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Waldbrände in Kalifornien : „Abhängig von der Gnade des Windes“

  • -Aktualisiert am

3800 Morgen Buschland stehen in Südkalifornien in Flammen Bild: AP

Wegen der Waldbrände im Süden Kaliforniens hat Gouverneur Schwarzenegger den Notstand für Malibu ausgerufen. Villenbesitzer wie „Titanic“-Regisseur James Cameron fliehen vor dem Feuer. Christiane Heil über das flammende Inferno.

          3 Min.

          Nach fast zwölfstündigen Löscharbeiten, der Evakuierung von etwa 300 Anwesen und Sperrung der Küstenstraße in Malibu hat die Feuerwehr von Los Angeles am Sonntagabend ihre Arbeit vorerst einstellen müssen. Trotz der sich weiter ausbreitenden Brände in den Hügeln oberhalb des Pazifiks mussten Löschflugzeuge und Helikopter zu ihren Stützpunkten zurückkehren, da sie bei Dunkelheit nicht fliegen konnten. Zu gefährlich war der Einsatz in den engen Schluchten der Bergkette, zumal der Wind gegen Abend stärker wurde. Seit den Morgenstunden hatte er mit Geschwindigkeiten von bis zu 90 Stundenkilometern Funken und Flammen in Richtung Ozean geweht.

          Viele Bewohner Malibus wurden am Sonntag noch vor Sonnenaufgang dadurch geweckt, dass ihre Klimaanlagen nicht mehr funktionierten. In verschiedenen Teilen der Luxusenklave nahe Los Angeles war der Strom ausgefallen, nachdem der Wind mehrere Stromleitungen gekappt hatte. Wie die vorläufigen Untersuchungen der Feuerwehr von Los Angeles County ergeben haben, wurden auch die Brände vermutlich durch einen der beschädigten Strommasten ausgelöst. Da es in Südkalifornien im vergangenen Jahr kaum geregnet hat, ist das Buschwerk in den Santa Monica Mountains noch trockener als üblich. Ein Funke hat wahrscheinlich genügt, um eine Fläche von mehreren tausend Quadratmetern zu verbrennen.

          „Das Feuer ist völlig außer Kontrolle

          Bis zum Abend zählte die Feuerwehr mehrere Verletzte, eine Reihe zerstörter Wohnhäuser sowie verschiedene Geschäfte und eine Kirche, die entlang der berühmten Küstenstraße Pacific Coast Highway in Rauch aufgegangen sind. Malibus Bürgermeisterin Pamela Conley Ulich fürchtete um die Sicherheit aller 17.000 Bewohner des Ortes: „Das Feuer ist völlig außer Kontrolle. Wir sind von der Gnade des Windes abhängig.“ Für die nächsten Tage haben Meteorologen weiter starke Winde und überdurchschnittliche Temperaturen von bis zu 35 Grad vorhergesagt.

          Viele Bewohner Malibus hatten schon am Morgen ihre Häuser verlassen und sich in Notunterkünfte des Roten Kreuzes in das benachbarte Pacific Palisades begeben. Auf Anraten der Feuerwehrleute packten sie in kürzester Zeit Computer, Handys, Fotos und persönliche Dinge. Ein paar hundert Hausbesitzer versuchten, ihre Anwesen eigenhändig vor den Flammen zu retten. Mit Gartenschläuchen wässerten sie Dächer und Gärten oder schlugen kleinere Brände mit Schaufeln nieder. Die meisten trugen dabei Skibrillen, um die Augen vor Aschepartikeln zu schützen. Viele hatten sich feuchte Handtücher um den Kopf geschlungen, um der Hitze besser standhalten zu können.

          Verheerende Brände in der Vergangenheit

          Schloss Kashan, eine weithin sichtbare Villa in Ritterburgoptik, ging schon unmittelbar nach Sonnenaufgang in Flammen auf. Von dem 17 Millionen Dollar teuren Anwesen einer bekannten Philantrophin Malibus sind nur das Gästehaus und der Schornstein übrig. Auch das Haus von „Titanic“-Regisseur James Cameron war nicht mehr sicher und wurde evakuiert. Während Sängerin Olivia Newton-John in Kanada auf Tournee ist, hat ihre Familie die Villa in Malibu verlassen. Das Feuer war dem Anwesen wieder sehr nah gekommen, nachdem es schon bei verheerenden Bränden vor 14 Jahren fast zerstört wurde. Country-Star Tanya Tucker, die mit ihrer Tochter Presley und vier Hunden in Malibu lebt, musste ihr Haus ebenfalls vorübergehend räumen.

          Den meisten Bewohnern Malibus sind die Feuersbrünste nur allzu vertraut. Immer wieder sind sie in den vergangenen Jahrzehnten von kaum zu kontrollierenden Bränden heimgesucht worden. Allein 1978 verbrannten fast 200 Anwesen und riesige Flächen Buschland in den Santa Monica Mountains. Ganze drei Tage tobte 1993 ein Feuersturm durch die sonst malerischen Canyons des Nobelorts. Drei Menschen kamen damals bei dem berüchtigten Superfire ums Leben, mehr als 250 Häuser wurden zerstört. Noch heute erinnern sich viele an die monströse Rauchsäule, die über der Bucht von Malibu kilometerhoch in den Himmel stieg.

          Ob sich auch die aktuellen Brände zu einem Superfire entwickeln, war gestern noch offen. Inzwischen wurden jedoch weitere Flächenbrände aus Südkalifornien gemeldet. Zwischen Santa Barbara County nördlich von Malibu und der mexikanischen Grenzen im Süden kämpften fast 1500 Feuerwehrleute gegen die Flammen. Mehrere tausend Familien mussten in dem Gebiet ihre Häuser verlassen, viele Schulen blieben geschlossen. Der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat den Notstand ausgerufen, um kurzfristig noch mehr Einsatzkräfte in die Brandgebiete schicken zu können.

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