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Love-Parade-Prozess : Es gibt noch so viele brennende Fragen

  • -Aktualisiert am

„Wie vor den Kopf geschlagen“:Klaus-Peter Mogendorf und seine Frau, hier im November 2017, wollen Antworten zum Tod ihres Sohns. Bild: Patrick Slesiona

Angehörige der Love-Parade-Opfer sind enttäuscht über die Teil-Einstellung des Prozesses und fordern eine „eine ausführliche Darstellung“ des Falles. Das Gericht verspricht weitere Aufklärung bis 2020.

          Klaus-Peter und Stefanie Mogendorf haben sich nie viel vom Love-Parade-Prozess erhofft. Die Mogendorfs, die in Belm bei Osnabrück leben, haben am 24. Juli 2010 ihren Sohn verloren. Eike Mogendorf war einer der 21 jungen Leute, die im Gedränge auf der viel zu engen Zugangsrampe zum Gelände der Love Parade in Duisburg ums Leben kamen, mehr als 600 weitere Personen wurden damals verletzt. Es sei ganz wichtig, sagte Klaus-Peter Mogendorf im Dezember 2017, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass nach deutschem Strafrecht die individuelle Schuld jedes einzelnen Angeklagten haarklein nachgewiesen werden müsse. Damals begann endlich der Mammutprozess gegen sechs Angestellte des Duisburger Bauamts und vier Mitarbeiter der privaten Veranstaltungsfirma Lopavent.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Die Mogendorfs hatten auch schon früh versucht, andere Angehörige der Opfer auf ein womöglich enttäuschendes Ende des Prozesses vorzubereiten. So sprachen sie mit Nadia Zanacchi und Paco Zapater, den Freunden aus Italien und Spanien, die bei der Love-Parade-Katastrophe ihre Töchter Giulia und Clara verloren hatten. Sie sagten ihnen, dass das Verfahren schon wegen der absoluten Verjährung der Causa im Sommer 2020 vermutlich nicht mit einem Urteil enden werde. Und dennoch war es wie für alle anderen Nebenkläger auch für die Mogendorfs ein herber Schlag, als der Vorsitzende Richter Mario Plein Mitte Januar vorschlug, den Prozess einzustellen – gegen sieben der Angeklagten wegen „absehbar geringer“ Schuld ohne jede Auflage und gegen die übrigen drei Angeklagten wegen „mittlerer Schuld“ gegen Geldauflage.

          „Wir waren wie vor den Kopf geschlagen“, sagt Klaus-Peter Mogendorf, als Richter Plein ihm das Wort erteilt. Eindringlich wirbt Mogendorf dafür, das Verfahren gegen alle Angeklagten weiterzuführen. „Es gibt noch so viele brennende Fragen, die es lohnt aufzuklären.“ Über viele ganz entscheidende Punkte sei in der Hauptverhandlung noch gar nicht gesprochen worden.

          Erst Wochen vor dem Spektakel legte Lopavent den Antrag vor

          Mogendorf ist Bauingenieur, zahlreiche Sonderbauten und Versammlungsstätten hat er als verantwortlicher Projektleiter realisiert. „Auf der einen Seite bin ich der Vater, der sein Kind auf der Veranstaltung verlor, auf der anderen Seite der Sachkundige, der erleben muss, wie leichtfertig und fahrlässig die gültigen Bestimmungen und Gesetze gehandhabt wurden.“ Das quäle ihn oft.

          Die Love-Parade-Katastrophe hätte sich nicht wegen fehlender Regeln ereignet. Vielmehr seien die Regeln von den Verantwortlichen „nicht angewendet und umgangen“ worden, sagt Mogendorf. Aus den Ermittlungsakten geht tatsächlich hervor, dass Duisburger Verwaltungsbeamte in der Planungsphase vor zehn Jahren ihre Bedenken gegen die Love Parade früh und umfassend formuliert hatten. Früh war auch klar, dass der alte Güterbahnhof für das Technospektakel ungeeignet sein würde.

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