https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/waldbraende-in-kanada-und-usa-notstand-im-westen-17449156.html

Waldbrände in Kanada und USA : Notstand im Westen

  • -Aktualisiert am

Gegen die Flammen: Einsatzkräfte versuchen bei Markleeville im Osten Kaliforniens, das Tamarack-Feuer einzudämmen. Bild: Reuters

Die Waldbrände in Kanada und den USA breiten sich weiter aus. An der amerikanischen Ostküste warnten die Gesundheitsbehörden vor Schadstoffen in der Luft – und das, obwohl die Brandgebiete etwa 5000 Kilometer entfernt lagen.

          2 Min.

          Der Rauch der Flächenbrände im Westen der Vereinigten Staaten und Kanadas hat auch die amerikanische Ostküste erreicht. Während die Schwaden etwa 5000 Kilometer von den Brandgebieten entfernt die Hochhäuser vernebelten und zu ungewöhnlichen Sonnenaufgängen führten, warnten die Gesundheitsbehörden von Großstädten wie New York, Washington und Philadelphia vor Schadstoffen in der Luft. Für Manhattan beispielsweise zeigte der Index für Luftqualität (AQI) am Mittwoch einen Wert von 157 an. Von einem Wert von 100 an gilt die Luftqualität besonders für ältere Menschen, für Vorerkrankte und Schwangere als ungesund, von einem Wert von 150 an sind Auswirkungen auch für Gesunde spürbar. Insgesamt sprachen Meteorologen Warnungen für mehr als 40 Millionen Amerikaner aus.

          Im Westen des Landes versuchten derweil Tausende Feuerwehrleute, fast 80 Brände einzudämmen. Das kalifornische Dixie-Feuer, das vor neun Tagen nördlich von Sacramento ausbrach, breitete sich bis Donnerstag über mehr als 370Quadratkilometer aus. Wie die kalifornische Behörde für Wald und Feuerschutz (Cal Fire) meldete, konnte es bislang nur zu 15 Prozent eingedämmt werden. Etwa 900 Häuser und Stallungen in den Bezirken Butte und Plumas wurden am Donnerstag weiter von Flammen bedroht. Starke Windböen trieben die Flammen inzwischen fort von Paradise, das vor drei Jahren durch das Camp-Feuer fast vollständig zerstört wurde. Der Sheriff von Butte County ordnete am Mittwoch aber Evakuierungen für die etwa 70 Kilometer entfernte Westküste des Stausees Lake Almanor an, der seit Tagen unter einer Decke von orangefarbenen Rauchschwaden liegt. „Apokalyptisch“, schrieb der Fotograf Jake Edwards, der in der Region wohnt, bei Facebook unter eine Sammlung von Aufnahmen.

          Auch das Tamarack-Feuer brannte unkontrollierbar weiter. Nach der Hitzewelle der vergangenen Wochen und einer historischen Dürreperiode breitete es sich im Nationalwald Humboldt-Toiyabe an der Grenze zum Bundesstaat Nevada bis Donnerstag über fast 180 Quadratkilometer aus. Cal Fire setzte Löschflugzeuge und Hubschrauber ein. Dennoch meldete die Behörde bis Donnerstag, dass das Feuer nicht eingedämmt werden konnte. Der bisher größte Brand der Feuersaison 2021, das Bootleg Fire im Süden Oregons, wuchs derweil auf fast 1500 Quadratkilometer, eine Fläche größer als Los Angeles. Mindestens 2000 Bewohner der ländlichen Region mussten ihre Häuser verlassen, etwa 170 Gebäude brannten nieder. Meteorologen verwiesen auf die enorme Geschwindigkeit des Bootleg-Feuers, wodurch das Entstehen eigener Wetterphänomene wie rußhaltiger Pyrocumulus-Wolken, auch Feuerwolken genannt, begünstigt werde.

          Nach dem Ausbruch von etwa 300 Flächenbränden erklärte die Provinz British Columbia im Westen Kanadas am Dienstag den Notstand. „Wir bereiten uns auf ein Szenario mit Massenevakuierungen vor“, sagte Mike Farnworth, Minister für öffentliche Sicherheit der Provinz. Bei Rekordtemperaturen durch eine Hitzeglocke über dem Westen des Landes hatten Blitze in den vergangenen Wochen Dutzende Brände in British Columbia ausgelöst. Das Dorf Lytton, wo mit 47,9 Grad Celsius die höchste Temperatur in Kanada seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen wurde, brannte nieder. In den vergangenen Tagen meldeten auch die Provinzen Alberta, Saskatchewan, Manitoba und Ontario Dutzende Flächenbrände. Um weitere Ausbrüche zu verhindern, kündigte der kanadische Verkehrsminister Omar Alghabra jetzt an, bei Temperaturen von mehr als 30 Grad die Geschwindigkeit von Zügen zu drosseln. Zugführer wurden verpflichtet, künftig auch kleinere Brände entlang der Strecke zu melden.

          In Nordkalifornien, wo immer wieder Brände durch Defekte an Überlandleitungen ausbrechen, kündigte der Energieversorger Pacific Gas & Electric (PG&E) an, mehr als 15.000 Kilometer Leitung in der Erde zu verlegen. „Wir wollen endlich eine sichere Lösung“, sagte PG&E-Chefin Patricia Poppe am Mittwoch bei einem Besuch im Bezirk Butte. Durch unzureichend gewartete Stromleitungen war dort im Herbst 2018 das Camp-Feuer ausgebrochen, bei dem 85 Menschen starben und der Ort Paradise zerstört wurde. Auch das Dixie-Feuer, das jetzt in der Region brennt, geht wahrscheinlich auf defekte Leitungen zurück.

          Topmeldungen

          Hat einen Plan: Bundeswirtschaftsminister und Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne)

          Energiesicherheit : Der Gas-Notfallplan für den Herbst

          Die Regierung plant die Uniper-Rettung und rüstet sich für eine mögliche Gassperre in der kommenden Woche. Wie das genau ablaufen könnte: Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.