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Unruhen : Neues Massaker auf Borneo aufgedeckt

  • Aktualisiert am

Patrouille vor einem Geschäft Bild: AP

Während Polizei und Militär auf Borneo versuchen, die Zuwanderer in Sicherheit zu bringen, droht die weitere Ausbreitung von Gewalt und Zerstörung.

          2 Min.

          In der indonesischen Provinz Kalimantan auf der Insel Borneo ist nach Angaben der Polizei ein neues Massaker aufgedeckt worden. 118 Flüchtlinge vom Volk der Madurer seien in Parenggean an der Straße zur Provinz-Hauptstadt Palangkaraya von Ureinwohnern ermordet worden, teilte ein Polizeisprecher am Dienstag in Jakarta mit.

          Das Massaker habe sich bereits am Sonntag ereignet, als die nach wochenlangen Unruhen verängstigten Madurer auf der Flucht gewesen seien. Zeitungen hatten zuvor über den Fund von 118 Leichen berichtet. Bei den Unruhen sind schätzungsweise 500 Menschen ums Leben gekommen.

          Nach Angaben des indonesischen Militärs wurden auch am Dienstag in der Provinzhauptstadt Palangkaraya Häuser der angesiedelten Bewohner des Madurer-Volkes angezündet. Das Militär versuchte, die Gewalt einzudämmen und den Ureinwohnern des Dayak-Volkes die Waffen abzunehmen. In der zentral gelegenen Stadt Sampit hatten die Auseinandersetzungen zwischen den Ureinwohnern und den Umsiedlern vor einer Woche begonnen.

          Flüchtlingstreck von 600 Amokläufen angegriffen

          Nach Angaben der Polizei kam es in Sampit infolge eines Missverständnisses zu einer Schießerei zwischen der Polizei und dem zur Wiederherstellung der Ordnung entsandten Militär. Es habe einige Verletzte gegeben. Sampit liegt 750 Kilometer von Jakarta entfernt und ist als Flusshafen ein Sammelpunkt für die fliehenden Madurer, die sich per Schiff in Sicherheit bringen wollen.

          Bei dem Massaker am Sonntag liefen den Angaben zufolge etwa 600 Angehörige des Dayak-Volkes Amok. Sie hätten eine Gruppe von Hunderten Madurern angegriffen. Zehn Polizisten, die eigentlich den Schutz der Madurer gewährleisten sollten, seien bei dem Angriff geflohen.

          Missverständnis führt zu Schießerei zwischen Polizei und Militär

          Seit die einheimischen Dayak mit großer Grausamkeit die Umsiedler von der Insel Madura verfolgen, befinden sich mehr als 30.000 Maduren auf der Flucht. Die Maduren waren teils noch unter dem früheren Diktator Suharto von ihrer übervölkerten Insel auf das rohstoffreiche Borneo umgesiedelt worden, teils aus eigenem Antrieb gekommen. Die einheimischen Dayak haben sich wiederholt mit Gewalt gegen die Konkurrenz um Land und Arbeitsplätze gewehrt. Vor zwei Jahren kamen dabei mehr als 200 - nach anderen Berichten bis zu 3.000 - Menschen ums Leben. Zentral-Kalimantan ist die letzte Provinz Indonesiens, in der die Ureinwohner die Mehrheit haben.

          Die unter dem Namen Dayak zusammengefassten Volksgruppen kämpfen gegen die Maduren mit Schwertern und Speeren und haben nach Angaben von Augenzeugen zahlreiche Opfer geköpft und die Köpfe als Trophäen mitgenommen. Trotz der klaren Fronten führen Wissenschaftler die Kämpfe weniger auf ethnische Gründe zurück als auf die starke Verarmung und Benachteiligung der Ureinwohner. Die beiden Gruppen hängen zudem unterschiedlichen Religionen an: die Maduren sind Muslime, die Dayak gehören christlichen Religionen an oder einer Naturreligion.

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