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Nachfolger von „Volksverräter“ : Die aussichtsreichsten Vorschläge zum Unwort des Jahres

  • Aktualisiert am

Kein Jahr ohne „Unwort“. Bild: dpa

Dieses Jahr haben die am häufigsten genannten „Unworte“ nichts mit der Flüchtlings- und Nationalismusdebatte zu tun. Einer dieser Begriffe könnte bald als besonders verwerflich ausgewählt werden.

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          Das „Unwort des Jahres 2017“ verkündet kommenden Dienstag eine sprachkritische Jury um Linguistik-Professorin Nina Janich in Darmstadt. Seit 1991 werden jedes Jahr Begriffe gekürt, die gegen das Prinzip der Menschenwürde oder gegen Prinzipien der Demokratie verstoßen, weil sie „einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren“ oder „euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend“ sind. „Volksverräter“ war das Unwort 2016, „Gutmensch“ 2015.

          Ziel der sprachkritischen Aktion ist es, auf öffentliche Formen des Sprachgebrauchs aufmerksam zu machen und dadurch das Bewusstsein und die Sensibilität für Sprache in der Bevölkerung zu fördern. Die Jury wählt Formulierungen aus der öffentlichen Kommunikation, die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen. Die Wörter sollen zudem eine „gewisse Aktualität“ haben, und der Kontext, in denen sie gefallen sind, muss belegt sein.

          Nominierungen zum Unwort 2017

          „Babycaust“ wurde am häufigsten vorgeschlagen (122 Nennungen). Die Gießener Ärztin Kristina Hänel, die vom Amtsgericht Ende November wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt worden war, hatte den Begriff vorgeschlagen. Sie werde auf einer Webseite desselben Namens „diffamiert, verleumdet und angeprangert“, teilte sie über ihr Unterstützungskomitee mit. Der Begriff „Babycaust“ sei wegen seiner Ähnlichkeit zum Begriff „Holocaust“, der für den Massenmord der Nazis an den Juden steht, „verschleiernd und irreführend“.

          „Alternative Fakten“ (65 Nennungen), der zweithäufigste Vorschlag, ist ein Begriff aus der amerikanischen Politik und geht auf eine Beraterin von Donald Trump zurück.

          Alle anderen Unwörter, die zur Wahl stehen, seien weniger als 20 mal vorgeschlagen worden. Die Häufigkeit spielt bei der Entscheidung der Juroren aber keine Rolle. Unterstützer-Aktionen sollen so verhindert werden.

          Unter den weiteren Vorschlägen finden sich z.B.:

          „Fake News“ für vorgetäuschte oder falsche Nachrichten

          „Bio-Deutsche“ als Gegensatz zu Eingewanderten

          „Atmender Deckel“ aus der Diskussion über die Begrenzung der Flüchtlingszahlen

          „Sprachpolizei“ für sprachkritische Aktionen – wie etwa das Unwort des Jahres

          Wahl und Trump dominieren Vorschläge

          Die Bundestagswahl und die anschließenden Beratungen zur Bildung einer Regierung sowie der Amtsantritt von Amerikas Präsident Donald Trump hätten bei den Vorschlägen für das Unwort diesmal das Thema Migration etwas abgedrängt, sagt Janich. Insgesamt seien 1316 Vorschläge per Mail oder Brief eingegangen. Das waren 252 mehr als im Vorjahr. Darunter waren 684 verschiedene Vorschläge (Vorjahr: 594). „Aber nur 80 bis 90 entsprechen unseren Kriterien.“ „Baumstilllegung“ für das Fällen von Bäumen etwa habe keine Chance, da es nicht Menschen betreffe.

          Ausgeschlossen werden auch Namen wie „Merkel“ oder „Trump“, hässliche Wörter oder Missverständnisse. Dazu zählen Formulierungen, die vor allem den Ärger des Einsenders über eine bestimmte Politik ausdrücken. Als Beispiele dafür nennt Janich „Sondierungsgespräche“, was sogar 27 Mal vorgeschlagen wurde, oder „Jamaika-Koalition“. Amerikanische Unwörter, die in Deutschland nicht als solche verwendet würden, hätten auch keine Chance.

          Wer zur Jury gehört

          Die Street-Art-Künstlerin Barbara, die für dieses Jahr zu der sprachkritischen Jury gestoßen ist, habe die Aktion auf Facebook und Instagram bekannt gemacht und um die 3000 Reaktionen erhalten, sagt Janich. Ein Mitglied der Jury wechselt jedes Jahr. Die anderen fünf sind fest. Dazu gehören der Journalist Stephan Hebel und vier Sprachwissenschaftler: Jury-Sprecherin Janich, Jürgen Schiewe (Greifswald), Martin Wengeler (Trier) und Kersten Sven Roth (Zürich).

          Anders gelagert ist das „Wort des Jahres“: Dazu macht die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden am Ende eines jedes Jahres einen Begriff, der nach Ansicht der Experten die öffentliche Diskussion in den vergangenen zwölf Monaten am meisten geprägt hat. „Jamaika-Aus“ war es 2017.

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