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Wegen Suizidgefahr : Verdächtiger im Mordfall Freiburg im Gefängniskrankenhaus

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Blumen und Grablichter an einem Baum in Freiburg. In der Nähe wurde die Studentin getötet. Bild: dpa

Der Verdächtige von Freiburg könnte von einem Amnestiegesetz profitiert haben, das 2015 erlassen wurde, um die überfüllten griechischen Gefängnisse zu entlasten. Jetzt wird er rund um die Uhr überwacht.

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          Der nach dem Mord an einer Studentin in Freiburg festgenommene Tatverdächtige ist von der Freiburger Haftanstalt in ein Gefängniskrankenhaus verlegt worden. Er befindet sich nun im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg bei Ludwigsburg, wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch erfuhr. Dort werden Gefangene speziell betreut und auch medizinisch versorgt. Der Gefangene werde wegen möglicher Suizidgefahr rund um die Uhr bewacht. Er war vor knapp zwei Wochen festgenommen worden.

          Nach Erkenntnissen deutscher Behörden ist der aus Afghanistan stammende Verdächtige Mitte November 2015 ohne Pass von Griechenland über Österreich nach Deutschland eingereist. Man müsse auf Angaben des Verdächtigen zu seinem Alter (17 Jahre) vertrauen, „insbesondere wenn keine Personaldokumente mitgeführt und dementsprechend auch nicht vorgelegt wurden“, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin. Auf Anfragen zum Verdacht eines weiteren Verbrechens auf der Insel Korfu warte Deutschland noch auf Antwort Griechenlands.

          „Wir haben auch unseren Verbindungsbeamten in Athen gebeten, unmittelbar auf die griechischen Behörden zuzugehen, um hier Klarheit zu erhalten“, sagte der Sprecher. Man wisse bisher aus Angaben des Verdächtigen, dass er über Österreich eingereist sei und einen Asylantrag gestellt habe. „Das war der 12. November 2015.“ Der junge Mann sei „vollständig erkennungsdienstlich behandelt“ worden, beim Prüfvorgang habe es keinen Treffer gegeben. Der Asylbewerber sei „weder bei Interpol noch im Schengener Informationssystem zur Fahndung ausgeschrieben“ gewesen. Zuletzt hatten sich Hinweise verdichtet, dass der Verdächtige schon vor drei Jahren ein Verbrechen in Griechenland begangen hat.

          Das griechische Justizministerium plant eine offizielle Erklärung

          Der junge Mann soll eine Griechin beraubt und eine Steilküste hinabgestoßen haben. Die Frau überlebte schwerverletzt. Griechische Stellen bestätigten dem „Spiegel“, dass ein junger Mann deswegen angeklagt und vor rund zwei Jahren verurteilt worden ist. Es ist vermutlich der Verdächtige aus Freiburg.

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          Laut dem „Spiegel“-Bericht könnte er von einem Gesetz profitiert haben, das die griechische Regierung im April 2015 erließ und das die vorzeitige Entlassung jugendlicher Straftäter bei guter Führung erlaubt. Voraussetzung ist demnach, dass das Strafmaß der Jugendlichen zehn Jahre nicht übersteigt, mindestens ein halbes Jahr der Strafe muss abgesessen sein. Die Empfehlung spreche der jeweilige Leiter des Gefängnisses aus. Das Gesetz wurde verabschiedet, um die überfüllten griechischen Gefängnisse zu entlasten. Die griechische Anwältin Maria-Eleni Nikopoulou, die den Verdächtigen damals verteidigt hatte, sagte dem „Spiegel“, ihr Mandant habe von dem Amnestiegesetz profitiert.

          Nach seiner Verurteilung zu zehn Jahren Haft soll er in ein Jugendgefängnis in die Stadt Volos in Zentralgriechenland gekommen sein. Dort soll er schon im Oktober 2015 wieder entlassen worden sein mit der Auflage, sich regelmäßig zu melden. Der kam er aber nicht nach. Das griechische Justizministerium untersucht laut „Spiegel“ derzeit den Fall und plant eine offizielle Erklärung.

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