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Neuseeländischer Vulkan : Der Nervenkitzel war Teil des Abenteuers

White Island zieht jedes Jahr zahlreiche Touristen an. Nach dem Vulkanausbruch stellt sich aber die Frage, ob das überhaupt zu verantworten war. Bild: dpa

Kurz vor dem Unglück mit mindestens sechs Toten in Neuseeland hatten Experten die Warnstufe für den aktiven Vulkan heraufgesetzt. Hätte er überhaupt für Touristen zugänglich sein dürfen? Die Polizei ermittelt.

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          Mit Gasmasken und Helmen im Krater, den Schwefelgeruch auf der Haut, vorbei an den Ruinen einer alten Schwefelmine: Der Nervenkitzel war Teil des Abenteuers, das jedes Jahr mehr als 10.000 Touristen auf der einzig aktiven Vulkaninsel Neuseelands gesucht haben. Nach dem Vulkanausbruch mit mindestens sechs Toten werden deshalb immer mehr Stimmen laut, die fragen, ob die Vulkaninsel White Island überhaupt für Touristen hätte freigegeben sein dürfen. Die neuseeländische Premierministerin ging auf diesen Punkt am Tag nach dem Ausbruch indirekt ein. „Wir wissen, dass es größere Fragen in Bezug auf dieses Ereignis geben wird“, sagte Jacinda Ardern am Dienstag nach einem Gespräch mit Rettungskräften. „Diese Fragen müssen gestellt und beantwortet werden.“

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die neuseeländische Polizei teilte zunächst mit, sie habe Ermittlungen zum Hergang der Katastrophe eingeleitet. Dabei sollte es laut Chefermittler John Tims auch darum gehen, „ob jemand für die Todesfälle und Verletzungen strafrechtlich verantwortlich ist“. Später ruderte die Polizei in einer Mitteilung aber zurück und erklärte, sie sei noch nicht so weit, strafrechtliche Ermittlungen einzuleiten.

          Der Vulkan hatte schon in den vergangenen Wochen erhöhte Aktivität gezeigt. Die Warnstufe war am 18. November von eins auf zwei hochgesetzt worden. Damit wird ein erhöhtes Risiko signalisiert. Dennoch hatten weiterhin Touristen den Krater besucht. Vertreter von White Island Tours sagten Radio New Zealand, die Richtlinien erlaubten bei dieser Warnstufe weiterhin Ausflüge auf die Insel. Nach Ansicht von Geologen war der Ausbruch zu dem Zeitpunkt, an dem er passierte, nicht vorauszusehen.

          Rund 50 Kilometer vor der Ostküste Neuseeland liegt die Vulkaninsel – zu weit weg für ein schnelleres Eingreifen der Rettungskräfte.

          Der Vulkan war am Montag um 14.11 Uhr ausgebrochen. Nach Angaben der Premierministerin gab es kurz hintereinander zwei Eruptionen. Demnach befanden sich zu dem Zeitpunkt 47 Personen auf oder in der Umgebung der Insel. Unter den Verletzten und Vermissten seien Einwohner aus Australien, den Vereinigten Staaten, Großbritannien, China, Deutschland, Malaysia und Neuseeland.

          Nach Behördenangaben befanden sich zum Zeitpunkt des Ausbruchs vier Deutsche am Ort des Geschehens. Sie sollen unter den Verletzten sein, wie das Auswärtige Amt in Berlin am Dienstag angab. Hinweise auf deutsche Todesopfer gebe es aber weiterhin nicht. Die Premierministerin sprach von einer Tragödie, deren Ausmaß „verheerend“ sei. Die Polizei und das Militär hätten seit dem Ausbruch eine größere Zahl von Erkundungsflügen über die Insel unternommen. Aber es waren keine Lebenszeichen zu sehen.

          Am Abend wurden noch acht Personen auf der Vulkaninsel vermisst. Etwa 30 Personen lagen mit teilweise schweren Verbrennungen in Krankenhäusern. Mehrere von ihnen befanden sich in Lebensgefahr. Der neuseeländische Tourist Geoff Hopkins, der bei der Rettung geholfen hatte, berichtete dem „New Zealand Herald“, dass alle Überlebenden, die von der Insel geholt worden seien, schwere Verbrennungen hatten. Die meisten Urlauber waren mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Der Ausflug zu der Vulkaninsel gehörte zu einer Tagestour. Ein Großteil der Opfer soll aus Australien stammen. Der australische Premierminister Scott Morrison sprach von mindestens drei Todesopfern und acht Vermissten aus dem Land.

          Der australische Geologe Raymond Cas sagte dem Sender ABC, es sei nur eine Frage der Zeit gewesen, bis es auf der Insel zu einer Katastrophe kommen musste. Er habe den Vulkan mehrfach besucht und sei zu dem Schluss gekommen, dass die Insel, die sich seit Jahrzehnten in Privatbesitz befindet, nicht sicher sei. Wegen der abgelegenen Lage rund 50 Kilometer von der neuseeländischen Küste entfernt gebe es keine Siedlungen und Rettungskräfte in der Nähe. Und selbst wenn, hätten diese wohl nur wenig ausrichten können: Die Touristen, die sich zur Zeit des Ausbruchs im Krater befanden, seien einer viel zu großen Gefahr durch Gas, Asche, fliegende Steine und Felsen ausgesetzt gewesen.

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