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Waldbrände in Kalifornien : Die Brandsaison beginnt immer früher

  • -Aktualisiert am

Im Norden Kaliforniens wuchsen zwei Waldbrände zum größten Feuer in der Geschichte des amerikanischen Staates zusammen. Bild: dpa

Dass das Wald- und Flächenbrandrisiko in den Sommermonaten besonders hoch ist, steht außer Frage. In Kalifornien jedoch hat es noch nie schon so früh so viele verheerende Feuer gegeben wie in diesem Jahr. Woran liegt das?

          Auf den ersten Blick scheinen sich die Katastrophen in jedem Jahr mit großer Regelmäßigkeit zu wiederholen. In Kalifornien kommt es während der trockenen Sommermonate stets zu ausgedehnten Wald- und Buschbränden. Bei genauerem Hinsehen fällt aber auf, dass sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte enorm viel geändert hat. So dauert die Waldbrandsaison inzwischen immer länger. Gleichzeitig vernichten die Brände immer größere Flächen und schließlich sind immer mehr Menschen von der Intensität und dem Ausmaß der Brände betroffen.

          So gehört das Carr-Feuer, das seit mehr als zwei Wochen nordwestlich der nordkalifornischen Stadt Redding wütet, zu den katastrophalsten Bränden, die es je im bevölkerungsreichsten amerikanischen Bundesstaat gegeben hat. Mindestens sieben Personen, unter ihnen zwei Feuerwehrleute, sind bisher in dem riesigen Waldbrand ums Leben gekommen, einige tausend weitere mussten ihre Häuser zwangsweise verlassen. Mehr als tausend Wohnhäuser wurden ein Raub der Flammen. Obwohl inzwischen mehr als 4700 Feuerwehrleute den Brand bekämpfen, ist er immer noch weitgehend außer Kontrolle.

          Knapp hundert Kilometer weiter südlich, rund um den Clear Lake, haben zwei benachbarte Waldbrände gut 1150 Quadratkilometer Wald und Busch vernichtet. Dort sind mehr als 3700 Feuerwehrleute im Einsatz, die diesen von der Fläche her nunmehr größten Brand in der Geschichte Kaliforniens bisher aber nur zu weniger als einem Drittel eingedämmt haben. Das Mendocino-Komplex-Feuer ist damit inzwischen etwas größer als das Thomas-Feuer in Ventura und Santa Barbara im vergangenen Jahr, bei dem rund 1140 Quadratkilometer Fläche betroffen war.

          Unterdessen hat das seit fast drei Wochen am Westrand der Sierra Nevada brennende Ferguson-Feuer zur Schließung eines großen Teils des Yosemite-Nationalparks geführt. Die 2700 Feuerwehrleute haben den Brand erst zu etwas mehr als einem Drittel eingedämmt. Auch im Ferguson-Feuer sind zwei Wehrleute ums Leben gekommen. Neben diesen großen Feuern gibt es zur Zeit Waldbrände an 30 weiteren Stellen in Kalifornien. Im vergangenen Monat lag die Gesamtzahl der Waldbrände bei 101.

          Noch vor Jahren galt der Monat Juni als der traditionelle Beginn der kalifornischen Waldbrandsaison. Die Regenzeit wich dann den ariden Sommermonaten und die Wälder begannen allmählich auszutrocknen. Aber in diesem Juni allein gab es schon nahezu 80 größere Waldbrände. Und selbst am Ende der Regenzeit, in den Monaten April und Mai, brannte es an 34Stellen in den Wäldern Kaliforniens. Sogar im normalerweise regenreichen ersten Quartal des Jahres mussten Feuerwehren sieben große Waldbrände löschen.

          Es gibt in den Brandbekämpfung keine Pause mehr

          Außerdem beobachten langjährige Feuerwehrleute, dass die Brandsaison inzwischen nicht nur früher beginnt, sondern auch länger dauert. Während noch vor einigen Jahren die meisten Waldbrände mit dem Einsatz der Regenzeit im Oktober auf natürliche Weise verlöschten, brannte es in den vergangenen Jahren oft noch bis in den Dezember hinein. Feuerwehrleute, die in den Staatsforsten Dienst tun, sagen immer wieder, dass es inzwischen keine Pause mehr in den Brandbekämpfung gibt. Außer für einige Wochen im tiefen Winter gibt es das ganze Jahr über Waldbrände.

          Ein Helikopter kämpft mit dem Feuer auf einer Ranch: Im Norden Kaliforniens ist der größte Waldbrand in der Geschichte Kaliforniens entstanden.

          Die aufgrund des Klimawandels seit Jahren steigenden Durchschnittstemperaturen sind ein Grund dafür, dass die Brandsaison nicht nur länger dauert, sondern auch dafür dass die Brände immer intensiver werden und dabei größere Flächen vernichten. So gab es im Küstengebirge und dem Vorgebirge der Sierra Nevada in Zentralkalifornien in diesem Juli praktisch keinen Tag, an dem die Lufttemperatur nicht über 35 Grad stieg. Zusammen mit einer extrem niedrigen relativen Luftfeuchtigkeit verdorren dabei selbst gesunde Wälder zu leicht entflammbaren Zunder.

          Bei einem Besuch der Löscharbeiten am Carr-Feuer fand Jerry Brown, der nach acht Amtsjahren im November scheidende Gouverneur Kalifoniens, klare Worte für die dramatischen Veränderungen bei den Waldbränden. Der scharfe Kritiker der Umwelt- und Klimapolitik von Präsident Donald Trump nannte die intensiveren Brände die „neue Normalität“ in Kalifornien.

          Zwar blieb dem Staat in den vergangenen Jahren eine ähnlich verheerende Katastrophe wie jüngst in der griechischen Provinz Attika erspart, bei der 88 Menschen in mehreren, sich rasant ausbreitenden Waldbränden umkamen. Dennoch nimmt die Zahl der Waldbrandopfer auch in Kalifornien zu. Im Oktober kamen in der Umgebung der nördlich von San Fransciso gelegenen Stadt Santa Rosa mehr als 20 Personen im sogenannten Tubbs-Feuer ums Leben. Nahezu 3000 Wohnhäuser wurden zerstört. In Zukunft ist damit zu rechnen, dass noch mehr Menschen von Waldbränden betroffen sein werden. Wegen der inzwischen knapp 40 Millionen Einwohner wächst der Siedlungsdruck in Kalifornien. Die Vororte wuchern immer weiter in bisher unbewohnte Wald- und Buschgebiete hinein. Wie bedroht diese Stadtteile sind, zeigte sich im vergangenen Jahr in Santa Rosa und auch jetzt bei dem Carr-Feuer in Redding. In beiden Fällen konnten sich Einwohner abgelegener Vororte nur mit Mühe vor den Flammen retten.

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