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Wiederaufbau der Notre-Dame : „Wir sind ein Volk von Baumeistern“

Zwei Tage nach dem Feuer bringt ein Kran erstes Baumaterial. Bild: AFP

Der französische Präsident Emmanuel Macron will die Kathedrale von Notre-Dame innerhalb von fünf Jahren „schöner denn je“ wieder aufbauen lassen. Doch Experten halten den Zeitplan für zu ehrgeizig.

          Pünktlich zu den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 soll die Kathedrale Notre-Dame de Paris wieder hergestellt sein. Das hat der französische Präsident Emmanuel Macron in einer Fernsehansprache verkündet: „Schöner denn je werden wir sie wieder aufbauen! Wir schaffen das!“. Der Staatschef wirkte im Kameralicht wie erleuchtet von seiner neuen Mission.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Der Rektor der Kathedrale, Patrick Chauvet, berichtete wie der junge Präsident seine Hand gehalten habe, als sie in der Brandnacht einen ersten Blick in das Hauptschiff der Kathedrale warfen. Macron hat den Franzosen feierlich verkündet, dass jetzt „alles in Bewegung gesetzt wird“, um die Brandschäden zu beheben. Die Tagespolitik könne warten. „Wir sind ein Volk von Baumeistern.“ Höchstpersönlich leitete der Präsident am Mittwoch einen Ausschuss, bei dem die weiteren Etappen des Wiederaufbaus festgelegt wurden. Die Kabinettssitzung war ausschließlich dem Thema Notre-Dame gewidmet.

          An Finanzmitteln wird es nicht mangeln. Geldgeber überschlagen sich mit Spendenzusagen. Wie der Denkmalschutz-Beauftragte Stéphane Bern mitteilte, könnte noch am Mittwoch die Eine-Milliarde-Euro-Marke erreicht werden. „880 Millionen Euro sind bereits zugesagt“, sagte er. Für internationale Mäzene soll eine Stiftung begründet werden. Insbesondere französische Unternehmerfamilien haben sich mit Spenden überboten. Spenden für Kulturdenkmäler wie die Kathedrale in Frankreich können zu 60 Prozent steuerlich abgesetzt werden. Um eine Polemik über die „eigennützige Spendenbereitschaft“ der Superreichen zu beenden, kündigte die Milliardärsfamilie Pinault an, auf die Steuererleichterung „ehrgeizig, aber nicht unmöglich“ verzichten zu wollen. Sie hat 100 Millionen Euro zugesagt.

          „Die Menschen bauen keine Dome mehr“

          Die von Macron festgesetzte Fünf-Jahres-Frist hat indes zu einer hitzigen Debatte geführt: Ist das Ziel nicht viel zu ehrgeizig? Wird die Qualität nicht darunter leiden? Stararchitekt Jean-Michel Wilmotte, der unter anderem das „Collège des Bernardins“, ein ehemaliges Kolleg des Zisterzienserordens in Paris restauriert hat, hält den Zeitraum für „ehrgeizig, aber nicht unmöglich“. „Wir schaffen es, ein Sportstadion für 40.000 Zuschauer innerhalb von zweieinhalb Jahren zu bauen“, sagte Wilmotte im Radiosender France Inter. Wenn modernste Technologien und Materialien für den Wiederaufbau verwandt würden, sei die Kathedrale 2024 fertig. „Es ist ja nicht mehr zeitgemäß, sich Zeit zu lassen.“

          Denkmalschutz-Architekt Pierluigi Pericolo hingegen hält es für unverantwortlich, schon jetzt Fristen für den Abschluss der Bauarbeiten zu setzen. Pericolo leitet die Wiederherstellung der Basilika Saint-Donatien in Nantes, in der im Juni 2015 durch einen Brand schwere Schäden entstanden. Die Sicherung des Gewölbes und der Tragpfeiler habe mehr als zwei Jahre in Anspruch genommen, sagte Pericolo dem Radiosender France Info. „Es ist sehr schwierig, die Wirkungen des Löschwassers und der Brandschäden genau zu ermessen.“ Noch sei unklar, an welchen Stellen das Gewölbe der Kathedrale Notre-Dame stabilisiert werden müsse und ob die Außenmauern Schaden genommen hätten. Die Sicherung werde mindestens „zwei bis fünf Jahre“ in Anspruch nehmen, so der Architekt. Erst danach könne mit der eigentlichen Restauration begonnen werden.

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