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Zyklon „Idai“ in Moçambique : Die größte Naturkatastrophe des Landes

Der Zyklon „Idai“ hat in Moçambique und Zimbabwe zu Überschwemmungen geführt. Bild: AFP

Der Zyklon „Idai“ hat in Moçambique verheerende Schäden angerichtet. Der Präsident des Landes befürchtet, dass die Zahl der Toten auf bis zu 1000 ansteigt.

          Nach dem Zyklon „Idai“ ist die Zahl der Toten in Moçambique auf mehr als 80 gestiegen. Der Präsident des südostafrikanischen Landes, Filipe Nyusi, geht allerdings davon aus, dass die Zahl noch auf bis zu 1000 Opfer steigen könne. Das sagte er am Montag dem staatlichen Radiosender „Radio Moçambique“. Zuvor hatte Nyusi das Katastrophengebiet im Zentrum des Landes besucht. Zudem ließen Rückmeldungen der Helfer und der Anblick des Katastrophengebietes aus der Luft befürchten, dass die Opferzahlen deutlich über den bisher bestätigten Angaben liegen könnten.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Der Zyklon hat im südlichen Afrika verheerende Schäden angerichtet. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) liegt die moçambiquanische Stadt Beira am Indischen Ozean in Trümmern. Rund 90 Prozent aller Gebäude in der Stadt, die etwas mehr als eine halbe Million Einwohner hat, seien zerstört oder beschädigt, so die Hilfsorganisation. Die Verwüstungen seien „gewaltig und entsetzlich“. „Stromversorgung und Telefonverbindungen sind zusammengebrochen“, meldete Christof Johnen, Leiter Internationale Zusammenarbeit des DRK-Generalsekretariats. „Schwere Regenfälle und Überschwemmungen erschweren die Rettungsarbeiten.“ Zeitweise sei die Großstadt weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten gewesen, Bäume seien entwurzelt und Straßen vollständig zerstört worden.

          „Idai“ erreichte Windstärke 4 und 5

          Nach den ersten Meldungen aus Beira machten sich Mitarbeiter des DRK auf den Weg in die Krisenregion, um die einheimischen Kräfte bei ihrer Arbeit zu unterstützen, Notunterkünfte zu errichten und Betroffene mit Hilfsgütern wie Decken, Küchensets oder Moskitonetzen zu versorgen. Bereits bevor „Idai“ die ostafrikanische Küste erreicht hatte, brachte das Rote Kreuz Tabletten zur Wasseraufbereitung in die Risikogebiete, „um sicherzustellen, dass die Bevölkerung nach dem Zyklon sofort Zugang zu Trinkwasser hat“. Auch Tausende Anwohner konnten rechtzeitig evakuiert werden. Informationen über die Situation in entlegeneren Gebieten des Landes liegen hingegen kaum vor.

          Der Wirbelsturm, der die Stärke 4 auf der bis 5 reichenden Skala hatte, war in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in der Nähe von Beira mit einer Geschwindigkeit von bis zu 190 Stundenkilometern auf Moçambique getroffen. Sturmfluten trafen auf die Küste, und es kam zu massiven Überschwemmungen.

          Der Sturm richtete auch in Malawi und Zimbabwe schwere Schäden an

          Wirbelstürme sind in dieser Region keine Seltenheit; 2007 hatte der Zyklon „Flavio“ rund 130000 Häuser zerstört. Laut DRK gehört Moçambique mit seiner 2700 Kilometer langen Küste zu den Ländern, die am anfälligsten für Extremwetter-Ereignisse sind. Oft kämen Menschen zu Schaden, weil gerade die Küste oder die Flüsse dichtbesiedelt seien. Aufgrund der weit verbreiteten Armut seien zudem Behausungen und Infrastruktur „besonders anfällig für die Auswirkungen von tropischen Zyklonen“, so das DRK. Der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte Moçambiques Umweltminister Celso Correia: „Ich denke, dies ist die größte Naturkatastrophe, die Moçambique jemals erlebt hat.“

          Nachdem er auf Land getroffen war, zog „Idai“ weiter nach Westen und schwächte sich etwas ab, richtete aber auch in den Nachbarländern Malawi und Zimbabwe noch schwere Schäden an. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass insgesamt rund 1,7 Millionen Menschen alleine in Moçambique in dem Gebiet leben, durch das der Zyklon gezogen ist – und weitere 920.000 in Malawi.

          In Zimbabwe liegt die Zahl der Toten zur Zeit bei 89 Personen. Besonders betroffen ist der östliche Chimanimani-Bezirk, wo die Fluten Häuser und Brücken mit sich gerissen und ganze Straßen wegspült haben. Soldaten retteten in dieser Region 200 Schüler und ihre Lehrer, die inmitten der Fluten in einem Schulgebäude eingeschlossen waren. Ein Abgeordneter aus Chimanimani berichtete allerdings, andernorts habe eine Schlammlawine 25 Häuser unter sich begraben.

          Anfangs hatten starke Winde und dichte Wolken die Rettungsmaßnahmen massiv erschwert und etwa Hubschrauberbesatzungen daran gehindert, Bewohner von einem Berg zu retten. Am Sonntag klarte das Wetter aber wieder auf. In Malawi starben wegen der Unwetter, die dort bereits am Anfang des Monats begonnen hatten, insgesamt 56 Menschen. Der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa hat unterdessen angekündigt, Soldaten der South African National Defence Force zur Hilfe nach Moçambique zu entsenden.

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