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Flammeninferno in Chile : Zwei Geier sollen das Feuer in Valparaíso ausgelöst haben

  • Aktualisiert am

Erschöpfte Retter: pausierende Feuerwehrmänner in Valparaíso Bild: AP

Das verheerende Feuer in Valparaíso ist noch nicht unter Kontrolle, starker Wind peitscht die Flammen immer wieder auf. Die Ermittler haben unterdessen Brandstiftung als Ursache ausgeschlossen - und gehen einer skurrilen Theorie nach.

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          Das verheerende Feuer in der chilenischen Weltkulturerbe-Stadt Valparaíso ist noch immer nicht unter Kontrolle. Starker Wind habe die Flammen an mehreren Stellen wieder angefacht, sagte Innenminister Rodrigo Peñailillo. Auf sechs der 42 teils schwer zugänglichen Hügel der Hafenstadt breitete sich die Feuerwalze rasch aus.

          Die Löscharbeiten könnten noch bis zu zwanzig Tage andauern, erklärte der Chef der Waldwirtschaftskommission Conaf, Alfredo Mascareño, dem Sender Radio Cooperativa. Der chilenische Verteidigungsminister Jorge Burgos hatte zuvor die Hoffnung geäußert, dass die Feuersbrunst innerhalb von 48 bis 72 Stunden unter Kontrolle sein könnte. Neben heftigen Windstößen und brütender Hitze bereiten die engen Straßen und die hügelige Anlage der Stadt Schwierigkeiten.

          Bei dem Inferno starben seit Samstag mindestens zwölf Presonen. Rund 2100 Häuser auf den Hügeln der Metropole brannten bis auf die Grundmauern nieder, wie der Gouverneur der Region, Ricardo Bravo, am Montag mitteilte. Etwa 8000 Menschen wurden obdachlos.

          Zwei Geier sollen Feuer verursacht haben

          Als mögliche Auslöser für das Inferno wurden zwei Truthahngeier genannt, die sich auf einer Hochspannungsleitung niedergelassen haben sollen. Der Wind habe zwei Kabel aneinander gebracht, die Geier seien dabei verbrannt. Die entstandenen Funken hätten die trockenen Blätter am Boden entzündet, berichtete das Nachrichtenportal Emol unter Berufung auf Brandermittler. Die Staatsanwaltschaft bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass sie dieser Theorie als möglicher Ursache nachgehe. Minister Peñailillo
          teilte mit, erste Erkenntnisse schlössen Brandstiftung aus.

          Der zum Weltkulturerbe zählende historische Stadtkern Valparaísos - was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Paradies-Tal“ - blieb nach bisherigen Erkenntnissen aber von den Flammen verschont. Die neu entflammten Feuerherde tobten am Südrand der Stadt auf den Hügeln Rocuant, Pajonal und Ramaditas. Dieses Gebiet liegt rund drei Kilometer vom historischen Hafengebiet entfernt.

          Polizisten sollen Plünderungen verhindern

          Besonders betroffen waren die vornehmlich aus Holzhäuschen bestehenden Armenviertel der Stadt. Lautsprecherwagen fuhren durch die Straßen und gaben Adressen von Aufnahmezentren durch, andere boten Kleidung und Lebensmittel an. 2000 Polizisten und Soldaten wurden mobilisiert, um in der Stadt mit fast 300.000 Einwohnern für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet sagte: „Wir wollen Plünderungen vermeiden.“

          Im Kampf gegen die Flammen waren etwa 1250 Feuerwehrleute und 20 Löschflugzeuge und Hubschrauber im Einsatz. Sechs weitere Flugzeuge sollten aus Argentinien zur Verstärkung nach Chile fliegen, teilte Außenminister Heraldo Muñoz am Montag mit.

          Valparaíso ist die größte Hafenstadt Chiles und Sitz des Parlaments.
          Das historische Zentrum der Stadt mit den bunt bemalten Häusern auf
          den Hügeln zur Bucht wurde 2003 von der Unesco zum Weltkulturerbe
          erklärt. Auch der Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda (1904-1973)
          hatte dort ein Haus. Es blieb bislang vom Feuer verschont. Berühmt
          sind auch die 15 historischen Standseilbahnen, die seit 130 Jahren zu
          den Hügeln hinauffahren.

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