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Vater Breivik im Interview : „Anders hätte sich umbringen sollen“

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Es ist eine unfassbare Tat, die Andres Breivik verübt hat. Wie denkt sein Vater über seinen Sohn? In einem exklusiven Interview mit einem norwegischen Fernsehsender bringt Jens Breivik seine Fassungslosigkeit zum Ausdruck.

          In einem exklusiven Interview mit dem norwegischen Fernsehsender TV2 hat der Vater des mutmaßlichen Mörders Anders Breivik, Jens Breivik, seine Fassungslosigkeit nach den Anschlägen seines Sohnes ausgedrückt. „Ich dachte, ist das möglich? Das muss ein Fehler sein. Es kann nicht wahr sein“, beschreibt er seine erste Reaktion. Immer wieder schüttelt der in Frankreich lebende Vater den Kopf, kann es nicht fassen. „Aber dann wurde mir klar, dass es wahr ist, obwohl es immer noch komplett unverständlich ist, dass so etwas passieren kann. Es ist unerklärlich.“

          Der grauhaarige Mann sitzt auf der Terrasse seines Hauses in Südfrankreich, in der Hand eine Ausgabe einer französischen Zeitung. Auf der Titelseite prangt ein Bild aus Norwegen, darüber die dicken Lettern die Überschrift: „Terror in Oslo“. Seit Tagen steht Jens Breivik unter Polizeischutz.

          Der Vater erinnert sich: „Er war wie andere Jungs in seinem Alter. Mehr kann ich dazu eigentlich gar nicht sagen. Ein bisschen zurückgezogen und nicht sehr gesellig vielleicht. Aber er neigte nicht zu extremen Ansichten - als ich ihn kannte.“ Der Vater hat seinen Sohn schon lange nicht mehr gesehen. Jens Breivik, ein ehemaliger Diplomat, hatte sich kurz nach der Geburt seines Sohnes von seiner ersten Frau scheiden lassen. Beide haben seit rund sechszehn Jahren keinen Kontakt mehr.

          Auch jetzt will Breivik seinen Sohn nicht sehen, will er nicht nach Norwegen reisen, um ihn zu unterstützen. „Ich werde nie mehr Kontakt zu ihm haben.“ Und dann gibt er einen tiefen Einblick in seine Gefühle. „In meinen dunkelsten Momenten denke ich, dass er sich selbst hätte umbringen sollen, anstatt all diese Menschen zu töten.“

          Auf die Frage, ob er seinen Sohn für psychisch gestört hält, antwortet der sonst so bedächtig Mann ungehend: „Es muss es sein.“ Und wiederholt sofort: „Er muss es sein.“ Es gebe keine andere Erklärung. „Eine normale Person würde so etwas nie tun.“

          Den Angehörigen der Opfer hat er auch etwas zu sagen: „Ich möchte sagen, dass ich unglaublich traurig und verzweifelt bin, wegen dem, was geschehen ist. Ich denke oft, wie schrecklich es für die sein muss, die davon betroffen sind. Ich wünschte, ich könnte etwas für sie tun, aber ich bin machtlos.“

          Sein Sohn Anders Behring Breivik hat die blutigen Terroranschläge gestanden, ist sich aber zugleich keiner Schuld bewusst. Er habe Norwegen und Westeuropa retten wollen, sagte der 32 Jahre alte Breivik vor dem Haftrichter in Oslo. Ein Psychiater wird seine Zurechnungsfähigkeit untersuchen.

          Unterdessen korrigierte die Polizei die Zahl der Opfer nach unten: Bei den beiden Anschlägen kamen demnach 76 Menschen ums Leben. Acht starben beim Bombenattentat im Regierungsviertel. Bei dem anschließenden Massaker unter jugendlichen Teilnehmern eines sozialdemokratischen Ferienlagers auf der Insel Utøya gab es 68 Tote.

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