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Ursachen von Harvey : Was zwei Grad wärmeres Wasser anrichten kann

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Mitarbeiter der Nationalgarde tragen in Port Arthur einen beinamputierten Mann über eine durch Tropensturm Harvey überflutete Straße. Bild: dpa

Harvey ist kein Supersturm – gehört aber trotzdem zu den katastrophalsten Wirbelstürmen, die je das amerikanische Festland erreicht haben. An der Stärke des Windes liegt das nicht.

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          Der typische Maßstab für die Stärke eines tropischen Wirbelsturms ist die Saffir-Simpson-Skala – benannt nach den beiden amerikanischen Meteorologen Herbert Saffir und Bob Simpson. Als Kriterium, in welcher Rubrik der fünfteiligen Skala ein Hurrikan einzustufen ist, gilt dabei die Windgeschwindigkeit. Bläst der Wind rund um den Wirbel des Sturms mit mehr als 250 Kilometern pro Stunde, hat man es mit einem Hurrikan der Maximalstärke 5 zu tun. Ein weiteres Maß für die Intensität eines Wirbelsturms ist der Luftdruck im Auge des Wirbels. Typisch ist, dass der Luftdruck im Sturmzentrum um so geringer ist, je schneller sich die Winde drehen. Der niedrigste je in einem tropischen Wirbelsturm gemessene Luftdruck betrug 870 Hektopascal, als sich 1979 Taifun Tip 1979 Japan näherte.

          Nach keiner dieser beiden klassischen Messlatten ist Hurrikan Harvey ein Supersturm. Lediglich sieben Stunden lang in der Nacht zum vergangenen Samstag erreichten seine Windgeschwindigkeiten mit 215 Kilometern pro Stunde die Kategorie 4 auf der Saffir-Simpson-Skala. Der Luftdruck in seinem Auge fiel dabei zu keiner Zeit unter 938 Hektopascal. Danach verlor er schnell an Stärke und wurde zu einem tropischen Sturm herabgestuft – gleichsam die Kategorie 0 auf der Wirbelsturm-Skala. Als Hurrikan Katrina im August des Jahres 2005 den Großraum New Orleans im amerikanischen Bundesstaat Louisiana verwüstete, hatte er die Stärke 5 und in seinem Auge wurde ein Luftdruck von 902 Hektopascal gemessen.

          Die Quelle für das viele Wasser ist der Golf von Mexiko

          Dennoch gehört Havey zu den katastrophalsten Wirbelstürmen, die je das amerikanische Festland erreicht haben. Der Grund dafür ist der viele Regen mit dem Harvey weite Teile von Houston untergehen ließ. Die Quelle für das viele Wasser ist der Golf von Mexiko, der in diesem Jahr wärmer als sonst ist. So fiel die Temperatur der obersten Wasserschichten in der Nähe der Küstenstadt Corpus Christi im vergangenen Winter niemals unter 23 Grad. Das sind fast 2,5 Grad wärmer als der langjährige Durchschnitt.

          Kurz vor Eintreffen von Harvey lagen die Wassertemperaturen vor der texanischen Küste um fast zwei Grad über den Durchschnittswerten für Ende August. Am Freitag, dem Tag an dem Harvey Texas erreichte, betrug die Wassertemperatur vor Corpus Christi 30, weiter östlich in Richtung Louisiana sogar fast 32 Grad. Diese Werte folgen dem in den vergangenen 140 Jahren gemessenen Trend.

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          Danach hat sich die durchschnittliche Temperatur des Wassers im westlichen Golf von Mexiko in den Sommermonaten Juni bis August seit 1870 um mindestens 0,8 Grad erhöht. Je wärmer das Gewässer ist, das ein Wirbelsturm überquert, desto leichter kann Wasser unter dem Einfluss des Sturms verdampfen. Der Wirbel wirkt dabei als gigantischer Rüssel, der Wasser vom Meer ansaugt und es über Land abregnen lässt.

          Weil Harveys Winde und der Luftdruck in seinem Auge vergleichsweise gering waren, hätte der Sturm trotz der warmen Wassertemperaturen keine derartige Sintflut auslösen müssen. Dass es dennoch zu den Überschwemmungen kam, lag an der am vergangenen Wochenende über dem Süden und Südwesten Amerikas herrschenden Großwetterlage. Es gab keine starken Höhenwinde, die Harvey schnell über das Katastrophengebiet hätten hinwegblasen können, wie es meist mit Hurrikanen passiert.

          Stattdessen war der Wirbelsturm tagelang zwischen zwei Hochdruckgebieten eingeklemmt und bewegte sich nur sehr langsam von der Stelle. Die ganze Zeit über sog er Wasser an und transportierte es in seinem gegen den Uhrzeigersinn drehenden Wirbel aufs Festland. Derartig langanhaltende Niederschläge wurden bisher in der Beurteilung der Stärke von Hurrikanen, Taifunen und Zyklonen nicht berücksichtigt.

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