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Herausforderung für Feuerwehr : „Waldbrände sind nicht das typische Einsatzszenario“

  • -Aktualisiert am

Deutschland kommen in Wäldern üblicherweise Bodenfeuer vor wie bei diesem Brand auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz in Brandenburg. Bild: dpa

Durch das heiße Wetter drohen auch in Deutschland mehr Waldbrände. Darauf müssen sich die Feuerwehren einstellen, denn bisher fehlt meist das Fachwissen – ein Gastbeitrag eines Brandschutzbeauftragten.

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          Die Sommer in Deutschland werden heißer und trockener, Waldbrände drohen daher auch hierzulande vermehrt – und darauf muss das Land sich vorbereiten. In Deutschland kommen in Wäldern üblicherweise Bodenfeuer vor, im Mittelmeerraum dagegen häufiger Wipfelfeuer. Bodenfeuer, bei denen zum Beispiel trockenes Gestrüpp verbrennt, sind bei guter Zugänglichkeit des Geländes durch ausreichende Feuerwehrkräfte vergleichsweise einfach zu bekämpfen. Wipfelfeuer dagegen können regelmäßig katastrophale Ausmaße annehmen. Der Waldbrandspezialist Jan Südmersen von der Berufsfeuerwehr Osnabrück sagt dazu: „Die Feuerwehren in Deutschland verfügen über ein flächendeckendes Netz, die Waldbrände früh und massiv angreifen können. Hinzu kommt, dass wir leistungsfähige Reserven für die überörtliche Hilfe haben.“ Darin unterscheidet sich Deutschland wesentlich von Ländern wie Griechenland.

          Deutsche Feuerwehren sind vor allem auf die Bekämpfung von Gebäude- und Wohnungsbränden ausgerichtet. Das Vorgehen gegen Waldbrände erfordert jedoch eine andere Einsatztaktik, eine angepasste Ausbildung sowie eine besondere Ausrüstung. Das für die Waldbrandbekämpfung nötige Fachwissen sowie die Sonderausrüstung sind aber nur bei wenigen Feuerwehren vorhanden, da Waldbrände nicht das typische Einsatzszenario darstellen. Auch gibt es kaum ausgewiesene Waldbrandspezialisten in deutschen Feuerwehren. Für den Waldbrandeinsatz ist leichte und dennoch ausreichend schützende Einsatzkleidung erforderlich. Hochisolierende Einsatzkleidung, wie sie bei der Gebäudebrandbekämpfung eingesetzt wird, kann bei hohen Außentemperaturen schnell zu Dehydrierung und gefährlichem Hitzestau führen. Zudem ist eine geeignetere Ausrüstung der Fuhrparks erforderlich. Einsatzfahrzeuge müssen geländegängig sein, (mit hoher Bodenfreiheit, damit sie nicht steckenbleiben oder sich an Hindernissen festfahren), eine möglichst große Tankkapazität für Löschwasser haben und über eine Selbstschutzanlage verfügen. Das ist eine Sprühanlage für Löschwasser zum Schutz des Fahrzeugs gegen Flammen – falls die Feuerwehrleute von einem Brand überrollt werden sollten, was etwa bei wechselnder Windrichtung im Wald geschehen kann. Die Fahrzeuge müssen auch geeignet sein, um damit bei langsamer Fahrt aus einem Turmluk heraus Bodenfeuer bekämpfen zu können. Das unterscheidet Waldbrandfahrzeuge von den für Gebäudebrandbekämpfung konzipierten Fahrzeugen, die bei uns vorherrschen. Hier droht eine Fähigkeitslücke bei den kommunal beschafften Fahrzeugen.

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