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Brandgefahr durch Dürre : „Mit solchen Extremfällen müssen wir in Zukunft nun einmal rechnen“

Hubschrauber, hier ein Modell der Polizei, beim Löscheinsatz an der Bleilochtalsperre, wo Einsatzkräfte seit Ostern einen Großbrand bekämpfen. Bild: dpa

Der Sommer hat noch nicht begonnen, da warnt der Wetterdienst bereits vor der nächsten Dürre. Wie hoch ist die Brandgefahr in Deutschland und warum fordert der Feuerwehrverband mehr Löschhubschrauber?

          Herr Hachemer, der Deutsche Wetterdienst meldete, dass uns ein weiterer Dürresommer bevorstehen könnte. Was würde es denn für die Feuerwehren bedeuten, wenn wir noch einmal eine Dürre wie im vergangenen Jahr erleben?

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Wir müssten uns dann wahrscheinlich auf ein potenziertes Einsatzszenario einstellen, in dem Ausmaß wie wir es im vergangenen Jahr mit den Großbränden bei Berlin und im Moor in Niedersachsen erlebt haben. In beiden Fällen haben wir gesehen, dass man schnell an seine Grenzen gerät, wenn größere Landflächen von Bränden betroffen sind. So etwas erwarten wir wieder, wenn wir einen solch trockenen Sommer bekommen.

          Was ist momentan das größte Risiko?

          Wir hatten im Winter und auch jetzt im Frühjahr relativ wenig Niederschläge. Zu wenig, um definitiv sagen zu können, dass der Boden genug mit Wasser gesättigt ist. Die Vegetation hat sich noch nicht so entwickeln können, wie das normalerweise in dieser Jahreszeit der Fall wäre, also auch hier ist noch eine große Trockenheit vorhanden. Und all das führt dazu, dass sich Brände schneller entfachen können, wenn eine Zündquelle dort hineingerät, und dass sich Feuer dann obendrein viel leichter ausbreiten kann.

          Zu dieser Jahreszeit sollten Löschteiche ja gut gefüllt sein. Oder sind auch diese Reserven bereits jetzt von Trockenheit betroffen?

          Aktuell haben wir beobachten können, dass sich die Löschteiche durch die jüngsten Niederschläge füllen. Aber wir sehen das Risiko, dass diese Teiche bei Entnahme von Löschwasser nicht so voll bleiben, wenn wir einen weiteren sehr trockenen Sommer bekommen. Das Nachlaufen und Vollbleiben ist dann bei Nutzung durch die Feuerwehr gefährdet – bei den derzeitigen Bedingungen könnte das schneller als im vergangenen Jahr eintreten.

          Bereits seit Ostern kämpft die Feuerwehr in Thüringen gegen einen Großbrand am Bleiloch-Stausee – wie sehen denn die Löscharbeiten dort aus?

          In Deutschland ist die Taktik, den Brand direkt zu löschen. Unsere Feuerwehren dringen direkt in die Zone ein, in der es brennt, und bekämpfen aktiv vor Ort das Feuer, so dass es erlischt. In anderen europäischen Ländern verfolgen die Feuerwehren die Taktik, den Brand zu beschränken. Dort geht man nur an den Saum des Feuers und versucht, es einzugrenzen. So nimmt man auch in Kauf, dass die Fläche komplett abbrennt. Für unser Herangehen brauchen wir entsprechendes Material und entsprechende Mannschaften, sonst müssen wir diese Taktik ändern und ebenfalls nur die Ausbreitung des Feuers verhindern. Das würde bedeuten, dass man gewisse Bereiche auch hier einfach komplett ausbrennen lässt.

          Sie sprechen von Materialien, wie steht es denn um die Ausstattung der deutschen Feuerwehren?

          Unsere Ausstattung ist momentan gut. Wo wir für eine zukünftige, angespannte Lage jedoch genauer hinschauen müssen: Wir werden mehr Fahrzeuge mit geländegängigen Fahrgestellen brauchen. Bislang sind Vorkehrungen in Wäldern getroffen worden, dass es zum Teil auch für Fahrzeuge ohne solche Gestelle Zufahrtswege gibt.

          Der Vorsitzende des deutschen Feuerwehrverbandes, Hartmut Ziebs, forderte zudem mehr Löschhubschrauber. Wofür sind die nötig?

          Wir haben ja das Problem, dass die Bundeswehr in den vergangenen Jahrzehnten verkleinert wurde. Das heißt auch, dass etliches Material nicht mehr vorhanden ist, das wir früher zur Verfügung hatten. Wird bei einem Feuerwehreinsatz ein Hubschrauber benötigt, stellt die Bundeswehr einen ihrer Lasthubschrauber zur Verfügung. Die sind notwendig, weil das zu transportierende Löschwasser ein großes Gewicht hat. Wenn man einen Behälter mit 1000 Liter Löschwasser hat, muss der Hubschrauber ein Gewicht von einer Tonne auch transportieren können. Wir können auch Polizeihubschrauber für Löscharbeiten verwenden, das sind in der Regel jedoch leichtere Modelle, die nicht so viel Wasser auf einmal transportieren können. Durch den Rückbau der Bundeswehr ist die Dichte der verfügbaren Löschhubschrauber nicht mehr so groß in Deutschland. Wenn man, wie damals in Brandenburg, also einen Brandfall hat und dorthin einen Hubschrauber anfordert, hat man ein Problem, wenn zur gleichen Zeit noch ein weiterer Brand an einem anderen Ort einen Löschhubschrauber erfordert.

          Das klingt jetzt so, als gäbe es nur zwei Löschhubschrauber in Deutschland. Wie hoch ist denn derzeit die Zahl der verfügbaren Helikopter?

          Das Problem ist, dass uns die Bundeswehr aus sicherheitspolitischen Gründen keine Auskunft darüber gibt, wie viele Hubschrauber zur Verfügung stehen. Unsere Forderung ist es, Planungssicherheit zu haben. So dass wir im Extremfall drei Hubschrauber parallel einsetzen könnten. Mit solchen Fällen müssen wir in Zukunft nun einmal rechnen. Eigentlich müsste man diese Forderung noch verschärfen und über einen schnellen Dienstweg sicherstellen, dass der Hubschrauber innerhalb kürzester Zeit am Einsatzort sein kann und nicht viele Stunden benötigt werden, bis er einsatzfähig ist.

          Wir haben derzeit in Brandenburg bereits Waldbrandstufe 5. Wie sollten sich Spaziergänger da am besten verhalten?

          Offenes Feuer vermeiden, also nicht Rauchen, keine Lagerfeuer und bitte auch niemals Grillfeuer im Wald entfachen. Wenn ein Brand bemerkt wird, sofort über den europaweiten Notruf -112 wählen. Und bloß keinen Müll im Wald hinterlassen. Das hat zum einen die Gefahr, dass Kunststoffe brandbeschleunigend wirken können. Und im Falle von Glasscherben können durch Sonneneinwirkung Brände überhaupt erst entstehen.

          Frank Hachemer ist der Vizepräsident des deutschen Feuerwehrverbandes.

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