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Zwölf Deutsche unter den Opfern : Absturz am Tor zum Everest

  • -Aktualisiert am

Nur der Pilot soll den Absturz überlebt haben Bild: REUTERS

Lukla in Nepal ist einer der gefährlichsten Flugplätze der Welt. Piloten haben hier nur einen Versuch. Am Mittwoch missglückte er - und führte zur Katastrophe. Beim Anflug zerschellte eine Maschine mit 18 Touristen an Bord, unter ihnen zwölf deutsche Wanderer.

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          Diesen Flugplatz können nur Hubschrauber und einige Propellermaschinen anfliegen. Lukla in Nepal, einer der gefährlichsten Flugplätze der Welt, hat nur eine etwa 500 Meter lange Bahn, an der einen Seite durch einen Abhang begrenzt, an der anderen durch einen Berghang mit einer Steinmauer. Die kanadische Twin Otter zum Beispiel verfügt über die nötige Schubkraft, um auf der sehr kurzen Startbahn sehr schnell zu beschleunigen: Der Pilot dreht die Maschine bei angezogenen Bremsen auf, löst die Bremse und beschleunigt das Flugzeug damit so schnell, dass es am Ende der Bahn nicht den 200 Meter tiefen senkrechten Abhang herunterstürzt. Starts und Landungen sind jeweils nur in einer Richtung möglich und können nicht abgebrochen werden. Der Pilot hat jeweils nur genau einen Versuch.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Am Mittwoch waren es wohl auch diese topographischen Schwierigkeiten auf fast 2800 Metern, die zu dem Flugzeugunglück mit 18 Todesopfern führten. Unter ihnen sind zwölf Deutsche, wie ein Botschaftssprecher dieser Zeitung sagte. Die Twin Otter, betrieben von der nepalischen Fluggesellschaft Yeti Airlines, war am Morgen um 6.51 Uhr Ortszeit in der Hauptstadt Katmandu gestartet. Unmittelbar vor der Landebahn in Lukla stieß sie um 7.31 Uhr gegen den Hang und ging in Flammen auf. Nepalische Medien berichteten von plötzlich auftretendem Nebel bei der Landung. Zuvor waren bereits zwei Maschinen von Yeti Airlines sicher gelandet.

          Die Herausforderung, punktgenau aufzusetzen

          Bei der Landung besteht die Herausforderung darin, die Maschine punktgenau am Beginn der Bahn aufzusetzen und dann durch Schubumkehr schnell abzubremsen. Das wird unterstützt durch die Steigung der Bahn von bis zu 15 Prozent. Ein Durchstarten ist hangwärts nicht möglich. Kurz vor der Steinmauer am Ende der Bahn muss die Maschine nach rechts schwenken, wo es vier Plätze zum Be- und Entladen gibt - in der Hauptsaison kann es hier schon mal eng werden, die Maschinen fliegen bei gutem Wetter im Abstand von wenigen Minuten. Beim Landeversuch am Mittwoch führte vermutlich der Nebel zu einer fatalen Fehleinschätzung von nur wenigen Metern.

          Das Flugzeug ging in Flammen auf
          Das Flugzeug ging in Flammen auf : Bild: AFP

          Außer den zwölf Deutschen kamen ein australisches und ein nepalisches Paar sowie zwei nepalische Besatzungsmitglieder ums Leben. Ein Pilot überlebte die Flammen. Augenzeugen berichteten, dass die Löscharbeiten mehr als zwei Stunden gedauert hätten und von vielen fassungslosen Urlaubern beobachtet worden seien.

          Rasche Wetterwechsel

          Die Trekking-Touristen hatten eine Wandertour bei dem Münchner Reiseveranstalter Hauser Exkursionen gebucht, der neben dem DAV Summit Club und Amical Alpin zu den großen Nepal-Reiseveranstaltern zählt. Allein diese drei Agenturen brachten im vergangenen Jahr knapp 3000 Reisende nach Nepal, wo seit dem Ende des Bürgerkriegs zwischen den Maoisten und der Regierung vor zwei Jahren die Besucherzahlen steigen.

          Lukla, 2757 Meter über dem Meeresspiegel gelegen, ist das Eingangstor für Expeditionen und Wanderreisen ins Everest-Gebiet. Das Basislager des höchsten Berges der Welt erreicht man von hier in sieben bis neun Tagen Fußmarsch. Beliebt sind auch Touren über das Sherpa-Städtchen Namche Bazar ins Gokyo-Tal. Rasche Wetterwechsel führen dazu, dass der Flugbetrieb in Lukla häufig eingestellt werden muss. Mitunter sitzen Touristen dann tagelang fest. Doch eine andere schnelle Verkehrsverbindung nach Katmandu gibt es nicht: Zu Fuß braucht man bis zum Beginn der nächstgelegenen Straße in Jiri gut eine Woche.

          Edmund Hillary hatte beim Aufbau geholfen

          Der Erstbesteiger des Mount Everest, Edmund Hillary, der sich seit der Bezwingung des Dachs der Welt mit dem Sherpa Tenzing Norgay im Jahr 1953 für die einheimische Bevölkerung engagierte, hatte geholfen, den Flugplatz 1964 zu bauen. Nach seinem Tod im Januar 2008 war der Flugplatz in „Tenzing-Hillary Airport“ umbenannt worden. Die Schotterpiste in Lukla wurde erst im Jahr 2001 asphaltiert. Damals entstanden auch das einfache Abfertigungsgebäude und ein Leitstand für die Flugsicherung.

          Das Unglück vom Mittwoch ist der bislang schwerste Unfall am Flugplatz von Lukla. Zu Todesfällen kam es hier aber schon öfter. Im Jahr 1991 kamen alle 14 Insassen einer Twin Otter der Royal Nepal Airlines bei einer missglückten Landung ums Leben. Im Mai 2004 stürzte eine Maschine der Yeti Airlines in dichter Bewölkung ab, alle drei Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben.

          In Nepal gibt es eine Reihe kleiner Fluggesellschaften, die entlegene Touristenziele anfliegen. Die Yeti Airlines war vor zehn Jahren gegründet worden. Die private Fluggesellschaft genießt - anders als etwa die staatliche Fluglinie Royal Nepal Airlines - unter Reiseveranstaltern eigentlich einen guten Ruf. Westliche Maßstäbe kann man an die Sicherheit der Maschinen in dieser Region der Welt allerdings nicht anlegen.

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