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Wasser geht zurück : Brisbane räumt jetzt auf

Nun ist für alle Kehrwoche Bild: AFP

Es wurde dann glücklicherweise doch nicht die „größte Katastrophe in unserer Geschichte“, auf die die Ministerpräsidentin ihre „Queensländer“ vorbereitet hatte. Das Wasser in Brisbane wird weniger. Nun wird aufgeräumt.

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          Unter der Victoria-Brücke wird abgepumpt. Männer in kurzen Hosen und Gummistiefeln legen die Uferstraße frei, auf der eine geschlossene Matschschicht zurückgeblieben ist. Stunden zuvor hatte es noch so ausgesehen, als würde das Hochwasser des Brisbane River das Herz der Stadt, den „Central Business Distrikt“ (CBD), überfluten. Aber dann erreichte das Hochwasser plötzlich seinen Höchststand, und die Menschen in CBD konnten aufatmen. „Wir sind vor dem Schlimmsten davon gekommen“, sagt eine Frau, die über das Brückengeländer auf die braune Brühe starrt, die sich durch das breite Flussbett wälzt. „Ein Meter höher, und wir hätten eine Katastrophe erlebt.“

          Jochen Buchsteiner

          Politischer Korrespondent in London.

          „Schockierende, traumatisierende Ereignisse liegen hinter uns“, bilanziert die Ministerpräsidentin von Queensland, Anna Bligh, als sie am Freitagnachmittag in Gummistiefeln vor die Presse tritt. Die „größte Katastrophe in unserer Geschichte“, auf die sie ihre „Queensländer“ noch am Dienstag vorbereitet hatte, ist nicht eingetroffen. Aber für mindestens 16 Australier bedeuteten die Fluten den Tod. Mehr als 50 werden noch vermisst, bei zwölf von ihnen bestehe „Anlass zur größter Sorge“, sagt Bligh. Rund 4400 Bewohner von Queensland haben in den vergangenen Tagen in Notlagern Aufnahme gefunden. Weitere 7500 meldeten, dass sie vorübergehend bei Freunden oder Bekannten untergekommen sind. Ein paar Tausend mehr dürften ihr Haus verlassen haben, ohne die Behörden darüber zu informieren.

          17.500 Häuser und 3000 Geschäfte von den Fluten betroffen

          Der materielle Schaden ist beträchtlich, auch wenn er noch nicht beziffert werden kann. Straßen und Bahntrassen müssen repariert werden, auch der Fährverkehr in Brisbane wird eine Weile ruhen, bis die Anlegestellen wieder intakt sind. Das Suncorp-Stadion, sportlicher Mittelpunkt der Landeshauptstadt, glich einem riesigen Schwimmbad, gefüllt mit braunem Wasser. Insgesamt seien 17.500 Häuser und 3000 Geschäfte von den Fluten betroffen, rechnet die Ministerpräsidentin vor. Besonders die Verluste in der Landwirtschaft und beim Bergbau werden wohl zu Buche schlagen.

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          Aber nicht alle sind am Freitag schon in Bilanzstimmung. „Ich hänge seit Anfang der Woche in Brisbane fest, weil die Straßen in den Westen gesperrt sind“, sagt Bill Gaze. Der Landwirt war für einen Arzttermin in die zwei Millionen Einwohner zählende Landeshauptstadt gekommen, aus dem 400 Kilometer entfernten Dorf Drillham. Über Telefon erfuhr er inzwischen, dass es auch seine Farm erwischt hat. Alle 30 Minuten wählt er nun die neu eingerichtete Hochwasser-Auskunft-Nummer und fragt, wann die Verbindungsstraßen endlich wieder befahrbar sind. „Man will schon wissen“, sagt der Landwirt, „was mit seinen Kälbern ist.“

          Gaze hat, wie die meisten Australier, keine Versicherung. „Die letzte große Flut war 1974. Hätte ich 36 Jahre lang die horrenden Beiträge gezahlt, hätte sich das nicht gerechnet.“ Gaze blickt eher stoisch auf die Ereignisse. „So ist eben die Natur. Wir leben im schönsten Land der Welt, und dafür zahlt man hin und wieder einen Preis.“

          „Man weiß in diesem Land nie, was auf einen zukommt

          Zwei Drittel von Queensland seien vom Hochwasser betroffen, sagt Ministerpräsidentin Bligh. Aber aus dem Flugzeug sieht alles ziemlich normal aus. Die Flüsse führen mehr Wasser als sonst, aber die Landschaftsstruktur ist klar erkennbar geblieben. Die Überschwemmungsgebiete ähneln eher kleinen Seen, die weit auseinander liegen – nicht vergleichbar mit den meerartigen Ausdehnungen, die etwa das Hochwasser im vergangenen Jahr in Pakistan angenommen hatte.

          „Ich kann nicht verstehen, wie man ein Haus in hochwassergefährdeten Gebieten kaufen oder mieten kann“, sagt ein Passagier, während er aus dem Flugzeugfenster schaut. Jason Fisher, Physiotherapeut aus Sydney, fliegt zu seinem Onkel, der sein Haus bei Brisbane vorübergehend verlassen musste und sich angeblich seit drei Tagen betrinkt. „Ich werde ihm helfen, aber ich werde ihm auch ein bisschen die Leviten lesen.“ Fisher sammelte als Kind Hochwasser-Erfahrungen in Sydney und zog daraus Konsequenzen. Er wohnt jetzt auf einem Berg, und in der Garage steht ein Geländewagen mit Allradantrieb. „Auf dem Autodach ist immer das Vierer-Kanu für meine Familie befestigt – man weiß in diesem Land nie, was auf einen zukommt.“

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