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Vatikan : Johannes Paul II. besucht historische Damaszener Moschee

  • Aktualisiert am

Syrische Christen im Stadion von Damaskus Bild: dpa

Der Papst reicht den Muslimen die Hand und kritisiert die Palästina-Politik Israels.

          Mit seinem als historisch eingestuften Besuch in Damaskus hat Paps Johannes Paul II. am Sonntag ein Zeichen für den Dialog zwischen Christen und Moslems gesetzt. Gleichzeitig kritisierte er indirekt die Palästina-Politik Israels.

          Am späten Nachmittag betrat er die Omaijaden-Moschee in Damaskus und besuchte damit als erster Papst in der Geschichte des Christentums ein islamisches Gotteshaus. Bei seiner ersten Visite in Syrien rief das Oberhaupt der katholischen Kirche Christen, Moslems und Juden am Wochenende mehrfach zur Verständigung und zu gegenseitigem Respekt auf. Die Gläubigen der drei Weltreligionen sollten „mit Zuversicht und Mut zusammenarbeiten“, sagte er am Sonntag bei einer Messe vor 50.000 Gläubigen in Damaskus. Zum Nahostkonflikt sprach der Papst am Samstag deutliche Worte: Er mahnte die Einhaltung der UN-Konventionen sowie der Genfer Konventionen an und verwies auf das Recht zur Selbstbestimmung. Dies verstanden Beobachter als indirekte Kritik an Israel.

          Deutliche Worte zum Nahostkonflikt

          In Begleitung des syrischen Großmufti Scheich Achmed Kaftaro und unter dem Beifall zahlreicher Gläubiger betrat Johannes Paul II. am Sonntagnachmittag den Innenhof der Moschee. Anschließend zog er sich in den Gebetsraum zurück. Gebeugt und auf seinen Stock gestützt besuchte er in Begleitung moslemischer Würdenträger das Grab von Johannes dem Täufer, wo er einige Minuten in stiller Andacht verharrte.

          Am Vormittag war Johannes Paul II. im Stadion der syrischen Hauptstadt von einer begeisterten Menge empfangen worden. Vor etwa 50.000 Menschen sagte er, Ziel der Gläubigen müsse eine „brüderliche, gerechte und solidarische Gesellschaft“ sein, in der „jeder Einzelne mit seiner Menschenwürde und seinen Grundrechten anerkannt“ sei. An der Messe nahmen auch katholische und orthodoxe Würdenträger aus Libanon, Irak, Ägypten und Jerusalem teil.

          Friedensgebet in der Geisterstadt

          Schon bei seiner Ankunft in der syrischen Hauptstadt am Samstag rief der Papst die Menschen im Nahen Osten zu mehr „Verständnis und Respekt“ im Umgang miteinander auf. Nur so könne wahrer Friede erreicht werden. „Es ist Zeit, zu den Grundsätzen internationalen Rechts zurückzukehren“, mahnte er. Dazu gehöre auch das Verbot, fremdes Land mit Gewalt zu erobern. Der syrische Präsident Baschar el Assad bat das Oberhaupt der katholischen Kirche um Unterstützung Syriens, Libanons und der Palästinenser gegen die „Unterdrückung“ durch Israel.

          Am Montag will der Papst zunächst seine Pilgerfahrt auf den Spuren des Apostels Paulus fortsetzen, bevor er in die Geisterstadt Kuneitra in dem nicht von Israel besetzten Teil der Golanhöhen aufbricht. Vor dem Hintergrund der seit Monaten anhaltenden Gewalt zwischen Israeli und Palästinensern will der Papst in den Ruinen einer griechisch-orthodoxen Kirche in Kuneitra für den Frieden beten. Israel hatte die Stadt 1967 besetzt. Sieben Jahre später gab es die zerstörte Stadt an Syrien zurück.

          Zum Abschluss seiner Pilgerreise will Johannes Paul II. am Dienstag nach Malta fliegen. Nach einer Seligsprechung von drei Gläubigen während einer Messe auf der Insel, deren Bevölkerung zu 99 Prozent katholisch ist, fliegt er am Mittwoch zurück nach Rom. Am 18. Mai wird er seinen 81. Geburtstag feiern.

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