällen

          Am Tag des Corona-Gipfels : RKI meldet Rekordzahl an Todesfällen

          Zum ersten Mal starben an einem Tag mehr als 400 mit dem Coronavirus infizierte Menschen in Deutschland. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin ein Anlass zur Sorge. Heute wollen Bund und Länder sich auf neue Maßnahmen einigen.

          Topmeldungen

          Krankenpfleger behandeln auf der Intensivstation der Uniklinik Aachen einen Covid-19-Patienten.

          Am Tag des Corona-Gipfels : RKI meldet Rekordzahl an Todesfällen

          Zum ersten Mal starben an einem Tag mehr als 400 mit dem Coronavirus infizierte Menschen in Deutschland. Auch die Zahl der Neuinfektionen ist weiterhin ein Anlass zur Sorge. Heute wollen Bund und Länder sich auf neue Maßnahmen einigen.
          Infolge der Pandemie fahren die Züge der Deutschen Bahn oftmals nur mit wenigen Passagieren.

          5,6 Milliarden : Bahn fährt Rekordverlust ein

          Wegen Corona sitzen in den Zügen derzeit nur wenige Passagiere. Doch das Rekordminus kann die Bahn nicht ausschließlich mit der Pandemie begründen. Auf Hilfen muss der Konzern indes weiter warten.

          Mohammed-Karikaturen : Die verletzten Gefühle der Päpste

          Wenn es um Religionskritik geht, tun sich Teile der katholischen Kirche schwer mit der Meinungsfreiheit. Das belegen die Worte eines französischen Bischofs zu den Mohammed-Karikaturen – und frühere Aussagen von Päpsten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.