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Wrack vor Giglio : Hamburger Experten untersuchen „Costa Concordia“

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Auch zwei Jahre nach dem Unglück liegt das Wrack der „Costa Concordia“ noch vor der Insel Giglio. Bild: dpa

Zwei Jahre nach der Havarie der „Costa Concordia“ inspizieren Experten der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchungen das Wrack. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Frage, weshalb so viele der Toten in Fahrstühlen aufgefunden wurden.

          Deutsche Experten von der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) haben am Mittwoch eine Untersuchungsmission des Wracks der „Costa Concordia“ aufgenommen. Die Hamburger Behörde habe einen Nautiker, einen Schiffbauer und einen externen Experten für Schiffselektrik nach Italien entsandt, sagte BSU-Direktor Volker Schellhammer. Das entspreche dem üblichen Verfahren, wenn bei einem Schiffsunglück im Ausland ein deutscher Staatsbürger ums Leben komme. Die Havarie des Kreuzfahrtschiffes vor der italienischen Insel Giglio im Januar 2012 hatte 32 Menschenleben gekostet, darunter 12 Deutsche.

          Die Untersuchungen stünden in keinem Zusammenhang mit dem Prozess gegen Kapitän Francesco Schettino, der seit dem vergangenen Jahr in Grosseto stattfindet, sagte eine Sprecherin des Gerichts. Nach Angaben von Schellhammer können die Fachbehörden erst so spät mit den Untersuchungen beginnen, weil zunächst die italienische Justiz den Vorrang hatte. Das sei im italienischen Rechtssystem anders geregelt als in Deutschland, wo die BSU bei Schiffsunfällen gleichrangig mit den Staatsanwaltschaften ermittele.

          Gegenwärtig sei die „Costa Concordia“ noch halb voll Wasser und mehrere Decks nicht zugänglich. Sie werde voraussichtlich im Sommer auf der Abwrackwerft ausgepumpt und dann ein weiteres Mal untersucht, sagte Schellhammer.

          Seinen Angaben zufolge sollen die BSU-Experten unter anderem der Frage nachgehen, warum viele der Toten des „Costa Concordia“-Unglücks in Fahrstühlen aufgefunden wurden. „Das ist zumindest ungewöhnlich“, sagte der BSU-Direktor. Eine weitere, damit womöglich zusammenhängende Frage betreffe das Funktionieren der Strom- und Notstromversorgung auf dem Unglücksschiff.

          Wann die Ergebnisse vorliegen werden, sei noch nicht absehbar. Die Federführung liege bei der italienischen Untersuchungsbehörde (Organismo investigativo sui sinistri marittimi). Zwischenergebnisse würden nicht veröffentlicht.

          Die BSU mit elf Mitarbeitern ist zuständig für Erfassung und Untersuchung aller Arten von Seeunfällen unter Beteiligung von Schiffen unter deutscher Flagge sowie mit deutschen Opfern. Innerhalb der deutschen Hoheitsgewässer wird die BSU unabhängig von der Flagge tätig.

          Ziel der Untersuchungen sei es nicht, einen Schuldigen zu ermitteln, sondern Lehren aus dem Unfall zu ziehen. Über ein weltweites Netzwerk (Marine Accident Investigators’ International Forum MAIIF) unterhält die BSU Kontakte zu ähnlichen Behörden weltweit, die ebenfalls einer entsprechenden Vereinbarung der Internationalen Schifffahrtsorganisation IMO angehören.

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