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Früherkennung von Waldbränden : Die Feuerwehr schaut vom Himmel

  • -Aktualisiert am

Ein Flugzeug vom Feuerwehrflugdienst Niedersachsen startet am Donnerstag am Flugplatz Hildesheim zum ersten Kontrollflug in diesem Sommer. Bild: dpa

Der Waldbrand-Gefahrenindex ist in einigen Regionen jetzt schon auf die zweithöchste Warnstufe geklettert. Zur Früherkennung von Waldbränden heben Luftbeobachter in Propellerflugzeugen ab.

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          Schreckensmeldungen von verheerenden Waldbränden kommen nicht mehr nur aus Mittelmeerländern, aus den USA und aus Australien. Sie sind auch mitten in Deutschland akut. Extrem früh ist der Waldbrand-Gefahrenindex im gerade erst beginnenden Sommer bei tropischen Temperaturen und permanenter Trockenheit in einigen Regionen bereits auf die zweithöchste Warnstufe geklettert, etwa im Harz oder in Unterfranken.

          Wie aber ist eine Früherkennung von Waldbränden überhaupt möglich? Dafür sind etwa die Mitglieder des Deutschen Flugbeobachtungsdienstes in der Luftrettungsstaffel Bayern oder des Feuerwehrflugdienst in Niedersachsen zuständig. Bayern ist bei der vorbeugenden Waldbrand-Bekämpfung aus der Luft unter den 16 Bundesländern führend. Von rund 30 Stützpunkten aus können Propellerflugzeuge mit Luftbeobachtern seit dem 17. Juni abheben. Jedes Jahr fliegen sie mehrere tausend Einsätze, auch manchmal ins benachbarte Hessen hinein. Die 300 Piloten und Pilotinnen des Deutschen Flugbeobachtungsdienstes der Luftrettungsstaffel Bayern e. V. gehören Vereinen an oder sind Privatpersonen, die ihre Flugzeuge oder Hubschrauber in den Dienst der Allgemeinheit stellen.

          Die Luftbeobachter, die sie begleiten, sind von Katastrophenschutz, Forstverwaltung, Kreisverwaltungsämtern oder Feuerwehr. Bevor sie in die Luft gehen dürfen, absolvieren sie eine spezielle Ausbildung an der staatlichen Feuerwehrschule Würzburg. Dort lernen sie, entstehende Waldbrände oder andere Feuer zu erkennen, die Position zu bestimmen und die Kommunikationsabläufe zwischen den beteiligten Rettungskräften zu erfassen.

          Eine Cessna 206 vom Feuerwehrflugdienst Niedersachsen während eines Überwachungsfluges 2018
          Eine Cessna 206 vom Feuerwehrflugdienst Niedersachsen während eines Überwachungsfluges 2018 : Bild: dpa

          Seit Donnerstag gehen wegen anhaltender Trockenheit und extremer Temperaturen in Bayern, Niedersachsen und auch Sachsen-Anhalt in den Nachmittagsstunden nun wieder Propellerflugzeuge in die Luft. Ihre Crews sollen entstehende Waldbrände erkennen, Rettungsstellen am Boden alarmieren und die Feuerwehren rasch zum möglichen Brandherd dirigieren. Angeordnet werden diese Flüge beispielsweise von den Regionalregierungen in Absprache mit dem jeweils zuständigen Waldbrand-Beauftragten der Forstverwaltung.

          Die Flugrouten werden bei einer hohen Warnstufe des fünfstufigen Waldbrand-Gefahrenindex zwischen Bezirksregierungen, Forstämtern und den Piloten abgestimmt. So ist festgelegt, auf welchen besonders gefährdeten Strecken nach möglichen Feuern Ausschau gehalten wird – beispielsweise Gegenden mit hohem Schadholzbestand, aber auch Regionen rings um beliebte Grillplätze.

          Große Löschflugzeuge gibt es in Deutschland nicht

          Geflogen wird etwa zwei Stunden lang, zumeist in viersitzigen Propellerflugzeugen. Das sind einmotorige Cessna 172 und Piper PA-28, manchmal auch französische Robin-Tiefdecker oder zweisitzige Motorsegler. Niedersachsen hat sogar zwei eigene Cessna-Feuerwehrflugzeuge und Zugriff auf weitere Maschinen. Mit diesen werden bei hohem Waldbrand-Gefahrenindex Beobachtungsflüge über den ausgedehnten Waldgebieten des Bundeslands unternommen. Aber auch mit diesen Flugzeugen kann nicht aus der Luft gelöscht, sondern immer nur alarmiert werden.

          Bricht wie 2019 in Brandenburg dennoch ein großflächiger Waldbrand aus, damals der schwerste seit Jahrzehnten in Deutschland, können Hubschrauber von Bundeswehr oder Bundespolizei mit Löschwasser-Außenlastbehältern ausgerüstet werden. Die hängen unter dem Heli, werden in Seen oder von Feuerwehrfahrzeugen befüllt und direkt über dem Brandherd ausgeleert. Derartige Helikopter kamen auch vor zwei Jahren bei der Waldbrandkatastrophe in Brandenburg zum Einsatz. Die Hubschrauber vom Typ Airbus Helicopter Super Puma oder auch NH90 sowohl von Bundeswehr als auch der Bundespolizei unterstützen damit die Bodenkräfte der Feuerwehren.

          Große Löschflugzeuge, wie sie etwa in Südeuropa rings um das Mittelmeer zur Waldbrandbekämpfung eingesetzt werden, gibt es in Deutschland nicht. Denn diese zweimotorigen Turboprop-Flugzeuge mit ihren speziell ausgebildeten Crews das ganze Jahr über für einen möglichen Notfall vorzuhalten wäre unwirtschaftlich. Es sei denn, Waldbrände würden sich in Zukunft, bedingt durch den Klimawandel, auch in Deutschland dramatisch häufen.

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