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Zwei Tote bei Unglück : Entgleister Zug war mit 290 Stundenkilometern unterwegs

Auf TV-Bildern war ein Waggon zu sehen, der umgekippt neben den Gleisen lag. Bild: AP

Am frühen Morgen entgleist ein Hochgeschwindigkeitszug in Norditalien. Es gibt Tote und Verletzte. Der Präfekt von Lodi spricht von einem „halben Wunder“.

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          Bei einem Unglück des Hochgeschwindigkeitszugs „Frecciarossa“ in Norditalien sind am frühen Donnerstagmorgen die beiden Lokführer ums Leben gekommen. 25 Fahrgäste wurden leicht verletzt, zwei Reisende erlitten schwere, aber nicht lebensbedrohliche Verletzungen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Bei dem verunglückten Zug mit der Nummer 9595 handelte es sich um die erste Verbindung des Tages von Mailand nach Salerno nahe Neapel. Der Zug der jüngsten Baureihe der Hochgeschwindigkeitszüge der italienischen Staatsbahnen „Ferrovie dello Stato“ hatte um 5.10 Uhr den Hauptbahnhof Mailand verlassen. Das Unglück ereignete sich wenige Minuten später beim Bahnhof von Livraga nahe Lodi südöstlich von Mailand. Von 5.30 Uhr an blieb die stark befahrene Zugstrecke für Stunden in beiden Richtungen gesperrt. Am Unglücksort waren Dutzende Fahrzeuge der Feuerwehr und medizinischer Rettungsdienste im Einsatz.

          Nach ersten Ermittlungen entgleiste der Triebwagen des Zuges an einer offenbar falsch gestellten Weiche, wurde vom Gleisbett geschleudert und von den Waggons des Zuges abgerissen. Dann prallte die Lokomotive gegen ein Gebäude und blieb schließlich entgegen der Fahrtrichtung etwa zehn Meter vom Gleisbett entfernt auf der Seite liegen. Die beiden 51 und 59 Jahre alten Lokführer wurden aus dem Zug geschleudert und auf der Stelle getötet. In dem Wartungsgebäude, das von dem  tonnenschweren Triebwagen getroffen wurde, befand sich zum Zeitpunkt des Unglücks niemand.

          Von den Waggons des Zuges stürzte nur der erste Wagen der Business-Klasse um. Die nachfolgenden, gleichfalls aus dem Gleis gesprungenen Wagen blieben aufrecht stehen. Der entgleiste Zug ohne Triebwagen kam wenige hundert Meter jenseits der Stelle, an welcher das Zugfahrzeug vom Gleisbett geschleudert worden war, zum Stehen. Insgesamt befanden sich in dem ersten Morgenzug nur 28 Fahrgäste sowie die Zugbesatzung. Im ersten Waggon reiste nur ein einziger Passagier, im zweiten Wagen befanden sich zwei Personen, im dritten reiste eine weitere Person.

          Die Hochgeschwindigkeitsstrecke verläuft zwischen Mailand und Bologna, wo sich das Unglück am Donnerstagmorgen ereignete, schnurgerade und parallel zur Autobahn A1, der „Autostrada del Sole“. Wie die Ermittler am Mittwochnachmittag mitteilten, war der Zug zum Augenblick des Unglücks annähernd mit der Höchstgeschwindigkeit von 290 Stundenkilometern unterwegs. Auch ein Fahrgast, der das Unglück mit leichten Verletzungen überstand, berichtete davon, dass der Zug mit hoher Geschwindigkeit gefahren sei, als es einen lauten Schlag und anschließend ein starkes Rütteln gegeben habe.

          Der Präfekt von Lodi, Marcello Cardona, sprach an der Unglücksstelle von einem „halben Wunder“, dass es nur zwei Todesopfer gegeben habe. Ein Unfall zu einem späteren Zeitpunkt mit einem vollbesetzten Zug hätte „zu einem Blutbad werden können“, sagte der Präfekt. Die „Frecciarossa“-Züge der Staatsbahnen und die „Italo“-Hochgeschwindigkeitszüge des privaten Konkurrenzunternehmens sind auf dem betroffenen Streckenabschnitt routinemäßig mit Geschwindigkeiten von deutlich mehr als 250 Stundenkilometern unterwegs.

          Erst am Vortag des Unfalls waren Statistiken bekannt geworden, wonach die Hochgeschwindigkeitszüge der Staatsbahnen und des privaten Zugbetreibers auch im vergangenen Jahr stark steigende Fahrgastzahlen verzeichnet hatten. Die Hochgeschwindigkeitsverbindungen auf der Schiene gelten als modernes Aushängeschild der ansonsten überwiegend unzeitgemäßen bis maroden Verkehrsinfrastruktur Italiens. Im August 2018 hatte der Einsturz der Morandi-Autobahnbrücke in Genua 43 Todesopfer gefordert.

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