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Nach heftigem Starkregen : Zahl der Toten in China steigt

Unter Wasser: Ein überfluteter Tunnel in Zhengzhou. Bild: Getty

Nach starken Regenfällen in der chinesischen Provinz Henan ist die Zahl der Todesopfer auf 51 gestiegen. Mehr als fünf Millionen Menschen sind von den Folgen betroffen – die Extremwetterwarnung kam nicht bei allen an.

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          Nach dem Starkregen in der zentralchinesischen Provinz Henan ist die Zahl der gemeldeten Todesopfer auf 51 gestiegen. Acht Personen wurden nach Behördenangaben am Freitag noch vermisst. Während in der Provinzhauptstadt Zhengzhou die Aufräumarbeiten begonnen haben, konzentrierten sich die Rettungskräfte auf umliegende Städte und Dörfer, wo noch immer Tausende vom Hochwasser eingeschlossen waren. Zu den besonders betroffenen Regionen gehört die Stadt Xinxiang, wo der Wei-Fluss über die Ufer getreten ist und mehrere Rückhaltebecken überflutet wurden. In der ganzen Provinz sind nach offiziellen Angaben mehr als fünf Millionen Bewohner von den Folgen der Flutkatastrophe betroffen. Mehr als 500.000 Menschen seien in Rettungsunterkünfte gebracht worden. Allein die Schäden für die Bauern infolge überfluteter Felder werden auf umgerechnet 700 Millionen Euro geschätzt. Das Finanzministerium teilte mit, dass zunächst umgerechnet 13 Millionen Euro Soforthilfe bereitgestellt würden.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Unterdessen zog das Schicksal der rund 500 U-Bahn-Passagiere, die am Dienstagabend in der Linie 5 in Zhengzhou nur knapp dem Ertrinken entkommen waren, weiter die Aufmerksamkeit auf sich. Die staatliche Betreiberfirma sieht sich mit der Frage konfrontiert, warum der U-Bahn-Betrieb nicht früher eingestellt wurde. Auch in anderen Städten sollen die Notfallpläne insbesondere für die U-Bahnen nun überarbeitet werden. Nach Recherchen der Zeitung Southern Weekly rief die örtliche Katastrophenschutzbehörde an jenem Tag um 17 Uhr die höchste Alarmstufe aus. Von 15.40 Uhr an seien mehrere Eingänge von U-Bahnhöfen gesperrt worden. Der Betrieb sei um 18.10 Uhr eingestellt worden. Zu diesem Zeitpunkt steckten die 500 Fahrgäste bereits fest. Zwölf Menschen starben in der U-Bahn. Die letzten Überlebenden wurden um drei Uhr morgens befreit.

          Die Warnung sei nur eine „Empfehlung“

          Die Zeitung berichtete weiter, manche Arbeitgeber und Schulen hätten die per SMS verschickten Warnungen ignoriert, weil Zhengzhou anders als andere chinesische Städte wenig Erfahrung mit Überschwemmungen gehabt habe. Ein Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde sagte der Zeitung, die Warnung sei nur eine „Empfehlung“. Andernfalls würde die meteorologische Abteilung die Verantwortung tragen, wenn es aufgrund einer unbegründeten Warnung zu Produktionsausfällen komme, erläuterte er. In dem Bericht heißt es allerdings, laut der Katastrophenschutzverordnung seien die Behörden bei der höchsten Alarmstufe angewiesen, Schulen und Fabriken (außer ausgewählte Branchen) zu schließen. Manche Schulen und Kindergärten hätten entsprechende Anweisungen erhalten, andere jedoch nicht, berichtete Southern Weekly. Ein Mitglied der Expertenkommission der nationalen Katastrophenschutzbehörde sagte der Zeitschrift China News Weekly: „Das Problem ist, dass China für den Fall von Extremwetterwarnungen noch keine klaren Notfallschutzmechanismen entwickelt hat.“ Auch gebe es keine Vorgaben, wie verschiedene Behörden sich koordinieren sollten. Weiter sagte Cheng Xiaotao, er sei kürzlich in Peking bei einer Fachtagung zu dem Thema gewesen. Es habe dazu viele Diskussionen, aber „noch keinen ausgefeilten Ansatz“ gegeben.

          Stärker als bei früheren Überschwemmungen wurde in chinesischen Medien die Frage nach dem Zusammenhang mit dem Klimawandel gestellt. Dabei spielte offenbar auch eine Rolle, dass Parallelen zwischen der Lage in Deutschland und in Henan gezogen wurden. Die Zeitung The Paper interviewte unter anderen den Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf. Die Staatsmedien berichteten zudem, das chinesische Militär habe Drohnen vom Typ Wing Loong-2 für Rettungsarbeiten eingesetzt, unter anderem, um unterbrochene Mobilfunkverbindungen zu reparieren. Die chinesische Führung nutzt Katastropheneinsätze oft, um die Verbundenheit zwischen Militär und Zivilbevölkerung zu propagieren sowie technologische Fortschrittlichkeit zu demonstrieren.

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