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Untersuchungsausschuss : Hygieneexperten kritisieren Bremer Klinikum

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Ein Pfleger für mehr als vier Frühgeborene - das sei zu wenig, meinen Experten Bild: ZB

Ein Hygienefachmann sieht Sparmaßnahmen am Klinikum Bremen-Mitte als eine der Ursachen für die tödliche Infektionswelle auf der Frühchenstation. Es gebe zu wenig Personal.

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          Sparmaßnahmen sind nach Ansicht des Hygieneexperten Klaus-Dieter Zastrow eine der Ursachen für die tödliche Infektionswelle auf der Frühchenstation am Klinikum Bremen-Mitte. Dadurch sei am Personal und bei der Hygieneorganisation gespart worden, sagte Klaus-Dieter Zastrow, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin der Vivantes Kliniken Berlin, am Donnerstag am Rande einer Sitzung des Untersuchungsausschusses, der nach dem Tod dreier Frühchen eingesetzt worden war. Der Hygieneexperte Thomas Eikmann kritisierte den Umgang des Klinikums mit den Infektionen.

          Zastrow kritisierte, der in dem Klinikum für die Organisation und Überwachung der Hygiene zuständige Krankenhaushygieniker, sei nicht wie von Experten empfohlen ein Mediziner, sondern ein Diplom-Biologe. Damit sei er gar nicht in der Lage die Hygienesituation zu bewerten. Ein Biologe in der Position sei aber günstiger als ein Arzt, sagte Zastrow. Zudem gebe es zu wenig Personal auf der Frühgeborenen-Station. Optimal wäre die Zuständigkeit einer Kraft für zwei bis drei Kinder. In Bremen sei aber ein Pfleger für mehr als vier Babys zuständig gewesen. „Das ist die Kernproblematik“, betonte Zastrow. „Wenn Sie da zu wenig Leute haben, machen Sie Fehler.“

          Umgang mit Infektionswelle „nicht sehr professionell“

          Hygieneexperte Eikmann bezeichnete den Umgang des Klinikums Bremen-Mitte mit der Infektionswelle zudem als „nicht sehr professionell“. Bereits als der multiresistente Erreger MRSA gehäuft von Januar bis März auf der Station auftrat, „wäre schon die Frage gewesen, ob hygienisch alles in Ordnung ist“, sagte der Direktor des Gießener Instituts für Hygiene und Umweltmedizin vor dem Ausschuss. Als dann Ende April der erste Nachweis des gefährlichen Darmkeims Klebsiella gemacht worden sei, hätte bereits die höchste Alarmstufe ausgerufen werden müssen.

          Auf der Frühgeborenen-Station war es ab April 2011 zu einer Infektionswelle mit einem gefährlichen Darmkeim gekommen. Drei Frühchen starben, bei insgesamt 25 Kindern wurde der Erreger nachgewiesen.

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