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Verbrechen : Verunreinigte Insulin-Ampullen: Pharmakonzern Aventis erpresst

  • Aktualisiert am

Erfolglos erpresst: Pharmakonzern Aventis Bild: dpa

Drei Männer hat die Polizei festgenommen. Sie sollen versucht haben, mit verunreinigten Insulin-Ampullen den Arzneitmittelhersteller Aventis zu erpressen.

          Drei Männer haben den Pharma-Konzern Aventis mit verseuchten Insulin-Ampullen erpresst. Die Polizei hat die mutmaßlichen Täter bereits im Juni festgenommen, bestätigte die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Freitag einen Bericht des Hessischen Rundfunks. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens und zwei weitere Männer hatten damit gedroht, verunreinigte Ampullen in Umlauf zu bringen und 20 Millionen Euro verlangt. Eine Gefahr für Patienten habe es zu keiner Zeit gegeben, betonte ein Aventis- Sprecher.

          Die Täter hatten nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Juni einen Brief mit verseuchten Insulin-Ampullen an das Pharma-Unternehmen geschickt. „Kurz danach haben sie dort angerufen und gefragt, ob schon 'was' angekommen sei“, sagte Staatsanwalt Justus Koch am Freitag.

          Festnahmen bei Geldübergabe

          Der in Bad Soden bei Frankfurt ansässige Pharma-Hersteller habe Kontakt mit der Polizei aufgenommen. Bei einer geplanten Geldübergabe in Eppstein westlich von Frankfurt konnte die Polizei nach den Angaben zwei der Verdächtigen festnehmen, den dritten Mann habe sie kurze Zeit später in einer Wohnung gefasst. Sie sitzen alle in Untersuchungshaft.

          Im Laufe der Ermittlungen seien keine weiteren manipulierten Ampullen des Präparats, das Zuckerkranke zum Insulinausgleich spritzen müssen, gefunden worden. Aventis-Sprecher Jürgen Schneider sagte am Freitag, das Unternehmen habe zu dem Zeitpunkt, als es von der Erpressung erfuhr, den gesamten Bestand des im Verdacht der Verseuchung stehenden Produkts in den Lagern zurückgehalten. Für die Patienten habe daher keine Gefahr bestanden. Selbst wenn ein Diabetes-Erkrankter die Ampulle verwendet hätte, wäre das nicht lebensbedrohlich gewesen, sagte Schneider. Das Unternehmen habe seine Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, hieß es weiter.

          Prozess im Februar

          Über die Art und Weise, wie die Täter die Ampullen verseuchten, wollte die Staatsanwaltschaft keine Angaben machen. Auch bleibt unklar, ob die Täter außer der Geldforderung noch andere Motive für die Erpressung hatten. „Zwei der Männer streiten die Tat ab, und der dritte macht auch keine Aussagen, die einem Geständnis nahe kämen“, sagte Koch.

          Der Prozess für die drei Männer, die von der Staatsanwaltschaft angeklagt werden, soll den Angaben zufolge im kommenden Februar beginnen. Ihnen droht eine mehrjährige Haftstrafe.

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