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Zehn Jahre nach Duisburg : „Ich hatte eine Vorahnung“

Bild: FAZ.NET, EPA

Dr. Motte ist der Vater der Loveparade. 1989 veranstaltete er den ersten Techno-Umzug durch Berlin. Ein Gespräch über die Anfänge der Loveparade, die Katastrophe in Duisburg und seine Pläne für eine Neuauflage in Berlin.

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          Vor zehn Jahren kamen bei der Loveparade in Duisburg 21 Menschen ums Leben. Vor dem Zu- und Abgang des Geländes am ehemaligen Duisburger Güterbahnhof drängten sich in einem Tunnel tausende Technofans. Mehr als 650 Besucher wurden verletzt, viele haben noch heute mit den Erinnerungen an den 24. Juli 2010 zu kämpfen.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Daniel Blum

          Videoredakteur bei FAZ.NET.

          Die Verantwortung wollte weder der Veranstalter Lopavent noch die Stadt noch das für die Einsatzkräfte zuständige Innenministerium übernehmen. Im Mai 2020 ging das Gerichtsverfahren ohne ein Urteil zu Ende. Nach langwierigen Ermittlungen hatten sich seit Dezember 2017 Mitarbeiter der Stadt und des Veranstalters vor Gericht verantworten müssen. Viele der 42 noch von den Ereignissen traumatisierten Nebenkläger blieben, über den juristischen Abschluss des Unglücks entsetzt, auf ihren Gerichtskosten sitzen.

          Der Berliner Techno-DJ Dr. Motte hat die Loveparade 1989 in Berlin gegründet. In den Jahren darauf kamen Millionen Raver aus aller Welt. 2005 verkaufte er die Marke an den Unternehmer Reiner Schaller. Im VIDEO der F.A.Z.-INTERVIEWSERIE zu den Ereignissen nach der Katastrophe spricht er über den Gedanken hinter der ersten, unangemeldeten Loveparade und seine Vorahnung, als die bis dahin deutlich größere und kommerziellere Veranstaltung nach Duisburg kam. Der Stadt habe die Erfahrung gefehlt: „Man wächst von Jahr zu Jahr mit der Menge der Menschen, die kommt“, sagt Motte. Dass der Veranstalter Schaller am Tag des Unglücks die Verantwortung an seine Mitarbeiter abgegeben habe, beklagt Motte noch heute.

          An den Plänen von Dr. Motte, die Loveparade 2021 neu aufzulegen, hat bisher keiner der Betroffenen öffentlich etwas auszusetzen gehabt. Er will das Unglück von Duisburg als Schlusskapitel des Technofests nicht akzeptieren, beruft sich auf die Kenntnisse seines Teams bei der Planung von Großereignissen – und auf die Vorzüge Berlins und seiner Alleen. Eine Million Raver wären sein Traum. Bislang spricht er von 100 000. Finanzieren will er die Veranstaltung mit Spenden früherer Loveparade-Fans.

          Teil 1: „Mein Name war Synonym für die 21 Toten“ (Gespräch mit Duisburgs früherem Oberbürgermeister Adolf Sauerland)

          Teil 2: „Ich spüre noch die Füße auf dem Rücken“ (Gespräch mit einer Überlebenden)

          Teil 3: „Ich dachte zuerst an ein Attentat“ (Gespräch mit einem Rettungssanitäter)

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