https://www.faz.net/-gum-tmfl

Vereinigte Staaten : Letzte Ehre für James Brown

  • Aktualisiert am

Im goldenen Sarg Bild: AFP

Tausende Menschen haben in der Heimatstadt von James Brown Abschied vom „Godfather des Soul“ genommen. Die anfangs gedämpfte Stimmung schlug jäh um, als Songs wie „I Got You“ und „Get Up“ ertönten.

          Tausende Menschen haben am Samstag in der Heimatstadt von James Brown Abschied vom „Godfather des Soul“ genommen. Angehörige, Freunde und Fans zogen in Augusta in Georgia schweigend an dem offenen Sarg vorbei. Unter den Trauergästen in der James-Brown-Arena war auch der frühere „King of Pop“ Michael Jackson. „Du wirst mir fehlen, und ich liebe Dich so sehr“, rief Jackson mit brüchiger Stimme. Auch die schwarzen Menschenrechtler Jesse Jackson und Al Sharpton erwiesen dem im Alter von 73 Jahren gestorbenen Musiker die letzte Ehre. In ausgelassene Konzertstimmung gerieten die rund 8000 Menschen, als einige der größten Hits Browns gespielt wurden. Am Begräbnis selbst nahmen nur die engsten Angehörigen und Freunde teil.

          Die Arena war zum Bersten gefüllt, Tausende Fans mußten draußen bleiben. Wer hineingekommen war, mußte stundenlang in der Schlange vor dem weiß ausgeschlagenen goldfarbenen Sarg warten. Der für sein exzentrisches Auftreten bekannte Brown war in einen schwarzen Anzug und ein rubinrotes Hemd gekleidet und trug Handschuhe.

          Beifall für Jackson

          Beifall brandete auf, als Jackson und Sharpton zusammen mit vier Kindern Browns die wenigen Stufen zum Sarg emporstiegen, um dem Musiker die letzte Ehre zu erweisen. Auch seine letzte Lebensgefährtin, Tomi Rae Hynie, trat auf die Bühne. Michael Jackson, das Gesicht hinter einer großen Sonnenbrille verborgen, verweilte kurz am Sarg und kondolierte der Familie. In einer Ansprache nannte er Brown seine „größte Inspiration“. Als er als kleiner Junge Brown im Fernsehen gesehen habe, habe er gewußt, was er für den Rest seines Lebens machen wolle, sagte Jackson.

          Familienmitglieder trauern am offenen Sarg

          Niemand habe so tief unten begonnen, um so hoch aufzusteigen wie Brown, sagte der Bürgerrechtler Sharpton. „Er wurde mit wenig geboren, erbte nichts und hinterließ eine Menge“, würdigte Jesse Jackson den Verstorbenen. „Guter Gott“, zitierte er Brown. „Was für ein Leben - was für ein Vermächtnis!“ Mit dem Lied „Say It Loud - I'm Black And I'm Proud“ (Sagt es laut - ich bin schwarz und stolz darauf) hatte Brown 1968 der schwarzen Bürgerrechtsbewegung seine Stimme gegeben und einen Kultsong für die Afro-Amerikaner geschaffen.

          „Get up“- und die Stimmung schlug um

          Die anfangs gedämpfte Stimmung schlug jäh um, als mehrere Bands und alte Freunde einige der bekanntesten Lieder Browns spielten. Die Menge klatschte und sang mit, als Songs wie „I Got You (I Feel Good)“ und „Get Up“ ertönten. Auch die Stimme des Verstorbenen selbst füllte nochmals die Halle, als Auszüge von Konzertauftritten auf einer riesigen Leinwand gezeigt wurden.

          „Ja, er war ein erstaunlicher Künstler!“, sagte der Dichter Lee Sullivan aus der Nachbarstadt Atlanta. „Aber er war auch ein einflußreicher Aktivist im Kampf für die Rechte der Schwarzen.“ Browns Einfluß sei „weltweit zu spüren“, sagte die 30jährige Donna McCloud, die extra aus Kingston auf Jamaica angereist war.

          Augusta, wo Brown aufwuchs, hatte kürzlich in Anspielung auf seinen Hit „I Got You (I Feel Good)“ den Spruch „We Feel Good“ als offizielles Motto angenommen. Brown wurde 1933 in der Kleinstadt Barnwell im Bundesstaat South Carolina geboren, kam aber schon mit vier Jahren zu seiner Tante, die in Augusta ein Bordell führte.

          Es war die letzte Gelegenheit für die zahllosen Fans des selbst ernannten „Mister Sex Machine“, Abschied zu nehmen. Bereits am Donnerstag hatten Tausende Menschen stundenlang vor dem berühmten Apollo-Theater in New York Schlange gestanden, um noch einen Blick auf ihr dort aufgebahrtes Idol werfen zu können. Der Soul-Star war am ersten Weihnachtstag nach einer Lungenentzündung an Herzversagen gestorben. Am Silvesterabend hätte Brown eigentlich noch auftreten sollen: Geplant war ein Konzert im New Yorker B.B. King Blues Club and Grill.

          Weitere Themen

          Nudging – der sanfte Schubser Video-Seite öffnen

          Verhaltenspsychology : Nudging – der sanfte Schubser

          Üblicherweise sind im Alltag Sanktionen ziemlich dicht gesät - überall lauern Verbote oder Abmahnungen, Geldbußen oder Kündigungen. Eine neue Bewegung will zu Handlungsänderungen bewegen, aber ohne Sanktionen oder Restriktionen.

          Topmeldungen

          Jeder hat sein Kreuz zu tragen: Matteo Salvini am Strand auf Sizilien.

          Italienische Regierung : Ohne den Segen des Papstes

          Italiens Innenminister Salvini gibt sich gerne als gläubiger Christ. Damit hat er den Zorn Franziskus’ auf sich gezogen – und am Ende auch den des scheidenden Ministerpräsidenten Conte.

          An Scholz’ Seite : Manchmal liegt das Glück ganz nah

          Das Rennen um den SPD-Vorsitz geht weiter: Wofür die Kandidatin an Scholz’ Seite steht – und wieso der erfolgsverwöhnte Niedersachse Stephan Weil plötzlich beschädigt ist.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.