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Versorgungskrise in Venezuela : Leben ohne Mittel

  • -Aktualisiert am

Hamsterkäufe bei „Día a Día“: In Venezuela wird das gekauft, was gerade da ist. Bild: AP

In Venezuela gehen die Lebensmittel aus, die Regale in den Läden sind leer. Die Regierung wirft Supermarktbetreibern vor, Lebensmittel zu verstecken – und lässt sie reihenweise festnehmen.

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          Im venezolanischen „Wirtschaftskrieg“ haben sich die Fronten zwischen der Regierung in Caracas und dem privaten Handel weiter verhärtet. Präsident Nicolás Maduro rechtfertigte die staatliche Übernahme der Supermarktkette „Día a Día“ vom Wochenende mit dem Argument, die Kette habe Lebensmittel gehortet und damit „Krieg gegen die Bevölkerung geführt“.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Beamte der Behörde für Preiskontrolle hätten bei einer Inspektion des Lagerhauses von „Día a Día“ festgestellt, dass das Unternehmen große Mengen Maismehl und Speiseöl „versteckt“ habe. Geschäftsführer Manuel Morales wurde am Freitag verhaftet. Ihm werden „Boykott und Destabilisierung“ zur Last gelegt, im Falle einer Verurteilung drohen ihm zehn Jahre Haft. Die Läden und das Warenhaus von „Día a Día“ werden nun von der staatseigenen Supermarktkette übernommen.

          Die seit rund zehn Jahren bestehende Kette betreibt 35 kleine Supermärkte in 16 Städten des Landes und wird vor allem von Kunden aus ärmeren Bevölkerungsschichten frequentiert. Die Führung des faktisch enteigneten Unternehmens wies die Vorwürfe der Regierung zurück. Die Läden der Kette in den ärmeren Wohnvierteln der venezolanischen Städte seien so klein, dass dort keine Vorräte gelagert werden könnten. Deshalb erhielten die Geschäfte bis zu zweimal täglich Lieferungen aus dem einzigen Lagerhaus des Unternehmens in Caracas. Dessen Bestände würden zudem durch die staatliche Preiskontrollbehörde und deren Computersystem in Echtzeit überwacht.

          Leere Regale in Caracas

          Der Chef des Unternehmens, José Vicente Aguerrevere, warf der Regierung vor, mit den Aktionen gegen den Einzelhandel von ihrem eigenen Versagen ablenken zu wollen. „Sie wissen, dass es ein großes Problem gibt in Venezuela mit der Lebensmittelknappheit, und sie wollen nicht dafür verantwortlich sein“, sagte Aguerrevere über die jüngsten Schläge der Regierung gegen den privaten Einzelhandel.

          Vor dem staatlichen Bicentenario-Supermarkt in Caracas: Hunderte stehen für Hühnchen, Putzmittel und andere Waren des täglichen Gebrauchs an. Bilderstrecke
          Venezuela : Klassenkampf im Supermarkt

          In der vergangenen Woche waren zwei Manager der privaten Drogeriekette „Farmatodo“ verhaftet worden. Das sozialistische Regime von Präsident Maduro wirft ihnen vor, die Regale in den Filialen vorsätzlich nicht mit Waren aufgefüllt und Kassen nicht mit ausreichend Personal besetzt zu haben. Dadurch sei die Bevölkerung terrorisiert worden, um das Land zu destabilisieren. Die meisten Fachleute sehen den Grund für die schwere Wirtschafts- und Versorgungskrise sowie für die Geldentwertung von rund jährlich 65 Prozent in der verfehlten Wirtschaftspolitik des Regimes und im Verfall des Ölpreises, der dramatisch sinkende Deviseneinnahmen für das Land zur Folge hat.

          Neben Lebensmitteln sind auch Toilettenpapier und Hygieneprodukte sowie Windeln und Medikamente knapp. Die Handelskammer in Caracas wies die Vorwürfe der Regierung gegen den Einzelhandel zurück und bezeichnete die Krise als Resultat der sozialistischen Wirtschaftspolitik. Sie habe „mit ihren Kontrollen und bürokratischen Hindernissen die Produktionskapazitäten des Privatsektors zerstört“.

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