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Nach dem Feuer in Kalifornien : Die Fotoalben, die Hunde – und los

  • -Aktualisiert am

Löscharbeiten in Oak Park Bild: Polaris/laif

Die verheerenden Feuer in Kalifornien trafen Stars und Normalbürger. Die Folgen sind dennoch nicht für alle gleich.

          Ohne seine Nachbarn wäre Jack Snyder wohl zu spät aufgebrochen, um sich vor den Flammen des Feuers in Sicherheit zu bringen. Als die ersten grauen Rauchschwaden über den Canyons von Simi Valley nordwestlich von Los Angeles aufzogen, blieb der Kalifornier anfangs gelassen. Sein Haus im Viertel Morrison Sutton von Oak Park, wegen seiner Lage an den malerischen Ausläufern der Simi Hills besonders beliebt, schien Ewigkeiten von dem Brandherd entfernt. Die Behörden des Bezirks Ventura hatten einige Stunden zuvor ein kleineres Feuer in der Nähe des früheren Forschungszentrums Santa Susana Field Laboratory gemeldet.

          „Als ich nach Hause kam, ging es plötzlich sehr schnell“, erinnert sich Snyder an den Donnerstag der vorvergangenen Woche. „Einige Nachbarn entschieden, ihre Häuser zu verlassen und sich in Los Angeles in Sicherheit zu bringen. Wir schlossen uns spontan an.“ Mit seiner Frau Stephanie und Tochter Morgan packte er Kleidung und Kulturtasche: „Wir zogen alle Fotoalben aus den Regalen, die wir auf die Schnelle finden konnten, nahmen unsere beiden Hunde und fuhren los.“

          Wie Snyder später in den Nachrichten sah, fraßen sich die Flammen schon mit rasanter Geschwindigkeit in Richtung Oak Park. „Auf dem Weg zum Freeway lag Rauch über den Hügeln. Wir sahen aber keine Flammen und glaubten nicht, wirklich in Gefahr zu sein“, so der Mittfünfziger. Eine halbe Stunde später ging das Viertel Morrison Sutton in Flammen auf. „Wir hatten Glück. Und Nachbarn, die uns warnten.“

          Essensausgabe im Notlager von Chico

          Seit in Kaliforniens Norden und Süden am 8. November zwei weiterhin ungelöschte Flächenbrände ausbrachen, werden die Bewohner des Golden State fast stündlich von neuen Schreckensmeldungen eingeholt. Nordöstlich von San Francisco, wo das Camp-Feuer fast 600 Quadratkilometer bewaldete Hügellandschaft in verkohltes Terrain verwandelte und mehr als 11.000 Häuser abfackelte, wird die Liste der Toten und Vermissten von Tag zu Tag länger. In zerstörten Häusern und Autos fanden die Einsatzkräfte schon mehr als 70 oft bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichen. Die Feuerwehr machte Fortschritte bei der Eindämmung der Brände, gelöscht sind die Flammen aber noch nicht. Rauchschwaden breiteten sich bis nach San Francisco aus. Dort sowie in Sacramento und Oakland fiel wegen der schlechten Luftqualität der Unterricht an öffentlichen Schulen aus.

          Privat angeheuerte Feuerwehrmänner

          Etwa 1000 Menschen werden weiterhin vermisst, die meisten im knapp 27.000 Bewohner großen Paradise. Als die Flammen des Camp-Feuers bei starken Windböen und Trockenheit mit ungeahnter Geschwindigkeit über die Stadt hinwegfegten, blieb vielen der meist älteren Bewohner keine Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Wenige Stunden später brach etwa 750 Kilometer südlich das Woolsey-Feuer aus, das auch Snyder und seine Familie aus ihrem Haus vertrieb. Der Flächenbrand fraß sich zwischen Simi Valley und dem Prominentenort Malibu bis Samstag durch fast 400 Quadratkilometer Canyon-Land. Drei Menschen starben, zwei von ihnen auf der Flucht vor den Flammen in ihren Autos.

          Die Feuer im Raum Paradise waren am Freitag zur Hälfte eingedämmt. Für kommende Woche sagt der Wetterdienst die ersten Regenfälle seit Monaten voraus.

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