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Thailand-Kommentar : Warum die Welt bei der Rettung mitfieberte

Der letzte Helikopter bei der Landung in Chiang Rai. Dort steht das Krankenhaus. Bild: Reuters

Das Schicksal der Fußballmannschaft in Thailand hat über Tage die Welt bewegt – mehr als das Schicksal so vieler anderer. Perfide ist es aber, das eine gegen das andere aufzurechnen.

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          Lebendig begraben zu werden gehört zu den Urängsten des Menschen. Die Vorstellung, hilflos unter der Erde festzusitzen, sich nicht selbst befreien zu können, sondern abhängig zu sein von Fügungen, die niemand unter und oft auch nicht einmal über Tage beeinflussen kann, löst nicht nur bei klaustrophobisch veranlagten Personen Panik aus. Gelingt dann die Rettung, die zuvor aussichtslos zu sein schien, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Heldengeschichten werden geschrieben, sie reichen vom Wunder von Lengede bis zum Wunder in der Tham-Luang-Höhle. 1963 konnten nach 14 Tagen elf Bergleute aus der eingestürzten und überfluteten Grube des Eisenerzbergwerks Lengede-Broistedt lebend geborgen werden; im thailändischen Chiang Rai waren es zwölf Jugendliche und ihr Betreuer, die nach 17 langen Tagen endlich wieder an die Erdoberfläche kamen.

          Wunder gibt es selten, doch in diesem Fall hat die Welt tatsächlich innegehalten, um an einem solchen Anteil zu nehmen. Lengede war auch ein technischer Kraftakt, wie es zuvor keinen gegeben hatte. Und es war ein mediales Ereignis, über das Hunderte Reporter aus aller Welt an der Grube berichteten. Das Unmögliche möglich machen – koste es, was es wolle –, das war damals wie heute Teil der Faszination. Von überallher kamen auch jetzt Freiwillige, nicht um Helden zu spielen; das wurden sie eher nebenbei. Hier ging es einzig und allein um die verloren geglaubte Fußballmannschaft und um die doch größer werdende Hoffnung, die Jugendlichen noch rechtzeitig aus der Höhle bringen zu können.

          Wir, die Zuschauer, nahmen Anteil aus der Ferne, in Zeiten von sozialen Medien in „Echtzeit“ und fast „hautnah“. Es rührte uns an, wie die Jungen in scheinbarer Aussichtslosigkeit gemeinsam in der Höhle beteten und vermeintlich letzte Briefe an ihre Eltern schrieben. Ihr Schicksal hat über Tage die Welt bewegt, mehr als das Schicksal so vieler anderer, die im Krieg in Syrien sterben oder auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken. Perfide ist es, das eine gegen das andere aufzurechnen. Einzelschicksale haben stets eine größere Aufmerksamkeit und Wirkung als Katastrophen, die eine anonyme Masse heimsuchen. Auch das ist menschlich. Freuen wir uns also über die Rettung in Thailand und nehmen wir sie als das, was sie ist: ein großes Wunder.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

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