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Nach langen Löscharbeiten : Weltkriegsbombe in Dresden entschärft

  • -Aktualisiert am

Mit einem Löschroboter kühlten die Feuerwehr die Bombe in Dresden. Bild: dpa

Aufatmen in Dresden: Der Einsatz hatte die Stadt in einen Ausnahmezustand versetzt. Die Polizei zeigt nun Bilder von dem Fundort der Explosion.

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          Erst gab es einen kurzen, heftigen Knall, und danach war am Donnerstagmorgen eine Rauchsäule über Dresden ein stundenlang sichtbares Zeichen der missglückten Bergung eines britischen Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg. Bombenfunde sind in der Dresdner Innenstadt seit Jahrzehnten beinahe etwas Alltägliches: Die Behörden bringen Bewohner in Sicherheit und entschärfen – meist binnen weniger Stunden – den explosiven Fund. Auch als am Dienstagabend Arbeiter auf einer Baustelle etwa einen Meter tief im Erdreich eine 250 Kilogramm schwere britische Fliegerbombe entdeckten, sah zunächst alles nach Routine aus. Noch in der Nacht zum Donnerstag wurden rund 9000 Einwohner aus dem dicht besiedelten Gebiet südwestlich des Stadtzentrums in Sicherheit gebracht und sollten schon am Mittwoch wieder zurückkehren können, nachdem der Blindgänger unschädlich gemacht worden wäre. Doch dann traten unerwartete Probleme auf.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Der Zünder der vergleichsweise großen Bombe sei mutmaßlich durch die Bauarbeiten teilweise eingedrückt, nicht mehr frei zugänglich und unbeweglich gewesen, erläuterten Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes und wiesen zugleich darauf hin, dass jede Bewegung des Zünders oder der Bombe zu einer Detonation führe könnte. Fliegerbomben mit Zünder werden deshalb in der Regel noch am Fundort entschärft, während solche ohne Zünder meist auf Sprengplätze gebracht und dort kontrolliert gezündet werden.

          Weil eine persönliche Entschärfung jedoch zu riskant gewesen wäre, aktivierten die Spezialisten am Mittwoch Plan B, nämlich den Zünder mit einer Spezialvorrichtung aus der Ferne herauszulösen. Zuvor errichteten die Mitarbeiter einen Schutzwall aus Papier- und Presspappeballen, Sandsäcken und Betonquadern rund um die Bombe, um mögliche Druckwellen aufzufangen. In der Vergangenheit hatten kontrollierte Sprengungen von Blindgängern unter anderem in München und Viersen zum Teil erheblichen Schaden angerichtet.

          Luftraum über Dresden zeitweise gesperrt

          Um kurz vor Mitternacht ging dann der Versuch schief, den Zünder ferngesteuert mit einer sogenannten Raketenklemme zu entfernen. Stattdessen entzündete sich das zur Dämmung aufgeschichtete Material, die Flammen griffen auf die Bombe über, wodurch diese vermutlich zum Teil explodierte. Dabei wurden weder Menschen verletzt noch Häuser beschädigt. Weil die Behörden jedoch davon ausgingen, dass es zu weiteren Detonationen kommen könnte, wurde neben den in der Nähe liegenden Bahnstrecken auch der Luftraum über Dresden gesperrt. Lediglich ein Polizeihubschrauber mit einer Kamera kreiste über dem Fundort. Insgesamt waren seit Dienstag 1500 Polizisten im Einsatz, um das Gebiet zu sichern, immer wieder beruhigten sie auch Anwohner, die sich vor Plünderungen sorgten. Da niemand in das Gebiet hineinkomme, sei es dort zumindest vor Diebstahl so sicher wie nie zuvor, erläuterten die Beamten.

          Interview mit einem Sprengmeister: „Bei britischen Fliegerbomben besteht immer eine riesige Gefahr“

          Unterdessen rückte die Feuerwehr am Donnerstag mit Robotern an, um den Brandherd zu löschen und die Bombe zu kühlen. Dieser Prozess dauerte mehrere Stunden, die Polizei zeigte sich allerdings am Donnerstagmittag entschlossen, die nunmehr fast drei Tage dauernde Bergung und Evakuierung zügig zu beenden. Die „Grenze des Zumutbaren“ für die Betroffenen, die zum Teil seit zwei Nächten auf Feldbetten in Messehallen ausharrten, sei erreicht, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner. „Wir sind jetzt bereit, das Risiko zu erhöhen.“

          Als der Brand am Nachmittag unter Kontrolle war, fuhren die Kampfmittelbeseitiger mit einem gepanzerten Bagger zum Fundort, räumten den über der Bombe liegenden Bauschutt sowie das abgebrannte Dämmmaterial beiseite und inspizierten den Blindgänger. Kurz vor 17 Uhr kam dann die erlösende Nachricht: „Die fünf Zentner schwere Fliegerbombe in Dresden ist unschädlich“, twitterte die Polizei und gab Entwarnung. Die Bewohner durften noch am Abend in ihre Häuser zurück.

          Fliegerbomben auch Jahrzehnte nach dem Krieg noch hochgefährlich – Unglücke seit 2010

          JANUAR 2014, EUSKIRCHEN

          In der rheinischen Stadt bei Bonn explodiert ein Blindgänger bei Baggerarbeiten in einem Gewerbegebiet. Der Baggerführer kommt ums Leben, mehr als ein Dutzend Menschen wird verletzt. Die Druckwelle richtet erhebliche Gebäudeschäden an: Fensterscheiben in der Umgebung gehen zu Bruch, Garagentore werden eingedrückt.

          SEPTEMBER 2012, VIERSEN

          Bei der gezielten Sprengung eines Fünf-Zentner-Blindgängers werden in der niederrheinischen Stadt mehrere Gebäude schwer beschädigt. Teile von zwei Ladenlokalen in der Viersener Innenstadt müssen abgerissen werden. Verletzt wird niemand.

          AUGUST 2012, MÜNCHEN

          In der bayerischen Metropole richtet die Sprengung einer Fünf-Zentner-Fliegerbombe erhebliche Schäden an. Der Blindgänger konnte nicht entschärft werden, weshalb sich die Sicherheitsbehörden zur kontrollierten Sprengung entschlossen. Dabei wird vor allem ein Häuserblock an der Explosionsstelle schwer beschädigt. Die Feuerwehr muss mehrere Brände löschen. Auch in diesem Fall sind keine Verletzten zu beklagen.

          JUNI 2010, GÖTTINGEN

          In der niedersächsischen Universitätsstadt explodiert eine Zehn-Zentner-Bombe, noch während die Vorbereitungen für ihre Entschärfung laufen. Drei Sprengmeister werden getötet – sie standen bei der Detonation neben der Bombe. Zwei weitere Mitarbeiter des niedersächsischen Kampfmittelräumdiensts tragen schwere Verletzungen davon. (AFP)

          Topmeldungen

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