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Ursachensuche in Bad Reichenhall : Mehrfach gesicherte Hohlkästen als Träger

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Bad Reichenhall: Auf der Suche nach der Einsturzursache Bild: dpa/dpaweb

Nach dem Unglück von Bad Reichenhall konzentriert sich die Ursachensuche auf die Holzkonstruktion der Eislaufhalle. Experten vermuten, daß eindringende Nässe sie destabilisierte.

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          In Bad Reichenhall konzentriert man sich nach der Bergung der insgesamt 15 Todesopfer nun immer stärker auf die Suche nach den Ursachen für das Unglück. Die Staatsanwaltschaft Traunstein kümmert sich zunächst, bevor es um persönliche Verantwortlichkeiten geht, um die Klärung des Ablaufs.

          Die Bauteile der Halle werden numeriert und sichergestellt. Die beiden Fachleute Heinrich Kreuzinger, Professor des Fachgebiets Holzbau am Institut für Baustoffe und Konstruktion der Technischen Universität München, und Stefan Winter, der den Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion an der Technischen Universität München innehat, begutachten nach Informationen der F.A.Z. die Teile. Ihre Untersuchung wird bei der Menge des sichergestellten Materials vermutlich Monate dauern.

          „Diese Halle hätte nicht einstürzen dürfen“

          Der Architekt des Gebäudes, Hans Jürgen Schmidt-Schicketanz, zeigte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag erschüttert: „Diese Halle hätte nicht einstürzen dürfen.“ Es habe keine konstruktiven Mängel gegeben: „Die waren nie bekannt und sind nie an mich herangetragen worden.“ Man habe 150 Kilogramm Schnee pro Quadratmeter einkalkuliert, zehn Prozent mehr als erforderlich. Zudem hätten die Statiker eine Sicherheitsmarge mit eingerechnet. Und in der Tat ist die Holzkonstruktion des Gebäudes in mehrfacher Hinsicht so gesichert, daß Erklärungen für den Zusammensturz nur schwer zu finden sein dürften.

          Jeder Holzsplitter kann Hinweise geben
          Jeder Holzsplitter kann Hinweise geben : Bild: dpa/dpaweb

          Bei den Erklärungsversuchen gerät dennoch besonders die tragende Holzkonstruktion der Halle, mit deren Bau man 1971 begann und die 1972 fertiggestellt wurde, in den Blick. Besucher hatten schon vor dem Einsturz von Feuchtigkeit im Gebälk berichtet, und Oberbürgermeister Wolfgang Heitmeier legte am Donnerstag das Gutachten eines Ingenieurbüros vor, das die Stadt im Jahr 2003 im Zusammenhang mit einer im Stadtrat geführten Debatte über die Sanierung des Gebäudes anfertigen ließ. Darin heißt es: „Die Tragkonstruktionen - sowohl Holzkonstruktion als auch Stahlbetonkonstruktion der gesamten Eislaufhalle - befinden sich in einem allgemein als gut zu bezeichnenden Zustand. In der Holzkonstruktion sind lediglich Wasserflecken aufgrund von Unregelmäßigkeiten/Wassereinbrüchen aus der Dachentwässerung festzustellen. Diese haben jedoch weder auf die Qualität noch auf die Tragfähigkeit des Tragwerkes Einfluß.“

          Nässe nicht mehr richtig abgehalten

          Die Feuchtigkeit scheint also darauf hinzuweisen, daß die Beplankung des Flachdachs die Nässe nicht mehr richtig abhielt. So könnten die Dichtungsringe an den Schrauben oder Nägeln, mit denen Blech auf dem Dach befestigt wurde, porös geworden sein. Die Leckage könnte in der Dachaufdeckung eine Auffeuchtung des Holzes verursacht haben. Das werden die beiden Münchner Gutachter, die von der Staatsanwalt zum Stillschweigen verpflichtet wurden, nun durch Holzfeuchtemessungen herauszufinden versuchen.

          Wenn das Dach undicht geworden ist, wird jedenfalls vermutlich nicht der Leim erweicht. Eine Klebstoffentfestigung ist Fachleuten nicht als Schadensbild bekannt. Eberhard Pfütze, Diplom-Holzwirt bei BASF, widerspricht Mutmaßungen anderer Fachleute, eine fehlerhafte Verleimung der Holzlamellen, aus denen die Träger gefertigt waren, könnten für deren Einsturz verantwortlich gewesen sein. „Aus chemischer Sicht ist das schlicht nicht vorstellbar.“

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