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Urlaubsgrüße aus Griechenland : Schön war’s!

Kann eine Postkarte lügen? Diese hier erreichte uns aus Athen. Bild: Kühfuss, Patricia

Griechenland in der Krise, na und? Wir baten ein paar mutige Urlauber, uns Postkarten zu schicken. Das sind ihre Eindrücke.

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          Wie schnell sich die Zeiten doch ändern: Vor wenigen Monaten hätte der deutsche Satz „Wir kommen wieder!“ in den Ohren mancher Griechen wohl mehr nach einer Drohung als einem Versprechen geklungen. Doch nun lesen wir genau diesen Satz auf vielen Postkarten von deutschen Griechenland-Urlaubern, und die Griechen - wenn wir den Schilderungen trauen dürfen - antworten: „Ja, gerne!“

          Mona Jaeger
          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten und Politik Online.

          Dabei hatte die Feriensaison denkbar schlecht für das Land am Mittelmeer begonnen. In den Nachrichten waren Bilder von Schlangen vor Geldautomaten zu sehen, in Athen gab es Demonstrationen und Krawalle. Griechenland - das war einmal das Sehnsuchtsziel vieler Deutscher. Nun schien es nicht mehr sicher. Der Reiseveranstalter L’Tur richtete extra eine Sonderrufnummer für alle Besorgten ein und gab eine Liste mit Hinweisen heraus, als reise man in ein Notstandsgebiet: Alle touristischen Leistungen seien eingekauft und vertraglich gesichert (selbst im Falle eines Euro-Austritts), die Hotels hätten genügend Lebensmittel und Getränke, die Transportunternehmen ausreichend Benzin.

          „Wurden nicht enttäuscht“

          Etliche Mutige wagten sich trotzdem nach Griechenland - und ein paar von ihnen bekamen kurz vor Abflug von uns eine Briefmarke in die Hand gedrückt mit der Bitte, der Redaktion eine Postkarte zu schicken. Wir wollten wissen, wie es sich jetzt in Griechenland urlauben lässt.

          „Trotz Vorbehalten unserer Umgebung sind wir nach Griechenland geflogen und wurden nicht enttäuscht“, schreiben zwei Damen aus Köln. „Wir erleben hier in Matala ein großes Maß an Gastfreundlichkeit und sind von diesem Ort dermaßen begeistert, dass wir nächstes Jahr wiederkommen!“ Von Kreta, wo auch der Ort Matala liegt, erreicht uns auch die Botschaft von Herrn Haft, dass die Menschen dort „alle sehr freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend“ seien. Und: „Keine Schlangen vor Geldautomaten.“ Krise? Nur im deutschen Fernsehen.

          So viele Katastrophenmeldungen - und trotzdem alles gut? Ein Anruf bei Tui. Ja, sagt eine Sprecherin, vergangenes Jahr gab es schon so viele Buchungen wie noch nie, und dieses Jahr seien es noch ein paar mehr. Vor allem das Last-Minute-Geschäft brummt. Im Schnitt schickt Tui jedes Jahr 500 000 deutsche Urlauber nach Griechenland. Seit langer Zeit ist es nach Spanien und der Türkei das drittbeliebteste Reiseziel, daran ändert auch die Euro-Krise nichts. Viele, so heißt es, buchten nach dem Motto: Jetzt erst recht!

          Verlockend niedrige Hotelpreise

          Angeblich hat in Griechenland ja das Bild der Deutschen arg gelitten. Umso mehr betonen die Urlauber, wie nett sie aufgenommen wurden, etwa Familie Hennicke, die auf Korfu war: „Die Insel ist wunderschön, und die Menschen hier sind sehr freundlich - sogar zu uns Deutschen :) Meine Söhne haben z.B. in Kerkyra von einer Bäckereiverkäuferin ein Glas Wasser und ein Eis geschenkt bekommen, weil es so heiß war - eine sehr nette Geste!!!“ Ein anderer Tourist: „Der beste Urlaub, den wir je hatten!“ Nur hier und da schimmert die Krise durch: „Von der angespannten Lage im Land ist hier nichts zu spüren. Doch beim Spazieren in den Städten fällt auf, dass viele Geschäfte leerstehen und viele Rohbauten auf ihre Fertigstellung warten“, schreibt ein Kreta-Urlauber. Aber auch er verspricht: „Auf jeden Fall werden wir irgendwann wiederkommen.“

          Bei manchen mag es Trotz sein, der sie nach Griechenland führte, bei anderen vermutlich die günstigen Preise. Laut L’Tur liegen die Hotelpreise aktuell um fünf bis zehn Prozent unter denen des Vorjahres. Eine Woche Rhodos, inklusive Flug und Halbpension im 4-Sterne-Hotel, ist da schon für 379 Euro pro Person zu haben. Also nichts wie auf nach Griechenland! Schon aus Verbundenheit, wie ein Pärchen meint: „Wir brauchen europäische Solidarität mehr denn je, um die europäische Idee am Leben zu halten. Wir kommen wieder!“

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