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Verbotene Sterbehilfe? : Die Komapatientin Eluana Englaro ist tot

  • Aktualisiert am

Eluana Englaro Bild: AP

Nachdem die lebenserhaltenden Maßnahmen abgesetzt wurden, ist die italienische Wachkomapatientin Eluana Englaro verstorben. Ihr Fall hatte in Italien heftige Kontroversen ausgelöst.

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          Die italienische Komapatientin Eluana Englaro ist tot. Das wurde am Montagabend aus Verwaltungskreisen und aus dem Altersheim in Udine bekannt, in das die achtunddreißigjährige Frau in der vergangenen Woche gebracht worden war, um die lebenserhaltenden Maßnahmen auszusetzen.

          Die Sterbehilfe für die Frau, die seit siebzehn Jahren im Wachkoma gelegen hatte, war in Italien bis zuletzt heftig umstritten. Die Regierung von Silvio Berlusconi hatten sie noch mit einem Gesetz zu verhindern versucht.

          Irreversibler Zustand

          Eluana Englaro war nach einem Autounfall 1992 im Alter von zwanzig Jahren ins Koma gefallen. Zwei Jahre später erklärten die Ärzte, ihr Zustand sei irreversibel. Seitdem hat ihr Vater Beppino Englaro für das Sterberecht seiner Tochter gekämpft. Ein Gericht in Mailand gab ihm schließlich Recht, das Verfassungsgericht in Rom bestätigte diese Entscheidung im vergangenen November.

          Der Vater berief sich darauf, dass seine Tochter kurz vor ihrem Unfall künstliche lebensverlängernde Maßnahmen von Koma-Patienten für sich abgelehnt habe. Das katholische Krankenhaus in Lecco lehnte es dennoch ab, die Patientin sterben zu lassen, weshalb die Familie die Verlegung in eine Privatklinik beschloss.

          Aktive Sterbehilfe in Italien verboten

          Die italienische Regierung erließ im vergangenen Monat eine Verfügung, wonach staatliche Kliniken zur fortwährenden Versorgung von Koma-Patienten verpflichtet sind. Aktive Sterbehilfe ist in Italien verboten, doch haben Patienten das Recht, eine Behandlung zu verweigern. Es gibt aber keine Möglichkeit, verbindliche Vorabentscheidungen für den Fall von Bewusstlosigkeit zu treffen.

          Papst Benedikt XVI. hatte betont, es sei der falsche Weg, Eluana sterben zu lassen. Kardinal Javier Lozano Barragan sprach von einem „abscheulichen Mord“ an der Patientin. Die Auseinandersetzungen erinnern an die Kontroverse über den Fall der Amerikanerin Terry Schiavo, die 2005 nach fünfzehn Jahren im Koma starb, nachdem ihr Ehemann vor Gericht ein Ende der künstlichen Ernährung erwirkt hatte.

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