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Zugunglück in Bad Aibling : „Es läuft alles auf den Fahrdienstleiter hinaus“

Also doch menschliches Versagen, wie am Dienstagabend auch von FAZ.NET gemeldet wurde? Hat ein Mitarbeiter die Sicherungstechnik gewissermaßen manuell überbrückt? „Es läuft alles auf den Fahrdienstleiter hinaus“, sagte einer, der das Untersuchungsverfahren genau verfolgt, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am Mittwoch.

Mehr als 12.000 Fahrdienstleiter in den etwa 3100 Stellwerken steuern in Deutschland Tag für Tag den Verkehr von etwa 40.000 Zügen. Je nach Bauart müssen sie sich laut Bahn „per Augenschein davon überzeugen, ob das Gleis, in das ein Zug fahren soll, auch wirklich frei ist“. Eigentlich sind die Mitarbeiter natürlich gut qualifiziert.

Horst Seehofer hat am Mittwoch den Unfallort besucht und einen Kranz niedergelegt. Bilderstrecke
Zugunglück in Bad Aibling : Trauer nach Zugunglück in Bad Aibling

Am Mittwoch wurden Blackboxes aus den zerstörten Zügen geborgen. Dobrindt wies darauf hin, dass eine Analyse der Daten des Fahrtenschreibers, der ähnlich wie in Flugzeugen Informationen über das Fahrzeug sammelt, wichtig sei, um den genauen Ablauf der verhängnisvollen Fahrt ermitteln zu können. Laut „Süddeutscher Zeitung“ wurden am Mittwoch auch Räume des Fahrdienstleiters im Bahnhof von Bad Aibling untersucht.

Die Polizei verwehrte sich am Mittwoch trotzdem gegen „Gerüchte“, wonach der Fahrdienstleiter schuld am Unfall sei. Auch die Staatsanwaltschaft Traunstein wollte sich nicht zum aktuellen Stand der Ermittlungen äußern. Der Fahrdienstleiter sei zwar unmittelbar nach dem Unglück vernommen worden, sagte ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Es ergebe sich jedoch bislang „kein dringender Tatverdacht“. Zwar könne ein Fehler oder Vergehen des Diensthabenden auch nicht ausgeschlossen werden. Doch die aufwendigen und langwierigen Ermittlungen stünden noch am Anfang. Eine Sonderkommission aus 50 Ermittlern hat die Arbeit aufgenommen.

Zugsicherungssystem eigentlich altbewährt

Am Unglücksort hat derweil am Mittwoch die schwierige Bergung der Züge begonnen. Zwei Bergezüge mit Kränen sind dazu aus Fulda und Leipzig bereitgestellt worden. Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks versuchten zunächst, mit schwerem Schneidegerät die ineinander verkeilten Triebköpfe auseinanderzuschneiden und die Züge voneinander zu trennen. Auch hier sind immer noch rund 100 Helfer im Einsatz. Wann die Strecke wieder für den Bahnverkehr freigegeben wird, ist noch ungewiss.

„Sie können kaum mehr tun, als auf dieser Strecke getan wurde“, sagte der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, am Mittwoch im Inforadio des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). Das System, das Züge im Notfall zwangsweise abbremsen kann und auch die Unfallstrecke gesichert hat, sei „relativ stabil“.

Jochen Trinckauf, Professor für Verkehrssicherungstechnik an der Technischen Universität Dresden, sagte dem Deutschlandfunk: „Es ist praktisch ausgeschlossen, dass zwei Signale gleichzeitig Fahrt zeigen können.“ Das Zugbeeinflussungssystem könne aber auch umgangen werden – etwa bei einer Störung. In diesem Fall übernehme der Mensch die Verantwortung.

Bayern : Seehofer äußert sich zum Zugunglück bei Bad Aibling

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