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Verbrechen : Prozess im Mordfall Julia eröffnet

  • Aktualisiert am

Thorsten V. zum Prozessbeginn Bild: AP

In Gießen hat der mutmaßliche Mörder von Julia die Vorwürfe vor Gericht abgestritten.

          In Gießen hat am Mittwochvormittag der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Julia begonnen. Der 34 Jahre alte Thorsten V. soll die Achtjährige aus dem mittelhessischen Biebertal am 29. Juni vergangenen Jahres verschleppt und getötet haben. Feuerwehrleute fanden die Leiche fünf Tage später in einem brennenden Holzstapel 50 Kilometer entfernt bei Niddatal in der Wetterau.

          Die Anklage lautet auf Mord, versuchten sexuellen Missbrauch und schwere Brandstiftung. Zu Beginn des Prozesses wies der mutmaßliche Mörder alle Vorwürfe zurückgewiesen. Das in der Anklageschrift dargelegte Tatgeschehen werde von ihm bestritten, erklärte sein Anwalt Ramazan Schmidt vor Gericht. Da der Mann nur seine Personalien bestätigte und alle Angaben verweigerte, war die Auftaktverhandlung bereits nach einer Viertelstunde beendet.

          Dem Angeklagten wird vorgeworfen, er habe Beweise verbrennen wollen

          Der letzte Anklagepunkt geht auf eine Benzinexplosion zurück, die V. selbst im Keller seines Hauses verursachte. Die Ermittler gehen davon aus, dass der verheiratete Vater einer Tochter mit einem Feuer Beweise vernichten wollte. Das Foto einer Radarfalle in der Nähe des Leichenfundortes hatte die Fahnder zu diesem Zeitpunkt bereits auf den Nachbarn Julias aufmerksam gemacht. Später wiesen Experten des hessischen Landeskriminalamtes an einem verkohlten Teppichrest aus dem ausgebrannten Kellerraum Blutspuren der Schülerin nach.

          Bei der Explosion hatte der Angeklagte lebensgefährliche Verletzungen erlitten. Er lag sechs Wochen im Koma büßte dabei 80 Prozent seiner Haut ein. Nur die Behandlung in einer Kölner Spezialklinik rettete V. das Leben. Einem medizinischen Gutachten zufolge kann der Verwaltungsangestellte aufgrund seines Zustands dem Verfahren nicht länger drei Stunden täglich und nur in einem Spezialrollstuhl folgen. Der Prozess wird voraussichtlich bis August kommenden Jahres dauern.

          Schwer verletzt vor Gericht

          Vor dem Prozess ließ sich der Angeklagte, ein Angestellter der Universität, von Kamerateams und Fotografen ablichten. Die Kapuze seines Sweat-Shirts und eine Sonnenbrille nahm er aber erst zu Beginn des Verfahrens ab. Bis zuletzt hatte es Auseinandersetzungen um seine Verhandlungsfähigkeit gegeben. Zur ersten Verhandlung wurde er von zwei Sanitätern und einer Ärztin begleitet. Sein Anwalt betonte: „Es handelt sich um einen schwerstkranken Menschen.“ Er halte es für „nicht akzeptabel und unwürdig“, dass während des
          Heilungsprozesses gegen ihn verhandelt werde. Sein schlechter Zustand führe zu Verzögerungen und zusätzlichen Kosten. Die Staatsanwaltschaft sagte, die Untersuchungshaft dürfe nicht über Gebühr ausgedehnt werden.

          Staatsanwaltschaft und Nebenklage-Anwälte der Eltern Julias waren erstaunt über das Abstreiten der Vorwürfe. Dies sei im bislang nie vorgetragen worden. Da der Angeklagte bis auf weiteres schweige, müsse die Beweisaufnahme nach Angaben der Staatsanwaltschaft im vollen Umfang angegangen werden: „Mit einem Satz könnte er sich 30 oder 40 Verhandlungstage ersparen.“ Der Verteidiger betonte, dass es keine Beweise für die Sexualstraftat gebe.

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