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Untergang der Titanic : Den Briten wurde ihre Höflichkeit zum Verhängnis

Die Titanic läuft aus dem Hafen von Southhampton aus Bild: AP

Eine neue Studie deckt unglaubliche Vorgänge an Bord der sinkenden Titanic auf: Es seien überproportional viele Briten ums Leben gekommen, weil sie sich höflich wartend in die Reihe vor den Rettungsbooten gestellt hätten.

          Der gesunkene Ozeanliner Titanic gibt auch 97 Jahre nach seinem Untergang noch Geheimnisse preis. Forscher haben jetzt anhand der Passagierlisten und des Verzeichnisses der Überlebenden ermittelt, dass die britischen Passagiere und Crewmitglieder an Bord eine geringere Überlebensrate hatten als die Angehörigen anderer Nationalitäten, vor allem Amerikaner.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Schon lange war bekannt, dass in der Nacht, als die Titanic auf ihrer Jungfernreise im eisigen Nordatlantik sank, die Passagiere der ersten und zweiten Klasse eine höhere Aussicht auf Rettung hatten als die Passagiere der dritten Klasse. Nun haben Wirtschaftwissenschaftler der Universität Zürich, eines Wirtschaftsinstituts in Basel und der Universität Brisbane (Australien) am Beispiel der Titanic untersucht, wie eine Menge von Menschen bei einem von außen einwirkenden Schock reagiert, wenn ein (zu) knappes Gut – in diesem Fall Plätze im Rettungsboot – unter ihnen verteilt werden muss.

          Soziale Normen behielten Gültigkeit

          Die Forscher fanden heraus, dass soziale Normen wie „Frauen und Kinder zuerst“ und eine allgemeine Hilfsbereitschaft in dieser Ausnahmesituation Geltung behielten. Überdies zeigte sich, dass Mütter und Frauen im gebärfähigen Alter eine höhere Überlebenschance hatten als andere. Und schließlich fanden die Forscher anhand ihrer statistischen Vergleiche von Reisenden und Mannschaft (2223) mit der Zahl der Überlebenden (706) heraus, dass unter den Briten, die mit 53 Prozent die Mehrheit der Personen an Bord stellten, elf Prozent weniger Überlebende waren, als es ihrem Anteil entsprochen hätte. Amerikaner, die etwa ein Fünftel der Passagiere und Crew stellten, hatten eine 15 Prozent höhere Überlebenschance.

          Der Wirtschaftswissenschaftler Bruno Frey, einer der Autoren, sagte der „Mail on Sunday“, eigentlich habe die umgekehrte Schlussfolgerung nahegelegen, schließlich sei die Titanic ein britisches Schiff mit britischer Besatzung gewesen. Offenbar seien sich die Briten an Bord stärker der geltenden sozialen Normen bewusst gewesen; sie hätten eher als die Amerikaner geduldig in der Schlange auf den Einstieg ins Rettungsboot gewartet.

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