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Urteil : Bewährungsstrafen wegen Hehlerei mit Himmelsscheibe von Nebra

  • Aktualisiert am

Die Himmelsscheibe wird mithilfe eines Mikroskops untersucht Bild: dpa

Das Pärchen, das die 3.600 Jahre alte Himmelsscheibe von Nebra für über 350.000 Euro verkaufen wollte, wurde zu sechs und zwölf Monaten verurteilt. Beide wollen in Berufung gehen.

          Im Prozeß um den verbotenen Verkauf der Himmelsscheibe von Nebra vor dem Amtsgericht Naumburg sind die beiden Angeklagten zu mehrmonatigen Freiheitsstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Dirk Stötter sah es am Freitag als erwiesen an, daß Hildegard B. und Reinhold St. sich der Hehlerei schuldig gemacht haben. Während die 44jährige B. eine zwölfmonatige Bewährungsstrafe erhielt, wurde der 64-jährige St. zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

          Mit dem Urteil schloß sich das Gericht den Anträgen von Staatsanwältin Eva Vogel voll an. Die Verteidiger der beiden Angeklagten hatten in ihren Plädoyers vergeblich versucht, das Gericht von der Unschuld ihrer Mandanten zu überzeugen und Freisprüche verlangt. Reinhold St. zeigte sich vom Urteil „enttäuscht“. Auch B. sprach von „Enttäuschung“ und fügte hinzu: „Ich fühle mich nach wie vor unschuldig. Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen.“

          Angeklagte wollten sich bereichern

          Nach den Feststellungen des Gerichts hatte St. die rund 3.600 Jahre alte Bronzescheibe sowie weitere Fundstücke im Sommer 2000 für 230.000 Mark von einem Zwischenhändler gekauft, der den Findern dafür lediglich 31.000 Mark gezahlt hatte. Das Geschäft zwischen St. und dem Zwischenhändler war von Hildegard B. eingefädelt worden. Nicht folgen wollte das Gericht dabei den Angaben der Angeklagten, sie hätten den Kauf in gutem Glauben getätigt. Vielmehr hätten sie wissen müssen, daß sie den Fund keinesfalls rechtmäßig erwerben dürften.

          Auch mit dem Versuch, die Scheibe später für 700.000 Mark an den Landesarchäologen von Sachsen-Anhalt zu verkaufen, hätten sich St. und B. der Hehlerei schuldig gemacht. „Sie wußten, daß sie kein Besitzrecht an dem Fund hatten“, sagte Stötter in der Urteilsbegründung. Als interessierte und fachkundige Sammler sei ihnen klar gewesen, daß in Sachsen-Anhalt das so genannte Schatzregal gilt. Diese Vorschrift besagt, daß archäologische Funde von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung automatisch in Landeseigentum übergehen. Als Beleg dafür, daß sich St. und B. an dem archäologischen Relikt bereichern wollten, nannte Stötter die Tatsache, daß der Fund für mehr als das Doppelte der Einkaufssumme angeboten worden sei. Auch dies sei ein Indiz dafür, daß es sich bei dem Geschehen um einen Fall von Hehlerei gehandelt habe. Die Höhe des verlangten Preises habe sich sogar strafverschärfend ausgewirkt, da sie das Maß dessen überschreite, was üblich sei. Deshalb habe es nicht nur eine Geldstrafe geben können.

          Vorläufiger Schlußstrich

          Strafmildernd wirkte sich dagegen aus, daß beide Angeklagten nicht vorbestraft waren. Im Falle des 64-Jährigen wurde zudem hervorgehoben, daß er nach der Beschlagnahme des Fundes in der Schweiz sofort der Aushändigung an die deutschen Behörden zugestimmt hatte. Als Bewährungsauflage muß St. 5.000 Euro zahlen, während B. 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu leisten hat.

          Mit den Urteilen ist ein vorläufiger Schlußstrich unter das Geschehen um die Himmelsscheibe von Nebra gezogen worden. Bereits in der Vorwoche waren die Finder des Schatzes, der 39jährige Henry W. und der 32jährige Mario R., zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Während gegen W. eine viermonatige Bewährungsstrafe verhängt wurde, verurteilte das Naumburger Gericht R. zu neun Monaten auf Bewährung.

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