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Unwetter am Wochenende : Überflutungen nach schweren Regenfällen

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Eine „Schwalbe” macht noch keinen Sommer Bild: AP

Starke Regenfälle haben in Teilen Deutschlands am Wochenende zu Überschwemmungen geführt. Besonders in Norddeutschland, Hessen und Sachsen-Anhalt traten Flüsse und Bäche über die Ufer. Zahlreiche Straßen wurden überflutet, viele Keller liefen voll.

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          Straßen und Keller überflutet, Flüsse und Talsperren randvoll: Starker Dauerregen hat am Wochenende in mehreren Bundesländern zu Überschwemmungen geführt. Vor allem im Süden und im Südosten Niedersachsens sowie in Sachsen-Anhalt traten Bäche und Flüsse über die Ufer, zahlreiche Straßen waren unpassierbar, Häuser wurden beschädigt. Die niedersächsische Gemeinde Baddeckenstedt stand in der Nacht zum Sonntag kurz vor der Evakuierung. Die Innerste-Talsperre im Harz lief über. Bei Verkehrsunfällen infolge der starken Niederschläge starben in der Saale-Unstrut-Region in Sachsen-Anhalt drei Menschen. Dort hatte es an einem Tag so viel geregnet wie sonst im ganzen September.

          Auch in Hessen, Thüringen, Schleswig-Holstein und Hamburg waren hunderte Feuerwehrleute im Einsatz, um vollgelaufene Keller leerzupumpen und Straßen zu sichern. Spitzenreiter bei den Niederschlagswerten war Annarode im Südharz. Dort wurden nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia innerhalb von 24 Stunden 83 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. In Ilsenburg im Ostharz waren es 79 Liter.

          „Eine ziemliche Bedrohungslage entwickelt“

          In Baddeckenstedt im Landkreis Wolfenbüttel hatte sich in der Nacht zum Sonntag „eine ziemliche Bedrohungslage entwickelt“, sagte der Sprecher der Feuerwehr Braunschweig, Hans-Ludwig Sämann. Die Wassermassen des Flusses Innerste hatten Zufahrtsstraßen überflutet. In Turnhallen wurden bereits Notunterkünfte eingerichtet. Am Sonntag entspannte sich die Lage jedoch langsam. Im nicht weit entfernten Ort Holle im Kreis Hildesheim versuchten Einsatzkräfte, mit Sandsäcken den Innerste-Deich zu stabilisieren.
          Auch wenn die Regenfälle am Sonntag nachließen, waren die Talsperren im Harz randvoll gefüllt; die Innerste-Talsperre lief sogar über. Dort floss deutlich mehr Wasser hinein, als abgelassen werden konnte. „Wir haben sehr, sehr viel Wasser im Harz“, sagte Feuerwehr-Sprecher Sämann. Im Kreis Goslar konnten viele Straßen nicht befahren werden.

          Wasser von unten und oben: entlang der Gera in Bischleben

          Im Ostharz traf es die Orte Stecklenberg und Ilsenburg (Sachsen- Anhalt) besonders schlimm. „Das Wasser steht knöchel- bis knietief“, berichtete ein Mitarbeiter des Katastrophenschutzes zur Lage in Stecklenberg. Spezialtrupps des Technischen Hilfswerks (THW) aus Berlin, Göttingen und Erfurt waren den Einsatzkräften mit Hochleistungspumpen zu Hilfe geeilt. Hauseingänge und Kellerfenster wurden mit Sandsäcken gesichert. Bei einem Erdrutsch wurde in Langenstein bei Halberstadt eine Hauswand eingerückt. Insgesamt waren in Sachsen-Anhalt seit Samstagmorgen 1000 Feuerwehrleute und THW- Kräfte im Einsatz.

          230 Einsätze in Göttingen

          In der Stadt und im Landkreis Göttingen zählte die Polizei bis zum Samstagabend 230 Einsätze. Der Leine-Pegel habe mit einem Höchststand von 2,60 Meter das Dreifache des normalen Durchschnittswertes erreicht. „Wir hatten hier zeitweise Land unter“, berichtete ein Polizeisprecher. Am Samstagabend hatte der Regen nachgelassen, am Sonntag sank der Leine-Pegel kontinuierlich. Auch Teile der Innenstadt von Hannoversch Münden in Südniedersachsen waren überflutet worden.

          In Hessen wurde die Bundesstraße 3 im Fuldatal am Samstag gesperrt, weil Bäume wegen des aufgeweichten Bodens auf die Straße gestürzt waren. An der Bundesstraße 7 südöstlich von Kassel mussten Waldarbeiter einen abrutschenden Hang stabilisieren. Am Samstag fielen die Pegelstände der meisten Flüsse in Nord- und Osthessen wieder.

          Gewitter und Starkregen

          In Hamburg rückte die Feuerwehr nach heftigen Gewittern und Starkregen bis zum Samstagnachmittag 120 Mal aus, berichtete ein Sprecher. Auf vielen Straßen konnte das Wasser nicht ablaufen, weil Gullys mit Laub verstopft waren. In den Kreisen Segeberg und Ostholstein schlugen Blitze in mehrere Gebäude ein. Menschen wurden nicht verletzt.

          In Thüringen entspannte sich die Hochwasserlage am Sonntag. „Die Pegelstände der Hochwasser führenden Flüsse in Mittel- und Ostthüringen sinken, die meisten Straßen sind wieder frei“, sagte ein Sprecher des Lagezentrums im Innenministerium. Von Freitag bis zum Samstagmorgen waren in Thüringen örtlich mehr als 70 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Mehrere Bäche und Flüsse wurden nach Angaben der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie weiter beobachtet.

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