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Unglücksursache : „Kaum Schnee auf dem Dach“

Hat sich der Boden der Messehalle abgesenkt? Bild: dpa/dpaweb

Auch zwei Tage nach dem Unglück im polnischen Kattowitz ist nicht klar, warum das Dach der Messehalle eigentlich einstürzte.

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          Auch zwei Tage nach dem Unglück im polnischen Kattowitz (Katowice) ist nicht klar, warum das Dach der Messehalle einstürzte. Am Montag begann eine Regierungskommission unter der Leitung des polnischen Staatspräsidenten Lech Kaczynski mit der Untersuchung der Katastrophe. Nach ersten Berichten soll das von einer Stahlkonstruktion getragene Blechdach unter der Schneelast eingestürzt sein. Ein Sprecher der Messe Kattowitz sagte zwar, das Dach sei bis auf eine dünne Schneeschicht geräumt gewesen. Nach Angaben des polnischen Rundfunks schätzen aber einige Sachverständige, daß zum Zeitpunkt der Katastrophe 2500 Tonnen Schnee und Eis auf dem 15.000 Quadratmeter großen Dach lasteten. Das entspräche einer Schneehöhe von gut eineinhalb Metern.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Augenzeugen des Unglücks bestreiten dies. Nach Beobachtung von Theodor Backs, Geschäftsführer des gleichnamigen Taubenfutter-Produzenten aus Rehburg-Loccum in Niedersachsen, lag auf dem Hallendach nur wenig Schnee. „Daß dort 50 Zentimeter Schnee gelegen haben sollen, kann ich mir nicht vorstellen.“ Nach Angaben des Akademischen Direktors der Fakultät für Ingenieurwesen an der Ruhr-Universität Bochum, Reinhard Bergmann, müssen Dächer selbst im Flachland Schneehöhen von gut einem Meter aushalten. „Die Normlast eines Dachs liegt bei 0,75 Kilonewton pro Quadratmeter, das entspricht einem Gewicht von 75 Kilogramm und einer Pulverschneemenge von 75 Zentimetern.“ Hinzu komme ein Sicherheitsspielraum: Jede Dachkonstruktion müsse die für sie berechnete Maximallast und noch 70 Prozent mehr tragen können.

          Hat sich der Boden abgesenkt?

          Schnee ist aber nicht gleich Schnee. „Und wenn es sich um Eis handelt, dann können schon Dicken unter einem halben Meter kritisch werden.“ Über die Unglücksursache in Kattowitz will Bergmann nicht spekulieren. Auf Bildern meint er, eine filigrane Fachwerkkonstruktion aus Stahl erkannt zu haben. Ob es zusätzlich noch eine Unterdecke gab, könne er nur vermuten. „Offenbar gibt es aber Berichte, daß sich vor dem Unglück Platten gelöst haben, die auf die Besucher in der Halle fielen.“ Ein belgischer Augenzeuge berichtete sogar, daß erst der Hallenboden nachgegeben habe. Denkbar ist nach Angaben Bergmanns, daß sich der Boden absenkte, weil in der Nähe eine Bergbaugrube eingestürzt ist.

          Theodor Backs, der mit seinem Sohn und vier Mitarbeitern zu der internationalen Taubenausstellung nach Kattowitz gereist war, berichtete am Montag auch, daß die Notausgänge der eingestürzten Messehalle zum Teil versperrt gewesen seien. „Die Tür war nicht zu öffnen, so daß wir die Glasscheiben eintreten mußten.“ Es sei ein großes Glück gewesen, daß das Dach kurz vor Feierabend und nicht schon mittags eingebrochen sei, sagte Backs, der sich mit seinen Angestellten unversehrt retten konnte: „Mittags war es noch brechend voll.“

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