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Kultbuch von Harper Lee : „Wer die Nachtigall stört“ von Lehrplan gestrichen

  • Aktualisiert am

Harper Lee im November 2007 mit dem damaligen Präsidenten George W. Bush Bild: Reuters

„To Kill a Mockingbird“ von Harper Lee befasst sich mit Rassismus und gehört in Amerika zur Standard-Lektüre für Achtklässler. Jetzt hat ein Schulbezirk in Mississippi das Werk vom Lehrplan gestrichen.

          Ein Schulbezirk im amerikanischen Bundesstaat Mississippi hat den mit einem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman „Wer die Nachtigall stört“ vom Lehrplan gestrichen. Der 1960 veröffentlichte Klassiker der verstorbenen Schriftstellerin Harper Lee habe zu Beschwerden geführt, teilte der Schulvorstand im Bezirk Biloxi im Süden von Mississippi der Zeitung „Sun Herald“ mit. Das Buch befasst sich mit Rassismus gegenüber Afroamerikanern sowie deren Bürgerrechten. Es enthält zahlreiche rassistische Beschimpfungen gegen Schwarze. Ob das der Grund für die Streichung ist, beantwortete der Schulvorstand dem „Sun Herald“ nicht.

          Ein Leserbrief-Schreiber stellt es allerdings so dar. Die Lektüre des Buches sei abgebrochen worden, weil das Wort „Nigger“ in dem Roman vorkomme. Für ihn, so der Leserbriefschreiber, eines der verstörendsten Beispiele für Zensur, das er je erlebt habe.

          Lees halb-autobiografischer Roman spielt in den 1930er Jahren, also noch lange vor dem Baptistenprediger Martin Luther King und dem Beginn der Bürgerrechtsbewegung in den Vereinigten Staaten. Die Geschichte dreht sich um Anwalt Atticus Finch im erzkonservativen Südstaat Alabama, der einen schwarzen, zu Unrecht angeklagten Arbeiter verteidigen muss. Finchs Tochter Scout lernt auf diesem Weg die brutalen Ungerechtigkeiten der Trennung von Weißen und Schwarzen kennen.

          „To Kill a Mockingbird“, wie der Roman im Original heißt, gehört eigentlich zum Standard-Kurrikulum in achten Klassen öffentlicher Schulen. Nach Angaben der amerikanischen Bücherei-Vereinigung ALA gehört der Roman aber gleichzeitig   zu den Büchern, die Schulen am häufigsten anfechten oder aus ihren Lehrplänen streichen. Vergangenes Jahr wurde das Werk bereits zusammen mit Mark Twains „Die Abenteuer des Huckleberry Finn“ aus den Büchereien eines Schulbezirks in Virginia verbannt, berichtete die „New York Times“ am Mittwoch. Seinerzeit hatten sich Eltern eines Schülers über den ihrer Ansicht nach „spalterischen“ Inhalt beschwert, hieß es im Bericht.

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